So süß und so ehrgeizig

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Konditorin, Betriebswirtin, Meisterin – und jetzt will die frischgebackene Konditormeisterin Jasmin Junge (21) aus Kinsau studieren.

Kinsau – Sie hat den Spieß einfach umgedreht: Nach der bildete sich Jasmin Junge aus Kinsau erst zur Betriebswirtin fort (da war sie Drittbeste unter 322 jungen Frauen und Männer aus Oberbayern) und legte jetzt mit Bravour die Meisterprüfung abgelegt. So süß der Beruf von Jasmin ist, so ehrgeizig verfolgt sie den beruflich-schulischen Weg, der wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Ab Herbst möchte die 21-Jährige in Augsburg ein Studium aufnehmen – im Fach Betriebswirtschaft. Jasmin möchte sich später mal selbstständig machen.

An der Uni in Augsburg studiert auch Jasmins älterer Bruder Jonas (22). Er will Informatiker werden. Jasmin ist das einzige Mädchen im Hause Junge; sie hat noch drei jüngere Brüder. Die Eltern Viola und Dirk zogen im Dezember 1999 nach Kinsau; zuvor wohnten sie in Holzhausen am Ammersee. 

Jasmin ist gerne Konditorin. Die Menschen freut es, wenn sie mit Süßem überrascht werden. So könne man vielen Leuten „ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, hat Jasmin im Lauf der letzten Jahre beobachtet. Außerdem mache es Spaß, mit Rohstoffen wie Eiern, Zucker, Mehl, Milch und Sahne ein Kunstwerk zu gestalten, ergänzt die junge Frau, die sich ganz auf das Konditoren-Handwerk konzentriert hat. Das Backen von Brot und Semmeln hat sie nicht gelernt. 

Bis zur 10. Klasse ging Jasmin in Schongau ans Gymnasium. Mit der Mittleren Reife in der Tasche, war sie ein Jahr an der Hauswirtschafsschule in Schongau. Dann folgte die Lehre, die auf zwei Jahre verkürzt wurde. Eine Besonderheit war bei Jasmin Junge, dass sie in ein spezielles Ausbildungsprogramm der Agentur für Arbeit aufgenommen wurde. So lernte sie innerhalb von zwei Jahren fünf Betriebe kennen. Die Ausbildung absolvierte sie in Pöcking, Altenstadt, Rott und in zwei Betrieben in Landsberg. 

Unterschiedliche Stuben 

„Das hat mich echt vorangebracht“, blickt die 21-Jährige heute auf die außergewöhnliche Lehrzeit zurück. Die Backstuben seien so unterschiedlich, hat sie festgestellt. Und: „Jeder Konditor hat seine eigene Philosophie“. Diese Erfahrungen seien für sie in der Gesellenprüfung, aber auch in der Fortbildung zum Betriebswirt im ver- gangenen Jahr und im Meisterkurs, den sie seit September letzten Jahres und heuer absolvierte, nur von Vorteil gewesen. 

„Ja, ich bin sehr ehrgeizig“, bekennt die Kinsauerin, die schon an der Berufsschule in München die Jahrgangsbeste war. Ihre Mutter nickt, wenn sie auf die Ambition der Tochter angesprochen wird. Drei Wochen hat Jasmin – es war 2013 – in einer Konditorei in Paris mitgearbeitet. Dabei konnte sie ihre Kenntnisse in Französisch vertiefen, das sie an der Schule als Fremdsprache hatte. 

Bleibt da noch Zeit für Hobbys oder für den Freund? Jasmin schmunzelt und nickt. Sie beschäftigt sich gerne mit Handarbeiten und nimmt ein Buch in die Hand. Romane und Rezepte liest sie dann besonders gern. Auch geht die junge Dame, die früher mal Hackbrett gelernt hat, hin und wieder zum Schwimmen. Wichtig ist ihr, dass bei all den Fortbildungen, und den Prüfungen immer wieder Kreationen in der Praxis ausprobiert. 

In Beschlag nehmen 

Im Wohnheim in München, wo Jasmin Junge die letzten Monate viel Zeit verbrachte, hatte sie nur eine kleine Kochnische mit zwei Herdplatten. Kein Wunder, dass sie, als sie wieder bei der Familie in Kinsau daheim war, die Küche gern in Beschlag genommen und ein Fondant gestaltet hat. Darunter versteht man Zuckermodelliermasse. Die Motive sind vielfältig. Das kann schon mal ein Nilpferd beim Baden sein. Ist doch süß! Und so schmeckt’s auch. Junge, Junge – was das Stichwort „süße Verführung“ betrifft, da macht der Jasmin aus Kinsau so schnell keiner was vor.

Johannes Jais

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