Ein Leben mit den Tieren

Janne Kellner bietet Tieren ein Zuhause auf dem Gnadenhof Frauenwies

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Seit über 30 Jahren betreibt Janne Kellner den Gnadenhof Frauenwies in Pürgen.
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Seit über 30 Jahren betreibt Janne Kellner den Gnadenhof Frauenwies in Pürgen.

Pürgen – Seit über 30 Jahren betreibt Janne Kellner den Gnadenhof Frauenwies zwischen Stoffen und Stadl im Gemeindegebiet Pürgen. Mit großem persönlichen Einsatz bietet sie geschundenen Kreaturen ein Zuhause, in dem sie ihre letzten Jahre in Würde und Ruhe verbringen können.

Wer den Gnadenhof besucht, wird nicht nur von der resoluten Hausherrin begrüßt, sondern auch von Kimi, Ludwig und Felix – drei finster blickenden Deutschen Schäferhunden. „Ich verbürge mich dafür, dass die Hunde friedlich sind“, sagt Kellner fröhlich, öffnet das Tor und bittet zum Rundgang.

Auf sechs Hektar leben 21 Pferde, fünf Ponys, vier Esel, ungefähr 15 Katzen, ungezählte Mäuse, ein Siebenschläfer, die drei genannten Hunde und gelegentlich ein paar Füchse. „Wenn die Jäger über die Felder stapfen und ihre Ballerei veranstalten, suchen die Tiere bei mir Unterschlupf und verstecken sich in der Scheune. Ich habe die kleinen Füchse seinerzeit großgezogen und sie kennen mich noch“, erklärt Kellner ihre Beziehung zu den wilden Tieren.

1982 fing alles an. Mit ihrem damaligen Mann übernahm sie den Hof und quartierte Zwei- und Vierbeiner ein, die woanders keine Zukunft mehr gehabt hätten. Die Tierliebe wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt. Im zarten Alter von drei Jahren verbrachte sie viel Zeit alleine und freundete sich mit einer Pudeldame und ihren Welpen an. Hunde sind seit dieser Zeit ihre ständigen Begleiter. Als die Eltern in München den kleinsten Biergarten der Stadt betrieben, ging Kellner mit ihren fünf Schäferhunden im Englischen Garten oder entlang der Isar spazieren. Belästigungen blieben aus.

Ende der 60er Jahre waren es wilde Zeiten in der bayerischen Landeshauptstadt. Kellner lebte auf der Überholspur und nahm alles mit, was sie kriegen konnte. 1972 rettete sie sich nach Berlin und studierte Biologie und Zoologie an der Berliner Humboldt-Universität. Aber eine schlechte Angewohnheit hatte sie mitgenommen in die geteilte Stadt: Sie war auf „Gift“, wie sie selbst sagt. Drogen. Ihren Hunden zuliebe machte sie schließlich innerhalb von zwei Wochen einen harten Entzug, wurde clean und schloss ihr Studium ab.

Es verschlug sie schließlich nach Apfeldorfhausen, wo sie bei Eberhard Trumler arbeitete, der dort Urhunde rückzüchtete. „Ich bin da einfach hingegangen, habe mich vorgestellt und gesagt ich würde gerne helfen“, erzählt Kellner. Und da sie bereit war, hart zu arbeiten, durfte sie bleiben.

Der nächste Punkt in ihrem Lebensplan musste abgearbeitet werden: Heirat. Als ihr ein Horoskop versprach, dass sie heute den Mann ihres Lebens treffen würde, machte sie sich schnurstracks auf den Weg zur Isar und traf dort eben jenen Mann, der schließlich ihr Gatte wurde. „Ich wollte unbedingt heiraten, denn bei meinen Eltern konnte ich wegen der Hunde nicht mehr wohnen und der Mann war so nett und hat mich genommen“, sagt Kellner und grinst spitzbübisch.

Sie kauften gemeinsam den heutigen Gnadenhof Frauenwies und die Ehe hielt bis 1996. Nach der Scheidung musste sie um den Hof kämpfen und erbat dabei den Beistand der Muttergottes. Diese zeigte sich kooperativ und sie konnte den Hof behalten. Zum Dank errichtete Kellner mit ihren eigenen Händen eine kleine Kapelle auf ihrem Grundstück.

Natürlich war sie immer auf Spenden angewiesen und eines Tages fuhr ein großer, glänzender Wagen auf ihren Hof – ein Maybach. Das hintere abgedunkelte Fenster fuhr geräuschlos nach unten und spitzenbehandschuhte Finger überreichten ihr einen Scheck über mehrere Tausend Euro. Fortan überwies eine Holding aus London jeden Monat einen festen Betrag, der es ihr sogar ermöglichte, Personal einzustellen. Für einige Jahre lief alles rund auf dem Gnadenhof.

Bis der unselige Pfingstmontag 2019 kam, als der Herrgott seine Schleusen öffnete und einen Hagel vom Himmel schickte, der das Anwesen von Kellner schwer traf. Hütten, Wohnhaus und Ställe nahmen großen Schaden. Die Tiere wurden von herabfallenden Dachziegeln verletzt und das Futter drohte zu verschimmeln. Doch wieder einmal kam Hilfe, mit der nicht zu rechnen war. Der Motorrad Club „Black Pack“ aus Landsberg brachte nicht nur einen Scheck vorbei, sondern deckte die Dächer neu und brachte den Hof wieder auf Vordermann. Weitere Spenden und tatkräftige Hilfe der Nachbarn folgten und Kellner konnte weitermachen.

Beim Rundgang trifft man auf Marvin (25), Thomas (42) und Annika (26). Menschen, die ebenso tierlieb sind wie Kellner und in ihrer Freizeit freiwillig und begeistert mit anpacken. Das festangestellte Personal musste die Hofbesitzerin erst neulich entlassen, das Vertrauen war nachhaltig gestört. Auf Spenden ist der Gnadenhof weiterhin angewiesen, die Kosten für den Hof belaufen sich auf rund 10.000 Euro im Monat.

„Bei mir werden die Tiere renaturalisiert. Die Pferde sollen lernen mit Pferden zu spielen. Sie sollen nicht den ganzen Tag darauf warten, dass sie von Menschen Leckerli ins Maul gestopft bekommen. Das ist krank! Bei mir müssen sie nur morgens brav aus dem Stall zur Weide laufen und abends wieder zurück. Ansonsten können die Party machen“, sagt Kellner und die Leidenschaft für ihre Schützlinge ist ihr ins Gesicht geschrieben.

Neue Tiere nimmt sie nicht mehr auf, nur ein paar Hühner sollen bald für Gegacker und frische Eier sorgen. Was wird einmal werden, wenn sie selbst den Hof nicht mehr bewirtschaften kann? „Ich suche natürlich einen Nachfolger, denn ich kann irgendwann nicht mehr so wie früher. Und wenn ich niemanden finde, werde ich alles dem SOS-Kinderdorf vermachen“, sagt Kellner zur Zukunftsplanung. Aber wahrscheinlich wird sie sich selbst noch viele Jahre um ihre geliebten Tiere kümmern. Man kann es sich gar nicht anders vorstellen.
Dietrich Limper

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