Der "Grüne Joe" hört auf

"2020 ist Schluss!" – Josef Lutzenberger mit Hintertürchen

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Von den drei Bürgermeistern am Ammersee-Westufer stellt sich nur Alexander Herrmann (Schondorf, links) der Wiederwahl. Josef Lutzenberger (Mitte, mit Ehefrau Barbara, rechts) und Herbert Kirsch (Dießen, rechts) treten nicht mehr an.

Utting – Auch der Sessel des Rathaus-Chefs in Utting muss 2020 neu besetzt werden. Bereits vor Monaten hatte Amts­inhaber Josef Lutzenberger erklärt, dass mit Ende dieser Legislaturperiode definitiv Schluss sei für ihn. Damit wollte er seiner Grünen Alternativen Liste (GAL) frühzeitig die Chance geben, sich über einen Kandidaten oder eine Kandidatin Gedanken zu machen. Noch habe er keine Namen gehört, versichert er. Auch von den Parteien sei noch kein Namen durchgesickert.

So muss sich Lutzenberger trotz beschlossenem Rückzug von der Gemeindespitze ein Hintertürchen offen lassen: Sollte keine Gruppierung einen Kandidaten aufstellen, würde er aus Verantwortung heraus doch nochmals antreten. Was er übrigens auch aus Protest täte, wenn plötzlich „eine Partei mit dem Anfangsbuchstaben A einen Kandidaten aus dem Hut zaubert“. Ein eher nicht zu erwar­tendes Szenario, denn die AfD fällt in der Ammersee-Gemeinde kaum ins Gewicht. Bei den Landtagswahlen im letzten Herbst holte sie gerade mal 3,9 Prozent der Gesamtstimmen.

Der Diplom-Ingenieur und frühere Berufsschullehrer Lutzen­berger wäre am Ende einer dritten Amtsperiode 69 Jahre alt. Einen Rücktritt nach der Hälfte der Zeit sei nach seinem Verständnis unaufrichtig. Darum verzichte er auf eine neuerliche Kandidatur.

Seit 2008 ist der „grüne Joe“, wie ihn seine Freunde in der GAL nennen, im Amt. Er gewann damals überraschend die Stichwahl mit 55,68 Prozent gegen den Amtsinhaber Josef Klingl von der CSU (44,32 Prozent) und war damit der erste grüne Rathauschef im Fünfseenland. Zuvor gehörte er schon zwölf Jahre dem Gemeinderat an und war seit 1996 auch Kreisrat.

Dass die Uttinger mit seiner Arbeit in der ersten Amtsperiode zufrieden waren, zeigte sich in seiner Wiederwahl im März 2014 mit 59,38 Prozent der Stimmen. Lutzenberger ist beliebt in seiner Gemeinde, was man auch bei den Bürgerversammlungen sehen konnte. Er kennt fast alle Einwohner beim Namen, viele duzt er und es gab stets viel Schulterklopfen für seinen Rechenschaftsberichte. Er werde sich „bis zur letzten Minute seiner Amtszeit mit aller Kraft für Belange der Gemeinde einsetzen“, tröstete er manchen Bürger, der den Entschluss nicht so einfach hinnehmen wollte.

Von seinem bescheidenen Amtszimmer im ersten Stock des Rathauses lenkt Lutzenberger die Geschicke der Gemeinde. Kein Protz und wenig Persönliches. Nur ein Bild mit einem gütig und gelassen blickenden Buddha fällt auf. Gelassenheit ist denn auch eine Tugend des Bürgermeisters, der aber trotzdem die Anliegen der Gemeinde mit Tatkraft und viel Energie durchboxt. Seinen Politikstil sei geprägt von Transparenz, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein. Mit dem Gemeinderat diskutiere er konstruktiv und fair, Entscheidungen fielen an der Sache orientiert.

Ob beim Hochwasserschutz, bei Kindergarten- und Schulsanierung, beim Brückenbau oder bei der zeitgemäßen Ausrüstung für die Feuerwehr, beim Flächennutzungsplan oder Verkehrskonzept – Lutzenberger führt mit Unterstützung des harmonisch agierenden Gemeinderats das Dorf Utting (4.820 Einwohner) in eine lebens- und liebenswerte Zukunft. Aktuell geht es um die Bebauungspläne „Bahnhofstraße“ und „Mentergelände“.

Den Blick ganz weit in die Zukunft hat Lutzenberger mit der Teilnahme am „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzert ISEK“ angestoßen. Hier werden die künftigen Ziele und Entwicklungen unter anderem in Orts-, Landschafts- und Verkehrsplanung, Einzelhandel, Gewerbe und Tourismus in einem gesamtheitlichen Konzept zusammengeführt.

Besonders freut sich Lutzenberger, dass bei seinem Lieblingsprojekt, der sozial orientierten „Schmucker-Siedlung“ mit 85 barrierefreien Wohnungen, bald der Startschuss fällt. Den ersten Spatenstich in diesem Jahr wird Josef Lutzenberger noch als Bürgermeister ausführen. Bei der Einweihungsfeier ist er dann nur noch der „Ex“, aber garantiert der wichtigste Ehrengast. 

Dieter Roettig

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