Nach oben keine Grenze

Die Jubiläumsausstellung der Stelzer

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Greiner

Landsberg – Auf dem Plakat zur Jubiläumsausstellung ist es Pulcinella, der vor der Landsberger Kulisse mit der 25 im Arm beherzt über die Blattbreite stelzt. Natürlich nur eine Figur, die „Die Stelzer“ im Repertoire haben – neben Donaunixen, Störchen, Zeitreisenden, Truden und anderen Gestalten. Dass es beim Stelzen auch um kulturelles Miteinander geht, zeigt die Ausstellung „Die Stelzer“ in der Säulenhalle.

Die Halle ist weniger Halle, vielmehr sind durch weiße Laken abgetrennte Abteile entstanden. „Es geht um die Projekte der Stelzer, aber auch um die Entwicklung der Gruppe“, erklärt Mitgründer der Stelzer Wolfgang Hauck das Ausstellungsdesign. Zu sehen sind Filme über die Arbeit der Stelzer mit Geflüchteten in der Türkei oder auch Theaterarbeit in Jordanien und Osteuropa im Bereich projektorientierter Fremdsprachenunterricht. Dias beweisen, dass Stelzentheater schon lange existiert – sogar ein Mittelalter-Bild ist zu sehen. Und dass die Beinverlängerungen auch beim Schafehüten oder Hopfenanbau praktisch waren. Und natürlich sind da die vielen Kostüme, unter der ‚Fuchtel‘ von Renate Stoiber entstanden: „Ich war sehr streng mit den Nähern.“ Fantastische Stoffkreationen, die in andere Welten entführen.

Der Anfang der Gruppe liegt in München: beim Freien Theater, das nach seiner Gründung 1970 auf Stelzen in die Luft ging. Mit dabei waren da schon Wolfgang Hauck, Wolfgang Tietze und Peter Pruchniewitz, die Väter des „Lechwehrtheaters“, das auch den Fundus des Freien Theaters übernahm. „Die Umbenennnung 1994 in ‚Die Stelzer‘ lag an dem Lechwehrumbau“, schmunzelt Hauck. Eine historische Konnotation, die auch Alt-Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle bei der Vernissage am Freitag erwähnt und vom dramatischen „Kampf ums Lechwehr“ erzählt.

Auftritt in Istanbul

Stephan Reischer, den Hauck über das Goethe-Institut im Rahmen des Culture-Relief-Program kennenlernte, schwärmt vom Auftritt der Stelzer in Istanbul, vor der Kulisse der Galatabrücke und der Neuen Moschee: Dass es am Tag des Auftritts geschüttet habe und er den Auftritt schon habe absagen wollen. Aber Hauck zuversichtlich gewesen sei. „Kurz vor dem Auftritt hat es aufgehört zu regnen. Nur über diesem Platz hat die Sonne gescheint. Eine Viertelstunde später hat es wieder geschüttet.“ Und dazwischen hätten rund 170 Schüler auf Stelzen über 1.000 Zuschauer angelockt.

Der Intendant des Wasserburger Theaters Uwe Bertram, zudem dritter Vorsitzender des Verbands Freie Darstellende Künste Bayern, lobt Haucks „Hartnäckigkeit, Verbissenheit und Ausdauer“, ohne die es nicht möglich sei, sich als Freischaffender im Kulturbereich zu behaupten. Seine erste Begegnung mit den Stelzern habe ihn sofort fasziniert: „Frühmorgens in Wasserburg, es war noch etwas neblig, dazu kam traumhafte Musik, und dann diese fantastischen Gestalten – das war ein ganz anderes Universum.“

Hauck selbst sieht sich mit Pruchniewitz eher als „Verwalter des Stelzen-Know-hows“. Ein Wissen, das sie an die Jugendlichen weitergeben möchten, um es lebendig zu halten. Denn Stelzentheater könne in jedem Moment „ein Publikum kreieren“. Und auf ein Publikum zugehen, „das noch gar nicht weiß, dass es Publikum ist.“

Die Jubiläumsausstellung „Die Stelzer“ ist noch bis zum 8. September zu sehen.

Susanne Greiner

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