Jugend musiziert: Zehn Musiker aus dem Landkreis überzeugen beim Bundeswettbewerb

Sieger sind sie alle zehn, denn „Jugend musiziert“ ist ein Wettbewerb mit eigenen Gesetzen. So mussten sich alle Teilnehmer für das Bundesfinale in Lübeck über erste Plätze zunächst bei den Regional- und dann bei den Landeswettbewerben qualifizieren. Wer also beim Bundeswettbewerb antritt, gehört in seiner Altersgruppe bereits zu den besten Musikern in Deutschland. Dabei sein beim Finale ist für die Nachwuchskünstler schon ein Triumph. In diesem Jahr ist das so vielen Musikern aus dem Landkreis gelungen, wie selten oder gar nie zuvor. Und fast alle haben dann auch noch einen 1., 2. oder 3. Preis gewonnen. Glückwunsch!

Auch die Vergabe von Preisen funktioniert bei Jugend musiziert nach anderen Gesetzen als bei den meisten Sportwettkämpfen. Hier geht es nicht darum, einen Gegner um hundertstel Sekunden zu schlagen, sondern wenn mehrere Musiker die Jury überzeugen, dann können auch mehrere erste, zweite oder dritte Preise vergeben werden. Entscheidend ist einzig die Qualität des Musikvortrags, und die kann bei mehreren Teilnehmern hervorragend sein. Doch: Musik ist die Sprache der Seele, heißt es, macht der Wettbewerbsgedanke da überhaupt Sinn? Die Antwort lautet: Ja, aber nach etwas anderen Spielregeln. Das Besondere dieses Wettbewerbs wird im Programm zum Bundesfinale so beschrieben: „Bei Jugend musi- ziert geht es nicht darum, gegeneinander ausschließlich den Besten zu ermitteln, sondern im vergleichenden Miteinander, als künstlerische Standortbestimmung, seine beste Leistung zu präsentieren.“ Eigene Überzeugung Dass die Bundesfinalisten aus dem Landkreis diesen Gedanken verinnerlicht haben, zeigten sie beim Pressegespräch mit dem KREISBOTEN, zu dem fast alle kommen konnten. „In Lübeck herrschte eine tolle Stimmung“, berichtet Amelie Böckheler (17, Walleshausen), die mit ihrer Violine einen 1. Preis gewann. „Es war spannend zu hören, wie die anderen spielen“, fügte sie hinzu, „man konnte selbst viele Anregungen mitnehmen. Beeindruckt hat mich auch das insgesamt sehr hohe Niveau.“ Von der Gelegenheit, andere Musiker zu hören, konnte Amelie allerdings erst nach ihrem eigenen Auftritt ausgiebig Gebrauch machen. Vorher musste sie sich mehr aufs Üben konzentrieren. Worauf kommt es denn besonders an – abgesehen von einer guten Technik und möglichst fehlerfreien Vorstellung –, um bei einem solchen Wettbewerb erfolgreich zu sein? „Jeder muss seine Interpretation mit solcher Überzeugung vertreten, dass er damit die Juroren für sich gewinnt, auch wenn der ein oder andere Juror selbst eine andere Interpretation wählen würde“, erklärt Sabina Hüttinger (15, Kaufering), die in der Kategorie Klavierbegleitung einen 1. und einen 3. Preis gewann. „Man darf sich beim Spielen keine Gedanken darüber machen, ob man den Geschmack anderer trifft oder nicht, und man darf schon gar nicht eine Interpretation von einer CD kopieren, wenn sie einem selbst nicht gefällt.“ Und das, obwohl ein guter Teil der Wertung eben doch Geschmackssache seitens der Jury ist, denn darin waren sich alle Musiker einig: Die Sprache der Seele ist nur bis zu einem gewissen Grad mess- und vergleichbar. So berichtete Brigitte Helbig (18, Schondorf), die in der Klavierbegleitung einen 3. Preis erhielt, dass ihr die Jury beim Landeswettbewerb gesagt hätte, sie habe zu laut gespielt. Beim Bundeswettbewerb fand die Jury ihr Spiel zu leise… Franziska Leupold (16, Kaufering), die mit ihrer Violine einen 2. Preis gewonnen hat, räumte ein, dass auch ein bisschen Glück dazu gehört: „Fehler passieren so schnell. Wie gut man durch sein Programm kommt, hängt auch von der Tagesform ab.“ Wobei der Begriff „Fehler“ zu relativieren ist. Der Autor dieses Artikels hatte das Glück, die Generalprobe von Franziska Leupold hören zu dürfen. Ich bin überzeugt: „Ein musikalischer Laie, wie ich es einer bin, wird nur schwer den Qualitätsunterschied zwischen ihrem ersten Satz des Violinkonzerts von Felix Mendelssohn und der entsprechenden CD-Einspielung mit Nigel Kennedy feststellen können. Die Interpretation der Kauferinger Violinistin hat meine Seele ebenso berührt, wie die des Geigers mit Weltruf.“ Ruhig bleiben Diese persönliche Bemerkung will lediglich andeuten, wie man sich das vorstellen muss, mit dem „hohe Niveau“, von dem bei diesen jungen Künstlern oft die Rede ist. Der Profi wird freilich Unterschiede wahrnehmen und auch die Musiker sind selbstkritisch genug, permanent weiter an ihrem Spiel zu feilen. „Fehler“ gehören zu ihrem Alltag, und dabei lernen sie einen wertvollen Weg, besser damit umzugehen. „Fehler sind nicht so schlimm. Da darf man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen“, erklärte die erst 13-jährige Hannah Jacobs aus Landsberg ganz cool. „Wichtig ist, dass man schön weiter spielt.“ Hannah wurde an ihrem Fagott zusammen mit ihrer Duo-Partnerin Larissa Deisenberger (12, Schondorf, Klavier) mit einen 2. Preis in ihrer Altersgruppe ausgezeichnet. Amelie Böckheler fügte hinzu, dass Fehler in den allermeisten Fällen den musikalischen Inhalt nicht unterbrechen, wenn der Künstler sich nicht unterbrechen lässt. Und wie steht es mit der Aufregung vor dem Auftritt? „Bei Konzerten bin ich viel nervöser, als bei dem Wettbewerb“, erklärt Deisenberger. „Außerdem haben wir als Duo den Vorteil, dass man zu zweit weniger aufgeregt ist.“ Ihrer Duo-Partnerin ging es ebenso. Die große Nervosität kam bei ihr erst während der Preisverleihung: „Das war viel schlimmer als das Vorspiel“, sagte Jacobs , jedoch mit einem strahlenden Lächeln. Was die beiden sehr genossen haben, war das gemeinsame Üben. Zusammen sei es „viel lustiger und nicht so einsam.“ Auch Maura Knierim (16, Stoffen) konnte von den Vorzügen des Duospiels profitieren. Allerdings wohnt ihre Partnerin, Ulrike Busse, in der Nähe von Stuttgart. Da war einiges an Reisetätigkeit gefragt, um an den Wochenenden gemeinsam proben zu können. Belohnt wurden die beiden mit einem2. Preis für ihr Harfen-Ensemble. „Wir sind beide nicht technisch perfekt“, beschreibt Maura ihr Erfolgsgeheimnis, „uns geht es vor allem um den musikalischen Ausdruck. Beim Wettbewerb waren wir sehr aufgeregt. Wir haben schon besser gespielt, als dort. Trotzdem haben wir in diesem Moment die Musik gespürt und deshalb sind wir zufrieden.“ Mit dem Üben hatte Korbinan Fichtl schon mehr zu knabbern. Er spricht aus, was wohl jeder der anderen in Phasen auch erlebt haben dürfte: „Ich fand alles gut am Wettbewerb, aber zum Schluss war das Üben etwas nervig. Ich arbeite seit letztem Sommer an meinen Stücken und irgendwann konnte ich sie fast selber schon nicht mehr hören“, bekannte der zwölfjährige Landsberger, der mit seinem Marimbaphon, Vibraphon und an einem schlagzeugähnlichen Set einen 2. Preis in der Kategorie Percussion gewonnen hat. Schule fürs Leben Doch genau hier zeigt sich auch wieder der Wert des Wettbewerbs: „Ohne ihn hätte man nicht den Ansporn, sich so stark in ein Stück zu vertiefen“, brachte es Franziska Leupold auf den Punkt. „Man würde sich wohl früher einem anderen Werk widmen und insgesamt nicht dieses hohe Niveau erreichen “, fügte Felix Mathy (18, Kaufering) hinzu, der in der Kategorie Klavierbegleitung mit sehr gutem Erfolg abgeschnitten hat. Denselben Preis erhielt Theresa Wagner (15, Landsberg) mit ihrem Solo-Programm für die Bratsche. Theresa konnte nicht zum Pressetermin kommen. Für sie wies ihre Lehrerin, Birgit Abe, auf den sehr beachtlichen Umstand hin, dass Theresa erst vor einem Jahr auf dieses Instrument umgestiegen ist. „Auf ihre Teilnahme am Bundeswettbewerb kann sie sehr stolz sein“, so Abe. Die eigene Überzeugung vertreten; die Ruhe bewahren, wenn mal etwas schief läuft; die große Aussage im Blick behalten, statt sich in Kleinigkeiten zu verlieren – schon diese Beispiele zeigen: Die Musik ist eine Schule fürs Leben, egal ob für Profis oder Amateure. Doch wer in der Musik ein so hohes Niveau erklommen hat, wie die Bundespreisträger, der strebt wohl auch an, sie zu seinem Beruf zu machen. Die Älteren jedenfalls waren sich auch in diesem Punkt einig: Amelie, Brigitte, Felix, Franziska und Sabina würden gerne Musik studieren. Wir wünschen ihnen alles Gute auf diesem Weg!

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare