Das Jubiläum entfällt

Der Vergnügungspark beim Seefest war in den letzten Jahren immer weiter geschrumpft. Foto: Robert

In Dießen wird es 2011 kein Seefest geben. Ausgerechnet zum 100. Jubiläum kündigte der Festwirt den Vertrag mit der Marktgemeinde. Das Angebot des einzigen Wirtes, der noch einen Termin frei gehabt hätte, lehnte der Gemeinderat mehrheitlich in nicht öffentlicher Sitzung ab. Die Zukunft ist offen.

Wie in der Aquinata-Chronik nachzulesen, war es 1911 der Männerturnverein, der erstmals ein Dießener Seefest organisierte. Später übernahm die Marktgemeinde das Ruder als Veranstalter, seit mehr als 20 Jahren mit der Festwirtsfamilie Krämmer. Damit ist nun Schluss. Zumindest im Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag muss auf die zwei Festwochen mit Bierzelt, Vergnügungspark und Programm verzichtet werden. Ganz überraschend kommt das Aus freilich nicht. Seit längerem hätte die Besucherzahl stagniert, rechnet Bürgermeister Herbert Kirsch vor. Auch die Misswahl war irgendwann kein Besuchermagnet mehr: Nachdem die Festwirtsfamilie Krämmer eine Agentur mit der Durchführung beauftragt hatte, wurde die Veranstaltung von der heimischen Bevölkerung offen kritisiert. Seit zwei Jahren hatte sich das Gemeinderatstrio Antoinette Bagusat (Dießener Bürger), Volker Bippus (UBV) und Jürgen Zirch (CSU) aktiv darum bemüht, das Dießener Seefest wieder zu einer Attraktion für Jung und Alt zu machen. Mit liebevoll gestalteten Plakaten von Heidi Zirch, der Verknüpfung von Seefest und Großveranstaltungen wie dem Huosigaufest, einer aktiven Pressearbeit und nicht zuletzt mit einer frisch moderierten Misswahl war dies auch gelungen. Zwar hatte man heuer das Seefest etwas verkürzen wollen, doch mit der Vertragskündigung seitens des Festwirts war offensichtlich nicht gerechnet worden. Finanziell war wohl trotz des gestiegenen Umsatzes nicht viel zu holen – das gute Ergebnis von 130 Hektoliter im Jahr 2010 war vor allem dem Trachtenfest zu verdanken. Um die Rahmenbedingungen etwas zu verbessern und ein nicht allzu großes finanzielles Risiko einzugehen, forderte der neue Wirt seitens der Gemeinde den Erlass der Platzmiete für die kompletten zwei Wochen sowie eine Ausfallbürgschaft für Konzerte und Veranstaltungen. Forderungen, auf die sich die Mehrheit im Gemeinderat nicht einlassen wollte. „Es wäre schön gewesen, wenn sich der Gemeinderat im Jubiläumsjahr etwas spendabel hätte zeigen können“, ist Bippus enttäuscht. Der Gemeinderat und MTV-Vorsitzende möchte mit der Tradition nicht brechen und plant für 2011 zumindest das Wiederaufleben des Sommernachtsballs – wenn auch nicht in den Seeanlagen, sondern der Jahnstraße. Während sich Kirsch durchaus einen größeren Zyklus für ein Seefest vorstellen kann, wie etwa in Eching alle vier Jahre, hofft Zirch auf eine Lösung für 2012. Gefeiert werde dann zwar kein Jubiläum mehr, so Zirch, „aber 101 ist auch eine schöne Zahl.“

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