"Jeder Tag ein Abenteuer"

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Hinter der Tonne könnte sich Vorfahrtsverkehr verstecken: Der Rot-Kreuz-Weg ist eine mehrerer Abzweigungen an der Iglinger Straße, an denen die Vorfahrt neu geregelt wurde.

Kaufering – Große Aufmerksamkeit wurde bei der Kauferinger Marktgemeinderatssitzung am Mittwoch vergangener Woche einem Thema zuteil, das gar kein eigenständiger Punkt der Tagesordnung war: Die Ende Juli eingeführten Tempo-30-Zonen und Rechts-vor-Links-Regelungen im kompletten Bereich südlich der Haidenbucherstraße erregten die Gemüter einiger Bürger und Räte. Von Gefahrenquellen, Umweltbelastungen und Problemen für Busse und Feuerwehr war die Rede.

„Meine persönliche Meinung ist die: Die Leute brauchen ein Jahr, bis sie die neue Regelung gewohnt sind, dann läuft alles problemlos.“ Kauferings Bürgermeister Erich Püttner sieht zuversichtlich, was einige, bei der Marktgemeinderatssitzung am Mittwoch vergangener Woche erschienene, Bürger derzeit vergrämt: Die Einführung der Tempo-30-Zone mitsamt Rechts-vor-Links-Regelung im praktisch gesamten Gebiet südlich der Haidenbucherstraße. Am Ende der Sitzung schob er noch nach: „Meiner Überzeugung nach ist die Tempo-30-Zone für ganz Kaufering das Mittel der Wahl.“

Der Großteil der Anwohner, die ihrem Unmut eingangs Luft verschafft hatten, war da schon nicht mehr anwesend. Lediglich Dagmar Kramer hielt einsam die Stellung auf den Besucherplätzen. Sie hatte eingangs beschrieben, wie die, ihrer Zählung nach, 19 kürzlich geschaffenen Rechts-vor-Links-Kreuzungen allein entlang der Iglinger Straße „jeden Tag zum Abenteuer“ machten. Es herrsche nach wie vor „gefühlte Vorfahrt“ und man könne nie sicher sein, wie sich andere Verkehrsteilnehmer verhielten. Durch das fortwährende Abbremsen und Anfahren befürchte sie eine beträchtliche Lärm- und Abgasbelästigung. „So kann ich nicht in Kaufering leben.“

In eine ähnliche Kerbe schlug Bürger Ulf Froitzheim. Er wünschte sich mehr Umsicht seitens der Entscheidungsträger und monierte, dass Vorfahrtstraßen gemäß Straßenverkehrsordnung nicht in 30-er-Zonen umgewandelt werden dürften.

Vollständige Umsetzung

Das sah Püttner anders. Er verwies darauf, dass alle Maßnahmen „rechtlich hundertprozentig abgesegnet“ seien. Auch Polizei und Landratsamt hätten ihre Zustimmung hinterlegt. Ferner seien die Dr. Gerbl- und Iglinger Straße keine Durchgangsstraßen mehr. Diesen Status habe nun die Viktor-Frankl-Straße inne. Insgesamt sei das Ziel, bis zum Jahr 2017 den „Rest von Kaufering“ in eine Tempo-30-Zone zu überführen. Dieser Auftrag ginge aus dem Verkehrsleitbild hervor, das sich aus den Ergebnissen eines Verkehrsarbeitskreises in den Jahren 2012/13 ergebe und vom Marktgemeinderat abgesegnet worden sei. Daran hätten neben politischen Entscheidungsträgern auch Bürger mitgewirkt. Überhaupt habe er vorrangig positive Reaktionen zum Thema erhalten.

Positive Reaktionen gab es zumindest seitens der Marktgemeinderatsmitglieder kaum. Flora Kurz (SPD) bat um eine bessere Kennzeichnung gefahrenträchtiger Stellen. Thomas Salzberger (SPD) appellierte, von weiteren Umsetzungen des Verkehrsleitbildes abzusehen, bis weitere Erfahrungswerte eingeholt seien. Die Befürchtungen, dass der Busverkehr gestört werde und sich die Anfahrtszeiten der Feuerwehr in kritischem Ausmaß verschlechterten, äußerte Bernhard Mödl (UBV). Er sah vor allem an der Haidenbucher-, Bahnhof, Maximilian- und Welfenstraße Gefahrenpunkte entstehen.

Püttner versprach, die zu Protokoll gegebenen Anmerkungen bei einer noch nicht terminierten neuerlichen Ortsbegehung mit der Polizei und dem Landratsamt vorzutragen.

Rasso Schorer

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