50 Jahre Windachspeicher

Nur für den Hochwasserschutz

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Mit den Rettungsbooten der Dießener Wasserwacht über den Windachspeicher – wer will da schon „Nein“ sagen. Das breit gefächerte Angebot zum Dammjubiläum nahm die Bevölkerung gerne an.

Windach - Das Interesse am Windachspeicher ist groß, vor allem dann, wenn das Wasserwirtschaftsamt anlässlich des 50. Dammjubiläum zu einem „Tag der offenen Tür“ lädt. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit, sich über die Funktionsweise des Dammes und die Betriebseinrichtungen zu informieren. Leider war kein Badewetter, denn der Windachspeicher ist auch ein beliebtes Badegewässer. Dafür konnten Jung und Alt die Gelegenheit nutzen, mit den Rettungsbooten der Wasserwacht Dießen eine Runde

„Dieses technische Bauwerk dient ausschließlich dem Hochwasserschutz“, sagte der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Roland Kriegsch gegenüber dem KREISBOTEN. Alles andere sei nachrangig, etwa die Stromerzeugung. Dr. Tobias Lang, in der Weilheimer Behörde zuständig für Talsperren und Hochwasserschutz, erinnerte an 1960. Damals waren die Bewohner des Windachtals einem Hochwasser schutzlos ausgeliefert. Oberfinning, Windach, Greifenberg und Eching seien betroffen gewesen.

Nach dem Dammbau habe es keine Probleme mehr gegeben. Selbst die großen Hochwasserereignisse im den Jahren 1999 und 2000 seien für die Anwohner unterhalb des Windachspeichers kein Problem mehr gewesen. Die Keller blieben trocken. Das Wasser habe damals fast bis zur Dammkrone gereicht.

Im natürlichen Lauf

Problem sei, so der Chef des Wasserwirtschaftsamtes, Roland Kriegsch, dass bei Starkregen nur eine kurze Reaktionszeit verbleibe, denn die geologischen und topografischen Verhältnisse ließen ein schnelles Versickern des Oberflächenwassers nicht zu. Dadurch komme es sowohl im Sommer als auch im Winter zu rasch ansteigenden Hochwasserwellen. Durch den Bau des Staudammes wurde es möglich, die Windach unterhalb des Dammes ohne weitere Hochwasserschutzmaßnahmen in ihrem natürlichen Lauf zu belassen.

Auf einer Breite von 241 Metern sperrt der 14 Meter hohe, aufgeschüttete Damm das Flüsschen Windach ab. Zwischen 1985 und 1990 wurde der Wasserspeicher mit einem Betriebsauslass und einer aufgesetzten Kronenmauer nachgerüstet. Das Kleinkraftwerk dient im Normalbetrieb der Feinregulierung der Speicherabgabe. Es kann jährlich im Schnitt bis zu 110000 kWh erzeugen. Im Hochwasserfall ist die Schaltwarte des Windachspeichers Tag und Nacht besetzt.

Die Besucher am hatten am Samstag die Gelegenheit, alle technischen Einrichtungen zu besichtigten, wobei ihnen die fachkundigen Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes keine Antwort schuldig bleiben. Zudem waren große Informationstafeln auf dem Damm und an den technischen Einrichtungen aufgestellt. Und am „Pegel Windach“ praktische Vorführungen zur Abflussmessung. Die Fließgeschwindigkeit demonstrierten die Fachleute ganz plastisch mit „Quietsche-Entchen“. Dazu gab es von den Biologen des Wasserwirtschaftsamtes eine Ausstellung über die Kleinstlebewesen im Windachspeicher und das Landesamt für Umwelt zeigte in Aquarien die Vielfalt der im Stausee lebenden Fischen.

Noch nie im Einsatz

Ein Highlight war für viele Besucher die Fahrt mit den Rettungsbooten der Wasserwacht Dießen auf dem Stausee. Frank Böhm, Vorsitzender der Ortsgruppe Dießen, war mit einigen Freiwilligen im Einsatz. „Für uns ist das eine tolle Möglichkeit, unsere Arbeit praktisch zu demonstrieren“, sagte Böhm, der auch Vorsitzender der Kreiswasserwacht ist. Eine Premiere gab es auch. Die Wasserwacht hatte ihr neuestes Fahrzeug mitgebracht. Tauchausrüstungen, Erste-Hilfe-Einrichtungen oder Materialien für die Eisrettung wurden den interessierten Besuchern erklärt. Übrigens: Am Badestrand des Windachspeichers habe es noch nie einen Einsatz der Wasserwacht gegeben, erklärte Böhm.

Ein großes Lob sprach der Leiter des Wasserwirtschaftamtes Windach-Betriebsleiter Thomas Mayr und Andreas Bauer für das große Engagement bei der Organisation und der Durchführung des „Tages der offenen Tür“ aus. Freuen konnte sich auch der Wirt der Windach-Alm, dem das Dammjubiläum viele Gäste bescherte.

Siegfried Spörer

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