Kampfflieger im Training

Der mysteriöse Flugbetrieb in der Region geht weiter

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Bereits am Vorabend für den nächsten Flugtag auf www.milais.org einsehbar: der „Airspace Use Plan“.

Landkreis – Viele Bürger des Landkreises wundern sich seit geraumer Zeit über die andauernde Lärmbelastung durch Kampfflugzeuge der Bundeswehr und anderer NATO-Staaten. An den Kondensstreifen am Himmel erkennt man, dass die Jets meist mit geringer Geschwindigkeit fliegen und dabei unterschiedliche Manöver durchführen, beispielsweise enge Kehren. Einblicke in Unterlagen des Verteidigungsministeriums zeigen: Das bleibt wohl so und zwar auf lange Zeit.

Der Landkreis Landsberg liegt am östlichen Ende des „Temporary Reserved Airspace (TRA) Allgäu“ (siehe Karte), einem permanenten Flugbeschränkungsgebiet für die zivile Luftfahrt. Die NATO nutzt es für Übungsflüge. In Deutschland gibt es vier solcher Gebiete, die in etwa gleichem Umfang in Anspruch genommen werden. Die drei anderen Lufträume befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern, im Bereich zwischen Bremerhaven und Osnabrück („Weser“) sowie rund um Kaiserslautern.

Die Flugzone ist in vier Höhen­bänder aufgeteilt und wurde vor Kurzem neu konzipiert. „Das ist das Ergebnis einer zivil-militärischen Abstimmung und soll eine bedarfsgerechte Luftraumnutzung bei optimiertem Koordinationsaufwand ermöglichen“, heißt es kryptisch in den Unter­lagen, die dem KREISBOTEN vorliegen. „Im Bereich der TRA 107 bis 407 ALLGÄU wurden strukturelle Veränderungen in den lateralen (also seitlichen; Anm. der Red.) Ausdehnungen vorgenommen, um in Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung den zivilen Flugverkehr zu optimieren“, heißt es in einer etwas konkreteren Drucksache des Deutschen Bundestages.

Innerhalb der TRA Allgäu gibt es zwei Luftbetankungszo­nen mit den Namen „Gretchen“ und „Gretchen Low“. Die Gebiete liegen jedoch nicht im Osten der Flugzone, sondern zwischen Heidenheim, Biberach und Burgau. Insbesondere aus Ulm, wo sich beide Strecken kreuzen, berichten Beobachter immer wieder von Betankungsvorgängen mitten über der Stadt. „Da liefert schon mal ein niederländisches Tankflugzeug des Typs McDonnell Douglas in einigen tausend Metern Höhe Kerosin an eine Boeing des ungarischen Militärs aus“, verriet das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig einem Journalisten. Den Ulmern ist das, Berichten zufolge, unheimlich.

Keine Tiefflüge

Über Landsberg ist mit Betankungen aber nicht zu rechnen. Auch wird der Landkreis nicht jeden Tag tangiert. Der größte Abschnitt des neu konzipierten Luftraums umfasst immerhin 3.711 Quadratkilometer. Die Mindestflughöhe beträgt 3.048 Meter (10.000 Fuß); Tiefflüge sind also nicht erlaubt. Dafür gibt es aber auch kaum zeitliche Beschränkungen. Zwischen 8:00 und 23:30 Uhr ist jede Route möglich; insbesondere ist keine Mittagsruhe eingeplant.

Zur Inanspruchnahme liegen Daten aus dem Jahr 2017 vor. Da nutzte die Luftwaffe das Übungsgebiet Allgäu an 216 Tagen. Die Nutzungszeit betrug durchschnittlich drei Stunden. Die Verweildauer jedes einzelnen Jets im Luftraum belief sich auf 65 Minuten.

Die konkrete Nutzung je nach Flughöhe kann der interessierte Bürger auf einer öffentlich zugänglichen Website (www.milais.org) des „Zentrums Luftoperationen“ der Luftwaffe einsehen, und zwar bereits am Vorabend für den nächsten Tag (Beispiel: Foto). Dieser „Airspace Use Plan“ umfasst die einzelnen Flugzonen, die Uhrzeiten (ab Reservierung bis Reservierungsende) sowie die minimalen und maximalen Flughöhen.

Dabei handelt es sich um die Anmeldungen; ob die Flüge tatsächlich durchgeführt werden, bleibt offen. Freilich berichten Insider von „minutengenauen“ Zuweisungen von einzelnen Teilen des Luftraums an Bundeswehr und NATO-Partner; „da wird keine Zeit verschenkt“. Listenangaben wie 100 und 215 sind übrigens mit 100 zu multiplizieren (führt zu 10.000 bis 21.500 Fuß).

Bleibt unumgänglich

Nach Informationen der Luftwaffe wird die Zahl der Übungsflüge auch im TRA Allgäu in den nächsten Jahren nicht ab- sondern eher zunehmen: „Bereits heute werden große Teile der fliegerischen Ausbildung ressourcen- und umweltschonend unter Nutzung von Simulatoren durchgeführt. Die Durchführung von Übungseinsätzen in einem realen Umfeld bleibt dennoch unumgänglich, um eine kontinuierliche Einsatzvorbereitung für alle Streitkräfte sicherzustellen und um so einen angemessenen Anteil zur Verteidigungsvorsorge und Krisenbewältigung einbringen zu können.“

Es bleibt die Frage, warum die Flugbewegungen gerade jetzt von vielen Landkreisbürgern so intensiv bemerkt werden. An der Neufestsetzung des TRA Allgäu kann es nicht liegen; die Auswirkungen sind hier nicht spürbar. In Kreisen der Luftwaffe gibt es mehrere Erklärungen. Sie reichen von „Bisher wurde das Brummen dem Fliegerhorst Penzing zugeordnet und daher akzeptiert“ bis „Es war halt gutes Wetter und die Menschen waren mehr draußen“. Was übrigens auch für die Kampfjets gilt. „Bei schönem Wetter“, so ein Insider, „nutzt jeder seinen Slot“.

Werner Lauff

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