Fast so wie die Knef

Tabatabai und David Klein Quartett im Landsberger Stadttheater

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Jasmin Tabatabai wird gerne mit Hildegard Knef oder Marlene Dietrich verglichen. Wer sie am Sonntagabend im Stadttheater gehört hat, weiß warum. Begleitet wurde sie vom David Klein Quartett, hier Olaf Polziehn am Klavier .

Landsberg – Tucholskys Schloss Gripsholm ist Jasmin Tabatabais Schicksal. Oder besser gesagt, der Film namens „Gripsholm“, den Xavier Koller im Jahr 2000 drehte. Denn in dieser Tucholsky-Biografie spielt die Künstlerin die Varieté-Sängerin Billie – und wird als Sängerin vom Schweizer Musiker David Klein entdeckt. „Du musst unbedingt mit mir ein Jazz-Album machen“, habe er danach immer wieder im unwiderstehlichen Schwitzerdütsch gefordert. Mit Erfolg: Inzwischen sind es schon zwei. „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ stellten Tabatabai und das David Klein Quartett am Sonntagabend zum Snowdance-Ausklang im Stadttheater vor. Jazz wie eine weiche Decke, zum Einwickeln und genießen.

Was reimt sich alles auf Schlafen? Grafen, Hafen, Schäfer mit Schafen, auch Bremerhaven. Das Lied „Schlafen gehen“ des Kinderbuchautors Martin Auer stellt die in Teheran geborene Jasmin Tabatabai als zweite Zugabe ans Ende ihres Konzerts. „Morgen müssen wir ja alle arbeiten.“ Ein Lied, dass sie vielleicht auch ihren eigenen drei Kindern vorgesungen hat. ‚Was haben die‘s gut‘, mag man denken. Denn wer möchte sich nicht von dieser sanften, vollen, runden Stimme in Morpheus‘ Arme singen lassen? Dazu noch vier exquisite Musiker, darunter „der Schwabe mit den magischen Händen“, wie die Sängerin den Ludwigsburger Pianisten Olaf Polziehn nennt. „

Einen Italiener braucht jede Band“, ist Tabatabai überzeugt, weshalb Davide Petrocca den Kontrabass meisterlich zupft. Und auch die Niederlande sind vertreten: Schlagzeuger Hans Dekker erzeugt mit dem Besen Rauschen und gibt auch vertracktesten Cole-Porter-Rhythmen die unerbittliche Basis. Kopf des Quartetts ist David Klein. Und um die fünf Länder – wir zählen Baden-Württemberg jetzt einfach mal dazu – komplett zu machen, stammt der aus der Schweiz. Er freue sich, in Landsberg spielen zu dürfen. Schließlich sei man hier im „Epizentrum des deutschen Coro­navirus.“ Kleins Schwitzerdütsch raubt allem die Schärfe. Es klingt eben „putzig“, findet Tabatabai. Ihr Lieblingswort: ‚Iklemmts‘ für ‚Sandwich‘.

Kleins Musik ist alles andere als putzig. Tabatabais Stimme untermalt er meist mit einem rauchigen Saxton, viel Luft schwingt mit. Spielt er eines seiner Soli, klart der Ton auf und dominiert den Raum, ohne zu schmettern. Immer leicht, virtuos, voller Seele. Leichtigkeit prägt auch Polziehns Fingerspiel. Das Publikum treibt er mit seinen filigranen Soli zu Begeisterungsausbrüchen. Leider nur einmal ist Petrocca als Solist mit seinem Bass zu hören, ebenso darf Dekker nur einmal alleine glänzen. Von beiden wünscht man sich mehr.

Tabatabai selbst ist Stimme pur. Ruhig steht sie auf der Bühne und startet mit dem Georg-Kreisler-Lied „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?“ Sanft verjazzte Lieder wie dieses, die Ballade „Je vole“ von Michel Sardou oder auch schrägere Brecht-Weill-Kompositionen wie über die Sehnsuchtsinsel „Youkali“ stehen der Sängerin und Schauspielerin gut. Der Kabarett-Song aus den 20ern „Mir ist heut so nach Tamerlan“, von Klein als Filmmusik zum Film „Gripsholm“ arrangiert, ist Tabatabai auf den Leib geschneidert. Aber auch bei Jazzklassikern wie Cole Porters „Just one of those Things“, in der deutschen Knef-Variante „Das und nicht mehr“ überzeugt Tabatabai. Nicht umsonst wird sie gerne mit Knef verglichen. Oder eben mit Marlene Dietrich.

Gänsehaut kommt beim ersten Lied nach der Pause auf: ein persisches Volkslied „Gole Sangam“, „Ich bin die Blume aus Stein“. Ihr Vater habe immer bei trauriger Musik wie dieser geweint, erzählt die in Berlin lebende Halbiranerin. Das sei bei Männern im Iran aber normal. Weinen muss man beim Zuhören nicht. Aber die Musik geht unter die Haut.

Bevor es zu ernst wird, spielt Tabatabai aber wieder einen Humorball an Klein. Über was er denn weinen müsse. „Wenn wir in die EU müssten“ frotzelt der Schweizer. Und ja, das ist irgendwie putzig.
Susanne Greiner

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