Jung, talentiert, ausgezeichnet – Landkreis Landsberg vergibt Kulturförderpreise 2008

Insgesamt viermal ist am vergangenen Samstag der Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg vergeben worden. Die Preisträger sind junge Musiker: Katharina Kraus (19, Geige) aus Kaufering , Johannes Egger (28, Gitarre) aus Landsberg, Tobias Eglhofer (19, Klarinette und Klavier) aus Epfach sowie das Flötenesemble „Tibia Musa“ mit Silvia Berchtold, Larissa Patzer, Dorotheé Löbhard und Tobias Windecker.

Gespanntes Schweigen lag über dem Theater der Lechstadt, als durch den geschlossenen Vorhang weißer Dampf in den Zuschauerraum strömte. Geisterhaft öffnete er sich und auf der Bühne sah man sechs junge Handwerker, vor sich Aluleitern und Blechtonnen. Man erwartete schon die Durchsage, wegen eines technischen Defektes falle die Veranstaltung leider aus, da hoben sie plötzlich Trommelschläger und schlugen wie besessen auf die Geräte ein. Ein Rhythmusregen prasselte auf das Publikum nieder. So eingestimmt empfahl der Moderator des Abends, UBV-Stadtrat und IKG-Lehrer Axel Flörke, den anwesenden Eltern ihre jugendlichen Sprösslinge getrost im Keller oder der Garage toben zu lassen, sie dann auf die Musikschule zu schicken und das Ergebnis kaum drei Jahre später hier im theatralen Ambiente zu bewundern. Die sechs Jungs nennen sich „Drumatic“ und jeder im Publikum wünschte ihnen, die zukünftigen Gewinner des Kulturförderpreises zu sein. Ihr Lehrer, Florian Speckhardt, wird an diesem Abend für seine musikalischen Leistungen, insbesondere seines Einsatzes für die lokale Musikszene und die Förderung der Jugend mit einem Sonderpreis geehrt. Jeder Preisträger brachte seinen persönlichen Laudator mit. Stolz sprach aus Vater Hans Eglhofer als er seinen Sohn Tobias, ein Multitalent aus Epfach, lobte. Besonders dessen Fleiß und Ehrgeiz, mit dem er sich jeder musikalischen Herausforderung stelle, hob er hervor. Mit drei verschiedenen Disziplinen, Klavier, Gesang und Klarinette gab der 19-Jährige einen eindrucksvollen Querschnitt seines Könnens. Bewegend die Umarmung, mit der er seiner Schwester Stefanie für ihr Bühnendebüt dankte. Susanna Ricchio merkte man die Liebe zu ihrem Ensemble an. Freudig verkündete sie, dass sie sich das „beste Blockflötenquartett Deutschlands“ nennen dürften: Silvia Berchtold, Dorothee Löbhard und Tobias Windecker aus Landsberg sowie Larissa Platzer aus Penzing verteidigten souverän mit einer gekonnten Mischung aus Stücken des Mittelalters, der Renaissance und des 20. Jahrhunderts diesen Titel. Die Violinistin Katharina Kraus aus Kaufering hatte sich ihren Großvater als Laudator ausgesucht. Liebevoll erzählte er vom Temperament und der Eigenwilligkeit seiner Enkelin, zeigte ihre erste Geige, die sie sich mit fünf Jahren ausgesucht hatte und schilderte die Höhen und Tiefen des Musikerdaseins. Ihr Spiel bezauberte, die Geige schien mit ihr verwachsen, so leicht spielte sie. Inneres Feuer Über Johannes Egger sagte sein Mentor Christian Gruber, er habe ein inneres Feuer, ein Brennen, eine Besessenheit wie man es nur sehr selten erlebe. Im Gegensatz zu den vorherigen Preisträgern habe Johannes Egger bisher an keinem Musikwettbewerb teilgenommen, vielmehr schulte er sein Talent in einer Heavy Metal Band. Grubers Überzeugung nach sei dieser Preis „ein warmer Regen, der auf fruchtbaren Boden fällt“. Was mit innerem Feuer gemeint ist, konnte das Publikum anschließend auf der Bühne erleben. Völlig versunken, das Publikum vergessend, strich und zupfte Egger zärtlich seine Gitarre, einer Geliebten ähnlicher als einem Instrument. „Charmant und gekonnt“, wie Landrat Walter Eichner sagte, begleitete Axel Flörke durch den Abend. Er nutzte die Zeit hinter der Bühne, um mit den Jugendlichen ein paar Worte zu wechseln und betonte mehrmals den Missstand, dass das musische Angebot an den Landsberger Gymnasien zu wünschen übrig lasse. Die begabten Jugendlichen müssten deshalb bis nach München pendeln, um Musik als Leistungskurs im Abitur belegen zu können. Der Landrat dankte abschließend allen, die diese jungen Menschen unterstützten und begleiteten auf ihrem musikalischen Lebensweg. Allen voran den Eltern und deren Glauben an das Können ihrer Kinder und den Musiklehrern, die gezielt mit Rat und Tat die Talente förderten. Er dankte auch der Stadt Landsberg für die Möglichkeit im „Bürgertheater“ zu feiern und der Sparkasse Landsberg-Dießen, die die Preisgelder zur Verfügung gestellt hatte.

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