Jenny Turtle ist neue Miss Dießen

Das Festzelt hat getobt und die Miss Dießen 2010 gefeiert. Mit Jenny Turtle sind die Dießener ihrem Wunsch einen Schritt näher gekommen: „Wir wollten wieder ein Dießener Mädel“, lachte Moderator Florian Vief, nachdem im letzten Jahr eine dunkelhäutige Schönheit aus Rio das Rennen machte und man im Laufe des über 30-jährigen Schönheitswettbewerbs am See schon Siegerinnen aus Kanada, von den Balearen und anderen Orten der Welt hatte. Jenny Turtle ist Engländerin, sie kam vor zwei Jahren der Liebe wegen von Cambridge an den Ammersee und lebt als Goldschmiedin in St. Alban. Auf Platz zwei wählten die über 2000 Festzeltbesucher die Dießenerin Clarice Natalja Zwick. Amelie Hirschberger aus Utting wurde Dritte.

Die Miss-Wahl 2010 sticht heraus in der abwechslungsreichen Geschichte der Beauty-Contests am Ammersee. Heuer war – fast – alles anders: Die Anwärterinnen auf den Titel kamen freiwillig, mussten nicht mühsam „akquiriert“ werden. Sie waren alle tierisch gut drauf und machten jede Gaudi schlagfertig mit. Und sie waren keineswegs gestylt wie gerade aus der Hochglanzgazette gehüpft, sondern ganz normal im Dirndl, im Freizeitlook, in der Jeans oder im zuckrigen rosa Cocktailkleidchen. Die meisten kamen vom Ammersee. Die Titelverteidigerin vom letzten Jahr, Lola Burkhardt aus Rio mit Lebensmittelpunkt in München, trat heuer mit strahlendem Lächeln als Leonora an. Sie erreichte aber nur ein knappes Drittel der Stimmen, mit denen Jenny Turtle nicht nur siegte, sondern sich auch noch einen großen Vorsprung verschaffte vor Clarice Natalja Zwick und Amelie Hirschberger, die wiederum mit ihren Ergebnissen eng beieinander lagen. Jenny Turtle, des Bairischen nicht mächtig und bei der deutschen Sprache offenbar auch noch im Lernprozess, wich den Fragen von Florian Vief, der natürlich das Alter wissen wollte und so weiter, geschickt aus, in dem sie ihren Maßkrug schwenkte und strahlte: „Oh, ich liebe das deutsche Bier.“ Sie gehört zweifelsohne zu der neuen Frauengeneration, die mit beiden Beinen selbstbestimmt und selbstbewusst in der zweiten Hälfte des Lebensjahrhunderts steht. Nachdem ihr Diessens zweiter Bürgermeister Peter Fastl, assistiert vom marktgemeindlichen Kulturreferenten Volker Bippus, die Sieger-Schärpe übers Dirndl gestülpt und das Glitzerdiadem aufgesetzt hat, gab es keine Halten mehr. Verehrer stürzten auf die Bühne, dass die Securities eingreifen mussten. Auf jeden Fall wurde Jenny von ihrem Fanclub gefeiert, bis die Bänke im Zelt hochgestellt wurden und die Wessobrunner mit „Highway to Hell“ versuchten, die Besucher hinauszuspielen – was nicht wirklich gelang. Es sei ihre erste und auch letzte Schönheitskonkurrenz gewesen, sagt Jenny zu fortgeschrittener Stunde, als das Krönchen schon etwas schief saß auf den blonden Locken. Es sei nicht so einfach gewesen, lacht sie, „denn es gibt ja soooo viele wunderschöne Beauties in Diessen.“ Aber sie hätte es gewagt, weil ihr Mann, Professor an Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Ingolstadt, es auch gut befunden und letztlich das Dirndl für den Auftritt ausgesucht hätte. Der zehnjährige Sohn Charly strahlt und meint, manchmal sei es ihm schon peinlich, weil die Mama immer wieder mal ganz verrückte Sachen macht, „aber heute bin ich richtig stolz auf sie und werde es allen in Schule erzählen.“ Nun, erzählen kann er es schon, aber die Neuigkeit hat sich blitzschnell rumgesprochen, denn diese Miss-Dießen-Nacht hat hohe Wellen geschlagen. Vor allem auch mit den Wessobrunner Musikanten, die das fast Unbegreifliche fertig gebracht haben: Schon um 20 Uhr tanzte Dießen auf den Tischen. „Unsere Amerikaner können gar nicht glauben, dass das eine bairische Blasmusik ist“, freute sich Florian Vief, der als Huosigau-Vorplattler natürlich auch geplattelt und getanzt hat auf der Bühne und der über 50 Amerikaner dabei hatte, die zu den jetzt anstehenden Huosigau-Heimattagen (von Freitag, 30. Juli bis Sonntag, 1. August) in Dießen weilen. Organisiert haben die Wahl die Marktgemeinderäte Jürgen Zirch und Antoinette Bagusat, die sich um Preise, Gestaltung, Laufsteg und all die tausend kleinen organisatorischen Belange annahmen und viel Zeit hineingesteckt haben. Den Geldpreis für die Miss Dießen und die Kosmetikgutscheine stiftete wieder die Festwirtsfamilie Michaela und Christian Krämmer.

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