Im Kloster und in der Region gefragt!

Immer frisch: Obst und Gemüse aus der Klostergärtnerei St. Ottilien

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Nicht selten sieht man, wie sich die Gärtner in St. Ottilien mit der Hacke durch die Reihen arbeiten..

St. Ottilien – Der Winter würde sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen und so drängte Bruder Romuald im Jahr 1895 auf die zügige Fertigstellung eines ersten Glashauses für die Ottilianer Gärtnerei: „... denn er fürchtet mit Recht für seine mühsam gezogenen Blumen oder für seine erbettelten Stecklinge, die er vor kurzem von Freiherr von Perfall erhielt...“ heißt es in der Bauchronik der Erzabtei „Lebendige Steine“.

Ende Oktober desselben Jahres erhielt das erste Glasgewächs­haus sein Dach und der Gärtnerbruder konnte beruhigt sein. Es stand auf der Ostseite des Klostergebäudes unweit der heutigen Gärtnerei. Mit den neuen Möglichkeiten zur Saison-Verlängerung und dem steigenden Bedarf an Obst und Gemüse wurden die Flächen und Gebäude der Gärtnerei beständig erweitert. Im Frühsommer 1962 entstanden dann die heute noch genutzten Glashäuser an der Straße zum Bahnhof. Damals leitete der tatkräftige Bruder Bruno die Gärtnerei und der Klosterchronist lobt die Leistungsfähigkeit der Gärtnerei „auch im Winter (…) durch Belieferung der Küchen mit frischem Gemüse“. Das waren vor allem Wurzelgemüse und Kohlsorten, berichtet Bruder Alto Schmidt, der heute für die Gärtnerei, den Obstbau, Mosterei und Brennerei verantwortlich ist. Damals wurde auch noch viel Obst und Gemüse in der Klosterküche eingemacht. Das hauseigene Sauerkraut gibt es noch heute – dafür kommen Liebhaber des frischen fermentierten Kohls in den Hofladen und holen sich dort ihre Portion Herbst und Winter-Vitamine.

Ob Exerzitiengast, Mönch, Mitarbeiter, Tagesheimschüler, Lehrer – alle kommen in den Genuss von Obst und Gemüse, das vor Ort wächst: gartenfrischer Salat, Ottilianer Birnen oder Karottengemüse entgeht niemandem, der in Ottilien isst.

Dafür sorgt neben der Küche das Gärtner-Team: Mönche und Mitarbeiter ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten. Auf rund zwei Hektar kümmert sich Johannes Bader aus Windach um die Gemüseproduktion. Dabei helfen ihm drei feste Mitarbeiter, ein Asylbewerber aus dem Haus St. Florian, der im Exerzitienhaus angestellt ist und manchmal im Gewächshaus aushilft.

Im Sommer und zur Erntezeit trifft man auch den früheren Klostergärtner Bruder Leonhard zwischen den Tomatenpflanzen an. Er ist inzwischen 75 Jahre alt, aber wenn in Stoßzeiten viele Hände gefragt sind, hilft er, wo es nötig ist, wie beim Toma­ten-Ausgeizen und -Aufleiten. Unverzichtbar in den Gewächshäusern sind auch „Mitarbeiter“ wie Hummeln und Marienkäfer: die einen sind für die Bestäubung, die andern gegen Blattläuse nützlich, erklärt Bader.

Ideal für den Gemüseanbau sind die nach Süden ausgerichteten Flächen im Klostergarten, das kann man vom Kirchplatz aus gut erkennen. Als die Mönche vor mehr als100 Jahren den umfriedeten Klostergarten angelegt haben, wussten sie um die Vorteile der Äcker in leichter Hanglage. Neben den langen Reihen des grüngelben Rosenkohls steht hier im Herbst seit neustem eine verwandte Art von Kohl, der lilagrüne Flowersprout. Haben die Gärtner die kleinen Kohlröschen erst einmal in aufwendiger Handarbeit vom Stiel geschnitten, ist die Zubereitung ein Kinderspiel: wenige Minuten in Salzwasser gekocht, ein paar Tropfen Olivenöl und Zitro­- nensaft genügen, aus dem Minikohl eine köstliche Beilage mit feinem nussigen Geschmack zu machen.

Dass ihm sein Chef, Bruder Alto, die Freiheit gibt, auch mal was Neues auszuprobieren, gefällt Johannes Bader an seiner Arbeit. Mönche wiederum schätzen es, wenn er und sein Team die Flächen bestellen und wie in diesem Jahr mit großem Erfolg Wasser- und Honigmelonen pflanzen, so dass die Mönche in den Genuss der sommerlichen Kürbisfrüchte aus eigenem Anbau kamen. Paprika, Tomaten, Gurken, Kürbis, Auberginen, Blumenkohl, Bohnen, Salate, Rhabarber, Kräuter und vieles mehr wächst hier, dazwischen blühende Streifen von Pflanzen, die im Herbst zur Gründüngung untergepflügt werden.

Nicht selten sieht man, wie sich die Gärtner mit der Hacke durch die Reihen arbeiten und so dafür sorgen, dass das Unkraut nicht Überhand bekommt. Morgens um fünf beginnen die Gärtner im Sommer mit der Ernte. Vom Feld liefern sie anschließend auf kurzem Weg an die Küchen und den Hofladen.

Im Winter plant und bestellt Johannes Bader die Sorten fürs kommende Jahr. In den Glashäusern wachsen derweil Feldsalat und Karotten, Sellerie, rote Rüben werden nach Bedarf aus dem kühlen Lager geholt und ausgeliefert.
Stefanie Merlin

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