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"D´Ammerseer Utting" feiern 100-jähriges Jubiläum

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Wie einen Schatz hütet Vorsitzender Dr. Rolf Dieter Pfanzeder die Chronik des Heimat- und Trachtenvereins „D´Ammerseer Utting“ mit dem Gründungsprotokoll von 1919. Links ein Mitgliedspaar von damals in bayerischer Gebirgstracht.

Utting – Das Ansichtskartenmotiv der Alpenkette konnte man nur vom Ammersee aus erblicken, eine dorftypische Tracht gab es nicht und Schuhplatteln war für die meisten Uttinger ein exotisches Wort. Im Nachkriegsjahr 1919 hatte das Bauern- und Fischerdorf mit knapp 1.500 Einwohnern andere Prioritäten, zumal viele Männer nicht vom Krieg heimgekehrt waren. Zwar ließen sich immer mehr Künstler in Utting und Holzhausen nieder, darunter Mitglieder der Vereinigungen Scholle und Simplicissimus. Die aber hatten mit dem Dorfleben wenig am Hut und blieben lieber unter sich.

Um wieder Schwung in das Dorfleben zu bringen und den Menschen ein gesellschaftliches Zuhause zu bieten, traf sich am 5. August 1919 ein Dutzend wackerer Uttinger Frauen und Männer um Eugen Drischberger und gründete den Heimat- und Trachtenverein „D´Ammerseer Utting“. Obwohl es in Utting keine eigene Tracht gab, hieß es im Gründungsprotokoll, man wolle die im Verschwinden begriffene oberbayerische Gebirgstracht wieder zur Geltung bringen. Außerdem wolle man die „gesellige Unterhaltung“ fördern, unter anderem mit Schuhplatteln.

Das steht 100 Jahre später immer noch hoch im Kurs und wird bei der großen Geburtstagsfeier am 1. September in der Uttinger „Alten Villa“ bravourös vorgeführt vom „Gaststar“ Magnus Kaindl, Vortänzer beim Nachbarverein Dießen. Dazu wird extra ein klassischer Tanzboden aufgebaut, auf dem die hoffentlich vielen Gäste und Trachtler aus der Region ordentlich das Tanzbein schwingen werden. Für die stilechte Musik wird die „Hochberghauser Tanzlmusi“ sorgen, bekannt aus vielen Sendungen im Bayerischen Rundfunk.

Dr. Rolf Dieter Pfanzeder, seit sechs Jahren Vorsitzender Uttinger Trachtenvereins D´Ammerseer Utting, verspricht sich viel Werbewirksamkeit vom Jubiläumsevent zum 100-Jährigen. Denn der Verein mit aktuell 24 aktiven Mitgliedern braucht dringend Nachwuchs. Wer also Freude an Geselligkeit, Tanz, Trachtengwand und unverstellter Mundart hat, sollte unbedingt vorbeischauen.

Laptop und Lederhose

Für die vielen Zugezogenen in Utting wäre die Mitgliedschaft in dem historischen Verein „eine wunderbare Möglichkeit, sich schnell zu integrieren“, wie Dr. Pfanzeder betont. „Wir sind überzeugt, dass gerade in einer globalisierten Welt wieder ein starker Bedarf nach Gemeinschaft, Identität, Tradition und Heimat gefragt ist.“ Laptop und Lederhose ließen sich wunderbar vereinen.

Vor 100 Jahren war es gar nicht so einfach, sich dem jungen Verein anzuschließen. Die Aufnahmegebühr betrug damals zwei Reichsmark, was heute zehn Euro wären. Viel wichtiger aber war ein „unbescholtener Charakter“, für den ein örtlicher Leumund bürgen musste. „Die vielen Wirtshausraufereien damals waren wohl ein Grund dafür“, erklärt Pfanzeder. Er hütet wie einen Schatz das Gründungsprotokoll des Vereins, fein säuberlich in Sütterlin geschrieben von Schriftführer Ignaz Gruber.

Bis zum Jahr 2002 pflegten die Uttinger das Brauchtum in typischer bayerischer Gebirgs­tracht mit Werdenfelser Joppen. Ab da aber trumpften D´Ammerseer in neuen farbenfrohen Gewändern auf, entworfen mit Hilfe des „Trachten-Informationszentrums“ in Benediktbeuren. Angelehnt an die bekannte „Dachauer Tracht“ tragen die „Mannerleit“ lange Stoffho­sen oder auch Lederhosen, dazu weißes Hemd, Weste mit diversen Kragenformen und eine kurze Joppe. Die „Weiberleit“ kommen in einem dunklen Wollrock daher, wahlweise mit Bluse, Mieder, geschlossenem Oberteil oder kurzer Jacke. Je nach Anlass kommt ein Strohhut oder ein hochwertiger Filzhut dazu. Die unverheirateten Mädchen tragen ein „Kranerl“, ein mit Perlen, kleinen Spiegeln und Glassteinen verziertes Krönchen.

Die Uttinger Trachtler gehören zum Gaugebiet „Huosigau“, dem im Moment 29 Vereine angeschlossen sind, darunter vom Ammersee Breitbrunn, Schondorf und Dießen. Der Huosigau wiederum gehört zum Bayerischen Trachtenverband mit insgesamt rund 265.000 Mitgliedern.

Großer Festzug

Die Feierlichkeiten am 1. September beginnen um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, wo konzertante Blasmusik und Stubenmusik ertönt. Anschließend geht der Festzug mit Paten- und Gastvereinen, der Entrachinger Blasmusik und dem Trommlerzug Dießen zur Alten Villa, wo es zünftig weitergeht.

Dieter Roettig

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