Herkomer-Konkurrenz mit Elektro-Veteran

Landsberg wird wieder zum Mekka von Oldtimer-Liebhabern

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„Das ideale Dienstauto für Sie“, scherzt hier Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner zu Heike Eisele vom Veranstaltungsbüro der Stadt. Links von Neuner Organisationsleiter Michael Kemény, rechts neben ihm Fahrzeugeigner Hermann Redl und Hartfrid Neunzert vom Orgateam. Sie bestaunen das älteste in Europa zugelassene Elektroauto aus dem Jahr 1913.

Landsberg – Ab Donnerstag ist Landsberg wieder das Mekka von Oldtimer-Liebhabern aus ganz Europa. Hier ist Start und Ziel der Herkomer-Konkurrenz, der ältesten Automobil-Veteranen-Rallye Deutschlands. Über 50 Klassiker aus den Baujahren 1902 bis 1930 nehmen an dem Spektakel teil, das sich Sir Hubert von Herkomer und Christof Ludwig Poehlmann 1903 im Mutterturm ausgedacht haben. Alle Details, inklusive Streckenplänen, gibt es in der aktuellen KREISBOTEN-Sonderveröffentlichung.

Bereits ab Donnerstagmittag können die wertvollen Klassiker am Parkplatz Papierfleck beim Mutterturm bestaunt werden. Hier trudeln bis zum frühen Abend die Teilnehmer mit ihren Oldtimern auf Hängern ein. Die langen Anfahrten aus Flensburg, Belgien, der Schweiz oder Österreich wollen sie ihren betagten Lieblingen nämlich nicht zumuten. Offizieller Start ist dann am Freitag um 9 Uhr ebenfalls am Mutterturm. Knapp 70 Kilometer mit zwei Wertungsprüfungen in Zollhaus und Waal wird die Kolonne bis zur Zieleinfahrt am Mutterturm gegen 16 Uhr zurücklegen. Am Samstag um 9 Uhr ist hier wieder Start zu einer circa 60 Kilometer langen Tour mit zwei Wertungsprüfungen in Schondorf und Andechs.

Gegen 14.30 Uhr am Samstag werden die Veteranen am Landsberger Hauptplatz erwartet, was erfahrungsgemäß viele Zuschauer anlockt. Im Mittelpunkt des Interesses wird ganz sicher das älteste in Europa zugelassene Elektromobil stehen, das „Detroit Electric Model 90 Coupé“ aus dem Baujahr 1913. Bereits bei der Medienkonferenz der Stadt Landsberg als offizieller Veranstalter der Herkomer-Konkurrenz erregte das Fahrzeug Aufmerksamkeit, als es lautlos vor dem historischen Rathaus vorfuhr. Eigentümer Hermann Redl musste den staunenden Zuschauern viele Fragen über das Auto mit elf PS und 1,4 Tonnen Gewicht beantworten. Sie konnten es einfach nicht glauben, dass es vor über einhundert Jahren schon Elektrofahrzeuge gab.

Heike Eisele vom Veranstaltungsbüro der Stadt Landsberg und Organisationsleiter Michael Kemény gaben im Herkomer-Saal Details zu diesem Wunderfahrzeug zum Besten, bei denen auch Oberbürgermeister Mathias Neuner staunen musste. Das Elektromobil aus Detroit fuhr mit einer Batterieladung offiziell 130 Kilometer, bei Testfahrten aber sogar bis zu 340 Kilometer. Höchstgeschwindigkeit waren 35 km/h. Das Auto, zehnmal so teuer wie ein Wagen mit Verbrennungsmotor, wurde vornehmlich von Frauen gefahren, die nicht mühsam kurbeln wollten. Und von Ärzten, die ohne die Anlassprozedur schneller zu ihren Patienten kamen. Erstaunlich, dass sogar die Frau von Henry Ford und viele seiner Manager das Konkurrenz-Auto fuhren. Aufgeladen wurden die Batterien übrigens mit Muskelkraft über Fahrrad-Dynamos: Angestellte mussten stundenlang strampeln, damit die Herrschaften bequem loszuckeln konnten…

Neben diesem Elektro-Oldie können die Zuschauer heuer erstmals neuzeitliche Elektrofahrzeuge bestaunen. Landsberger Autohäuser stellen ihre aktuellen E-Autos als Begleitfahrzeuge zur Verfügung.

Die Bezeichnung „Konkurrenz“ statt Rennen wurde einst von Hubert von Herkomer ganz bewusst gewählt. Es sollte ein Zuverlässigkeitswettbewerb für Tourenwagen sein. Herkomer wollte beweisen, dass die Autos für längere Reisen bereits alltagstauglich waren. Ein Glücksfall für Landsberg als Geburtsort der ersten Rallye dieser Art.

Mit Prof. Christof Ludwig Poehlmann, dem Präsidenten des 1899 gegründeten Bayerischen Automobilclubs BAC, tüftelte Herkomer im Landsberger Mutterturm detaillierte Regeln für die erste Konkurrenz im Jahr 1905 aus. Zugelassen wurden nur viersitzige Tourenwagen mit mindestens drei Beleuchtungen, eine davon hinten. Die teilnehmenden Automobile sollten auch einen Rückwärtsgang haben und genügend Platz für Gepäck. Herkomer gestaltete selbst einen 40 Kilogramm schweren Silberpokal für den Sieger.

Die „neue“ Herkomer-Konkurrenz gibt es in Landsberg seit 1997 und findet alle zwei Jahre statt. Am Anfang waren nur Automobile bis zum Baujahr 1918 zugelassen, weshalb bei der ersten Fahrt nur 27 Wagen teilgenommen haben. Erst seit dem hundertjährigen Jubiläum 2005 dürfen Autos bis zum Baujahr 1930 teilnehmen.

Der älteste Wagen der aktuellen Herkomer-Konkurrenz mit der Startnummer 1 ist ein Oldsmobile Curved Dash Typ R aus dem Jahr 1902. Er hat nur einen einzigen Zylinder, 1.564 ccm, fünf PS und fährt immerhin 30 km/h. Das amerikanische Fahrzeug wird von den beiden Österreichern Jocelyne und Andreas Melkus gesteuert, die seit vielen Jahren immer wieder in Landsberg mitdabei sind.

Dieter Roettig

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