Eine Woche Freiheit

Jugendcamp mit Showabschluss: der Jugendzirkus JuZiLLa

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Fast wir die Profis: Die JuZiLLa-Zirkusjugendlichen beim Auftritt in der Manege Jugendzentrum haben in einer Woche ein begeisterndes Programm erarbeitet.

Landsberg – Es ist kein richtiges Zirkuszelt, das über den Köpfen der Artisten thront. Und auch der Duft nach Sägemehl fehlt. Das ist aber auch schon alles. Denn wenn die Jugendlichen des Landsberger Zirkus „JuZiLLa“ auftreten, wird die schnöde Turnhalle im Jugendzentrum zur Manege für (fast) Profis. Das Projekt des Jugendfördervereins Zirkusvirus Landsberg hat in diesem Jahr zum zweiten Mal 13 Jugendlichen eine Woche ‚Campurlaub‘ im JuZe geboten: voller Akrobatik, Gemeinsamkeit – und ohne Eltern.

„Wir haben über das ganze Jahr hinweg eigentlich kaum Kontakt“, erzählt Merle, eine der 13 Artisten im Alter von 11 bis 17 Jahren. „Aber hier treffen wir uns dann wieder.“ Denn viele der Jugendlichen sind schon lange mit dabei – nicht bei JuZiLLa, den gibt es ja erst seit letztem Jahr. Aber beim Zirkuszeltlager in Kaufering. „Das erste Mal war ich mit sieben Jahren dabei, jetzt werde ich 16“, meint eines der älteren Mädchen. Weshalb viele auch schon Erfahrungen in der Welt der Akrobatik gesammelt haben: im Arialring – „ein Ring, in dem man sich verbiegt“ – , mit dem Vertikaltuch oder auch am Boden.

Andere haben kaum Erfahrungen. „Ich hasse Sport“, grinst eines der Mädchen. „Aber hier ist es frei, man probiert Sachen aus, traut sich mehr.“ Ansprüche gibt es keine. Auch Jugendliche ohne Zirkuserfahrung sind willkommen. Die eine Woche Sport pur sei schon anstrengend, sagt ein Mädchen. Aber was die Woche auch ausmache, sei das Miteinander. Das gemeinsame Kochen, Zusammensein, sich Helfen. Auch das Zurechtkommen miteinander. „Wir haben hier zusammen Spaß, ohne jegliche Vorurteile.“

Auch Jonglieren mit Lichteffekten gehört zum JuZiLLa-Programm.

Was bei dem Projekt am Ende herauskommt ist ein Zirkustraum: ‚Direktorin‘ Eileen Fischer – erste Vorsitzende von Zirkusvirus – führt Cinderella in die Manege. Die natürlich ihren Schuh sucht. Eine Suche, die das US-Aschenputtel durch zahlreiche Disneyfilme mit Affen, Löwen, Meerjungfrauen und arabischen Prinzen führt. Begleitet von Akrobatik in der Luft und am Boden, aber auch Gesang und Trommeln, Jonglage und Feuerkunst. Sogar ein Fakir schreitet wagemutig über Scherben. Und legt sich mit nacktem Oberkörper auf sie, beschwert von Cinderella. Passend zur Stimmung, die den Abend beherrscht, endet der Auftritt mit „Hakuna Matata“ aus „König der Löwen“: „Alles kein Problem.“

Die 13 Jugendlichen gebändigt haben vier Betreuer, alle Ende 20, Anfang 30: Eileen Fischer, Jugendleiterin und eigentlich Lehrerin, Aurelia Reichenberger, die sonst als Heilpädagogin unterwegs ist, Schreiner Sebastian Beyer und Lehramtsstudent Benedikt Münzel, der beim Auftritt die Artisten ins rechte Licht setzt und auch dafür sorgt, dass die Kunststücke fotografisch und filmisch festgehalten werden. Der Verein, mit vollständigem Namen Kinder- und Jugendförderverein Zirkusvirus Landsberg, finanziert sich bisher mühsam: durch Spendengelder und eine kleine Finanzspritze der Stadt. Einen Sponsor suchen sie dringend. Zum Beispiel für ein dringend gewünschtes Trapezseil.

„Wir vier kennen uns aus dem Kauferinger Zirkusprojekt“, erzählt Fischer. „Und wollten mehr Zirkus machen.“ Weshalb sie den Verein Zirkusvirus gründeten. Zu sehen waren sie auch beim Gauklerpark des Ruethenfestes, wo im Lunapark Zirkusneugierige Manegenluft schnuppern konnten. Und ab Montag haben sie 50 Racker ‚an der Backe‘: im Kinderzirkus Goggolori.

„Goggolori ist eher ein Workshop“, meint Fischer. Die Jugendlichen von JuziLLa seien selbstständiger. Die Ideen, das Konzept werde hier gemeinschaftlich entwickelt. Dabei ist für Fischer wichtig, auf die Ideen der Jugendlichen spontan einzugehen – zum Beispiel, eine Reise durch die Disney-Filmwelt als Roten Faden zu nehmen. „Zirkus ist vielseitig. Da kann jeder Leidenschaft für etwas entwickeln. Aber am Ende machen eben alle etwas zusammen.“

Wollen die Jungartisten später zum Zirkus? „Ich würde gerne. Aber da muss man viel Energie reinstecken. Und früh anfangen“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Die anderen nicken einstimmig. Sie haben trotz einer Woche Traumwelt die Bodenhaftung nicht verloren. Dennoch sind sie begeistert: „Diese fünf Tage hier sind toll. Denn hier, das ist unsere Show.“

Susanne Greiner

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