Und jetzt noch eine Mai-Stiftung

Persönlicher geht es kaum: Bernd Mühlig-Versen (links) übernahm die Abschlussführung der Ausstellung „Begegnung mit Fellini & Co.“ im Neuen Stadtmuseum. Foto: Pönitzsch

Es gilt zweifelsfrei als eine der bedeutendsten Sonderausstellungen des Neuen Stadtmuseums: die Retrospektive „Begegnung mit Fellini & Co.“ Sie war dem Lebenswerk der Bildhauerin Karin Mai (1940 – 2006) zum 70. Geburtstag gewidmet und zeigte mehr als 120 Skulpturen und Zeichnungen. Das Markenzeichen der Künstlerin, Porträtköpfe von zumeist eng befreundeten Schauspielern, Schriftstellern, Dichtern, Regisseuren und Tänzern, meist in Bronze, bildeten den Mittelpunkt.

Die Exposition – nach 13-wöchiger Verlängerung nunmehr beendet – reiht sich in die international beachteten Expositionen der jüngeren Vergangenheit des Neuen Stadtmu­seums ein. Zu nennen sind hier im Ausstellungsjahr 2006/2007 „Im Reich von Krokodil und Jaguar" mit der einzigartigen Sammlung des Geschäftsmannes Dieter Haggenmiller mit über 300 Objekten in Keramik, Stein und Jade aus der vorkolumbischen Zeit Mittelamerikas. 2008 war es „Das dritte Auge der Fernverständigung“ des tschechischen Bildhauers, Malers und Aktionskünstlers, des Weggefährten von Salvatore Dali, des Europäers und Weltbürgers Lubo Kristek. Die bislang bedeutendste Retrospektive zum Gesamtwerk des akademischen Malers, Bildhauers, Kalligrafen, Filmemachers und Poeten Helmut Zimmermann setzte in 2009/10 Akzente. Zimmermann gehört seit den 50er Jahren zur internationalen Avantgarde mit Chagall, Picasso, Max Ernst oder Francis Bacon. Mit diesen vier Ausstellungen hat das Neue Stadtmuseum einerseits den Rahmen eines Regionalmuseums weit überschritten, zum anderen Künstler und Kunstsammler geehrt, die im Landkreis einige Zeit lebten beziehungsweise leben. Den Schlusspunkt der Karin-Mai-Retrospektive setzte eine Veranstaltung der besonderen Art: Kein Kunstwissenschaftler, kein Museologe führte durch die Ausstellung, den Saal der Köpfe, den Raum der Emotionen, sondern Karin Mais Witwer und Bernd Mühlig-Versen. Persönlicher hätte es nicht sein können. Mühlig-Versen ist die Ausstellung zu verdanken, denn er führte den weit verstreuten umfangreichen künstlerischen Mai-Nachlass zusammen und beauftragte die Kunstwissen­- schafterin Dr. Gudrun Szczepanek mit der Aufarbeitung. Das war für Mühlig-Versen auch in der Hinsicht nicht ganz einfach, „sind mir doch 44 Jahre des Lebens meiner Frau unbekannt. Sie hat kaum etwas erzählt: Vergangenheit und Zukunft waren ihr nicht wichtig, nur die Gegenwart zählte“, sagt er. Mitte der 50er Jahre hatte die beiden eine kurze Romanze verbunden. Erst 2000 trafen sie sich zufällig wieder, verliebten sich, heirateten 2002 und zogen nach Schwabhausen. Das späte Glück war nur von kurzer Dauer. Im September 2006 verstarb die Ausnahmekünstlerin, die ihr intensives Leben lang ihren Visionen folgte. Stationen waren Berlin, Rom, Wien, Salzburg, dazu längere Studienreisen unter anderem nach Syrien, Kanada, Japan und auch in die USA. Die Liste ihrer Porträtköpfe ist mit den Filmemachern Federico Fellini und R. W. Fassbinder, des Dirigenten Sergiu Celibidache, des legendären Pantomime Marcel Marceau, des Theaterintendanten August Everding, der Schriftstellerinnen Grete Weil und Hilde Domin oder der Ballettchoreografin Pina Bausch und des Staatsschauspielers Peter Lühr lang. Und natürlich der provokante und politisch engagierte österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka, von dem Karin Mai bezaubert war, dessen Muse und Mitarbeiterin in seinem Wiener Atelier sie war. Bernd Mühlig-Versen ist derzeit dabei, einen endgültigen Platz – eine Stiftung, ein Museum – für diese Kunstschätze zu suchen und so den Nachlass zu bewahren. „Erst wenn das geschafft ist, kann ich meine Frau Karin endgültig begraben.“

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