In die grüne Falle getappt?

Rote Landrätin darf nicht zur Grünen Landratskandidatin

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Mit diesem Plakat (Ausschnitt) warb Renate Standfest für das Gespräch mit der "roten Landrätin".

Landsberg – Für Grünen-Landratskandidatin Renate Standfest ist es ein „politischer Pau­kenschlag und ein Schlag ins Gesicht der Demokratie“: Das für heute (Mittwoch) Abend im Landsberger Bürgerbahnhof geplante „Gespräch mit der roten Landrätin“ des Landkreises München Land findet nicht statt.

Auf Druck der hiesigen Sozialdemokraten sagte Johanna Rumschöttel (SPD) 24 Stunden zuvor ab. Zweite Stellvertreterin Susanna Tausendfreund übernimmt ihren Part – eine Grüne beim Wahlkampfabend der Grünen. Die einer „gezielten Provokation“ ausgesetzte Landkreis-SPD ist zufrieden.

Sagte ihren Termin bei Grünen-Kandidatin Standfest ab: Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD).

Die Wahlkampfveranstaltung „Sozial gerecht, das muss keine Utopie sein“ (19.30 Uhr) kann demnach stattfinden. „Selbstverständlich“, sagt Standfest, denn auch Stellvertreterin Tausendfreund, die eng mit der „roten Landrätin“ zusammenarbeite, werde „fachkundig von Projekten und Erfahrungen“ aus München Land berichten, es geht um attraktive Schullandschaft, echte Teilhabe und Inklusion, bürgerfreundliche Verwaltung und bezahlbaren Wohnraum. Und es geht um die laut Standfest „skandalösen Hintergründe, die es verdienen, öffentlich gemacht zu werden.“

Für Rumschöttel stellte es offensichtlich kein Problem dar, mitten im Kommunal-Wahlkampf auf einer Veranstaltung der Grünen über die sozialpolitischen Projekte in ihrem Landkreis zu sprechen. Die geplan­- ten Themen seien es „wert, in Ruhe und an der Sache orientiert“ diskutiert zu werden.

Die Landsberger SPD sieht das aber ganz anders. Das von den Grünen geplante „rote Gespräch“ hatte „von Anfang an ein G’schmäckle“, wettert Kreisvorsitzender Albert Thurner. „Entweder haben die Grünen keine Fachleute für kommunale Sozialpolitik“, mutmaßt er, oder sie wollten den Eindruck erwecken, dass es führende Sozialdemokraten gebe, die nicht den eigenen Landratskandidaten, Markus Wasserle, sondern die Grünen-Kandidaten unterstützen. Thurner spricht von einer „glatten Wählertäuschung“ und einer „gezielten Provokation“. Deshalb hätten er und „weitere Parteimitglieder“ am Samstag versucht, Landrätin Rumschöttel davon zu überzeugen, dass sie „in eine grüne Falle getappt“ sei.

Wirklich überzeugend waren diese Versuche zunächst wohl nicht. Erst einen Tag vor der Veranstaltung zog die „rote Landrätin“ zurück. Gezwungenermaßen und zu ihrem „großen Bedauern“. In ihrer Absage an Standfest berichtet Rumschöttel von einem „Bombardement sehr unangenehmer Mails von Genossen und anderen Personen aus dem Landkreis Landsberg.“ Weder ihre Erwiderungen noch diverse Vermittlungsversuche hätten ein Umdenken bewirken können. „Die Situation vor Ort scheint eine ganz besondere zu sein“, vermutet Rumschöttel.

SPD-Chef Turner jedenfalls ist jetzt zufrieden. Mit Tausendfreund habe die Grünen-Landratskandidatin eine Grüne als Gesprächspartnerin, die ebenfalls aus dem Landkreis München berichten könne – „ohne falsche Eindrücke beim Wähler zu hinterlassen“.

Toni Schwaiger

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