Mitdenken und mitspielen

In einer Sequenz greifen die Spieler des „People’s Theatre“ das Thema Mobbing auf. Die Situation wird gemeinsam mit dem Publikum analysiert und Lösungen erarbeitet.

Landsberg – Eine außergewöhnliche Schulstunde stand direkt vor den Osterferien der Q11 des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums bevor: eine Show des „People’s Theatre“, kein „normales“ Theaterstück, sondern ein interaktives Stück über Konfliktlösung und Stärkung der Sozialkompetenz.

Gerd, ein stiller Junge, wird von zwei Mitschülern gehänselt, Laura sitzt daneben, überlegt, einzugreifen. Auf dem Eskalationspunkt ruft die Moderatorin „Stopp“, die Schauspieler halten inne, gemeinsam mit den Schülern wird das Gesehene analysiert, die Charaktere hinterfragt und Lösungen erarbeitet. Das Besondere: die Schüler probieren ihre eigenen Ideen aus, mehrere Varianten werden durchgespielt, bevor das Plenum die beste Verhaltensstrategie auswählt. 

Das erschöpft sich allerdings nicht in reinen Begrifflichkeiten, immer wieder hinterfragt Moderatorin Marion „Was verstehst du unter Zivilcourage, was ist das genau?“. Wichtig dabei, wie sie vorher betont hatte: „Sagt, was ihr wirklich denkt, nicht das, von dem ihr glaubt, dass wir es hören wollen“. Das funktioniert nach einer anfänglichen Scheu sehr gut, schließlich trennen Schüler und Spieler nur wenige Jahre. 

Zwei der Aktiven vom Verein „People’s Theatre“, Marion Menzel und Welf Wacker, haben erst im letzten Jahr ihr Abitur gemacht, Marion am Dominikus- Zimmermann- und Welf am Ignaz-Kögler-Gymnasium. Unterstützt werden die beiden von der ehemaligen Aktiven Rabea Kondrich (21 Jahre) und zwei Mitschülern Marions Jessica Neneder und Thomas Metschl. 

Mehr Sozialkompetenz

„People’s Theatre“ ist ein gemeinnütziger Verein, der 2001 in Offenbach/Hessen gegründet wurde und der unter anderem mit dem Hessischen Kultusministerium, der IHK und der Aktion Mensch zusammenarbeitet. Ziel ist die Förderung der Sozialkompetenzen bei Jugendlichen durch die Vermittlung konstruktiver Konfliktbewäl­tigungsstrategien mithilfe von Theatershows. Jugendliche können sich dort für ein Ehrenamtliches Soziales Jahr oder im Rahmen eines berufsvorbereitenden Praktikums bewerben, wohnen gemeinsam in einer WG, entwickeln, proben, organisieren und bestreiten die Shows in Schulen, Jugendhäusern, Jugendstrafanstalten, immer zugeschnitten auf die aktuelle Situation ihres Publikums. Normalerweise dauert eine Show etwa eine Schulstunde, manchmal wird ein Team auch länger gebucht. „Wir haben auch schon eine Projektwoche in einem Internat durchgeführt“, erzählt Marion. Zum Abschluss des Ehrenamtlichen Jahres erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer. Zurzeit bilden zwölf Jugendliche aus ganz Deutschland, Italien und Luxemburg das Aktionsteam. 

Viel gelernt 

„Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht sehr viel Spaß“, meint Welf, 21 Jahre alt. „Aber man lernt sich selbst auch besser kennen, man wird viel offener.“ Und auch Rabea dankt den Schülern: „Ich habe sehr viel von euch gelernt“. In diesem einen Jahr steckt eine Menge Arbeit, eine sehr intensive Zeit, in der die Jugendlichen aber auch sehr viel lernen und viel zurückbekommen. „Man kann etwas verändern in der Welt“, fasst es Marion zusammen. Sagt es, beginnt, ihre Utensilien einzupacken, denn der nächste Termin in der Mittelschule beginnt bald… Weitere Informationen auf www.peoples-theatre.de.

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