Rentnerstadt Landsberg

Maues Kulturangebot für Jugendliche in Landsberg

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Leo Lischka vom Jugendbeirat Landsberg setzt sich für Jugendkultur ein. „Es wäre schön, von den Erwachsenen ernst genommen zu werden.“

Landsberg – „Landsberg ist eine Rentnerstadt!“ Ein Vorwurf, der immer wieder und immer öfter auftaucht. Er kommt von den Jugendlichen über 16. Denn für sie gibt es in Landsberg wenig. „Die Diskos machen alle dicht und selbst bei Privatfesten steht um zwölf die Polizei vor der Tür“, sagt Leo Lischka vom Jugendbeirat. „Und dabei sind wir eine Kreisstadt!“ Ein „richtiges“ Kino, die Kletterhalle, Clubs und Diskos – alles in Kaufering. „Landsberg schaufelt sich sein eigenes Grab“, formuliert Jason Martin, ebenfalls im Jugendbeirat. Vielleicht etwas überspitzt, aber nicht ganz falsch. Denn Jugendliche machen eine Stadt lebendig.

Im Gespräch mit Mitgliedern des Jugendbeirats erkennt man die Probleme: Räume für die Subkultur fehlen. Im Moment fahre sie zum Feiern immer nach Augsburg oder München, erzählt Nita Hulenaj. In Landsberg könne man eigentlich nur noch in der Sonderbar feiern, aber die „ist ab neun Uhr abends so voll, dass man sich fast nicht mehr bewegen kann“. Um zu einem Ort außerhalb Landsbergs zu kommen, braucht man natürlich einen Fahrer, „und der darf eben dann nichts trinken.“ 

Das gleiche Problem bestehe bei anderen Freizeitaktivitäten, zu denen man nach Kaufering müsse. Also Hallenbad, Kletterhalle oder ein Kino, das mehr Mainstream-Filme zeigt. Neben dem Alkohol zählt noch das Argument Geld: „Von Landsberg nach Kaufering mit dem Zug kostet über drei Euro. Das summiert sich“, erläutert Jason. Und Jugendliche hätten generell ja eher wenig. Im Sommer könne man mit dem Rad fahren. Im Winter sei das aber nicht so spritzig. Und zudem „sind die Radwege schlecht beleuchtet und meistens wahre Minenfelder“, meint Leo. Die Busfahrzeiten nennt er „unsinnig“. Das Sammeltaxi AST sei generell eine gute Idee, funktioniere aber nicht wirklich: „Man muss da meistens ewig warten“, erzählt Jason. 

Die Lösung wäre ein Club oder eine Disko in Landsberg. „Zum Beispiel im Industriegebiet oder beim InCenter“, schlägt Leo vor. Vor allem aber, meint Kaltrina Hulenaj, müsse man von Anfang an „alles richtig machen, um nicht schon nach einem Jahr wegen der Anwohner wieder schließen zu müssen. Also mit der Stadt zusammen planen.“ 

Das Problem „wenig Geld“ wirkt sich auch auf das Einkaufsverhalten der Jugendlichen aus: Viele bestellen Kleider online. Denn „in Landsberg gibt es zu wenig große Läden“, meint Kaltrina. Und die kleinen seien schlicht zu teuer. „Hier sehen alle Mädchen gleich aus, weil alle im gleichen Laden shoppen.“ Den Jugendlichen fehlen also genau die Ketten, die als Untergang der kleineren Läden gesehen werden. Auch was das Essen angeht, wünschen sich die Jugendlichen mehr Ketten in der Innenstadt. 

Gerne würden sie auch mal draußen grillen. Eine Grillmöglichkeit am Lech gibt es zwar, aber da tauche immer gleich die Polizei auf. Die nimmt dabei zwar nur die Daten eines der Anwesenden auf, um bei Beschädigungen im Nachhinein einen Ansprechpartner zu haben. „Man fühlt sich aber dabei fast wie ein Schwerverbrecher“, sagt Kaltrina. 

Ein Bauwagen oder eine Holzhütte am Stadtrand wäre toll, wo man sich treffen könne, ohne jemanden zu stören. Zum Beispiel im Zehnerwald, überlegt Leo. Penzing habe sowas, auch Erpfting und Leeder, so Jason: „Jedes Dorf hat das, nur Landsberg nicht.“ Und dabei sei Landsberg doch das Aushängeschild der Region und „an sich ne geile Stadt“. Die Jugendbeiratsmitglieder wären bereit, die selber zu bauen. Zum Beispiel mit Flüchtlingen zusammen, als Integrationsprojekt. Auch ein Musikfest mit Bands Ende September organisieren die Jugendlichen, das jährlich stattfinden soll. Heuer im JuZe, es soll aber wachsen und vielleicht irgendwann so groß werden, dass es ins Sportcenter ziehen könne. 

Soundlaster und Night-Groove finden die Jugendlichen generell gute Ideen. Aber viele Jugendliche kennen die Veranstaltungen nicht einmal. Denn die Musik sei eher für Leute 30 plus und der Night-Groove nicht gerade billig. „Den Soundlaster einen Tag für Jugendliche zu machen, wäre toll“, schlägt Leo vor. Er kenne auch ein paar Leute, die ein eigenes Mischpult zuhause hätten. „Einfach ein bisschen Coolness reinbringen.“ Dazu betonen die Jugendbeiratsmitglieder: „Wir wollen nicht nur meckern und fordern. Wir machen auch mit.“ 

Die großen Probleme scheinen jedoch woanders zu liegen: „Die meisten, die mit uns reden wollen, verstehen uns nicht“, sagt Leo. Um Jugendliche zu erreichen, seien Flyer und facebook „zu alt“. Snapchat, Instagram oder WhatsApp-Gruppen funktionierten da besser. Zudem habe man oft das Gefühl, dass zum Beispiel Stadtratsmitglieder nicht wirklich zuhören und die Jugendlichen nicht ernst nehmen würden: „Wenn man eine Idee hat, heißt es oft: ‚Ja mei, mach halt‘, ‚Tja, das ist schwierig‘ oder ‚Ihr habt keine Ahnung‘.“ 

Dass Neuerungen Zeit brauchen, weiß Leo. Auch dass vieles formal nicht machbar ist. Aber er bedauert, dass der Jugendbeirat bei den Neuerungen nicht mitentscheiden, sondern nur Vorschläge einbringen darf. „Entscheidungen werden gefällt, auf die wir – die Leute, die sie betreffen – keinen Einfluss haben.“ Somit sagen Ältere, was für Jugendliche gut ist. „Aber wir sind erwachsen, dürfen wählen und engagieren uns. Wir sind doch keine Trottel.“

Susanne Greiner

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