Karla und die Schokoladenfabrik

Junge Bühne Landsberg überzeugt mit "Räuberinnen"

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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.
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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.
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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.
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Peter Dürrschmidts Bühnenbild setzt die jungen Schauspieler perfekt in Szene.
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Karla (Skadi Kühl) und Conny Kosinky sind uneins über Recht und Freiheit.
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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.
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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.
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Die Räuberinnen im neuen Stück des Jungen Ensembles gleichen eher einer Gang. Und leben ihre Gerechtigkeits-Romantik in illegalen Taten aus.

Landsberg – Wie ist das mit Gesetz und Freiheit? Das eine steht dem anderen im Wege, scheint zumindest die Konclusio, die Schiller in seinem Drama „Die Räuber“ zieht. Und wie verhalten sich Verstand und Gefühl? Passt auch nicht, so Schiller. Julia Andres‘ Bearbeitung des Klassikers für die Junge Bühne des Stadttheaters Landsberg holt den Schiller-Stoff in die Gegenwart. Und macht ihn ungemein weiblich.

Da ist der kalt berechnende Bruder Franz, aufgewachsen ohne Liebe und ohne Aussicht auf die Firmenleitung der elterlichen Schokoladenfabrik. Denn die hat nicht der, sondern die alte Moor ihrem Liebling versprochen, der erstgeborenen Karla. Weshalb Franzens Hirn das Rattern beginnt. Und unendliche Intrigen gegen Mutter und Schwester spinnt, um die eigene Machtgier zu befriedigen. Falsche Briefe stiften den Hass zwischen Mutter und Tochter. Falsche Nachrichten sagen noch Lebende tot.

Soweit ist Schillers Drama auch bei Andres‘ Bearbeitung zu finden. Allerdings ist Karla eben eine Frau. Sie studiert in Leipzig Jura. Aber ach, all die Paragraphenverdreher und die Not in der Welt. Unruhige Zeiten – damals wie heute – lassen sie zur Anführerin der Räuberinnen werden. Einer Truppe, die mittels Cyberkriminalität und Demonstrationen die Gesellschaft ändern will. Die aber schon bald in die Illegalität rutscht. Bis hin zum Mord. Und damit Karla in einen Zwiespalt bringt: Wie soll sie Gesetz und Gerechtigkeit vereinen? Wie ihre Taten rechtfertigen, ohne dem eigenen Gewissen untreu zu werden? Ein Ding der Unmöglichkeit. Und da es keine Chance gibt, Tote wieder lebendig zu machen, bleibt der Moor-Tochter nur ein Ausweg.

Die jungen Schauspieler des noch neuen Ensembles spielen ihre Rollen mit Leidenschaft und Begeisterung. Insbesondere zu sehen beim einzigen männlichen Mitglied Piotr Skowron, der seinen intriganten Franz voll – manchmal vielleicht ein bisschen zu voll – ausspielt. Auch Skadi Kühl als Karla versetzt sich nachvollziehbar in den Lebenszwiespalt, der sie letztendlich zu Fall bringt. Die alte Moor zeigt Sophie Hecht als konservative, in regeln gefangene Pralinengräfin, die zur Beruhigung – ebenso wie alle im Hause Moor – die schokoladigen Eigenerzeugnisse in sich hineinstopft. Cecilia Winter spielt schicksalsergeben ihre Hermine. Und Mia Frankenberger gibt ein durch und durch überzeugendes Dienstmädchen.

Die Schauspielerinnen der insgesamt siebenköpfigen Räuberbande haben sichtlich Spaß am Ungehorsam. Sie nuckeln am Lolli, während Trumps Konto gehackt wird. Und vor allem Jana Völkl als Marja Spiegelberg, zu Beginn in Konkurrenz mit Karla um den Anführerinnen-Titel, blüht im Illegalen auf. Das Problem aller: Die Konsequenzen werden nicht bedacht. Und die holen die Räuberinnen letztendlich ein. Auf Karls Kopf ist eine Prämie ausgesetzt.

Insgesamt ist Andres‘ Inszenierung eine runde Räuber-Version. Engagierte und äußerst textsichere Schauspieler, ein beeindruckendes Bühnenbild, Szenenwechsel und Umbauten, die – bis auf einen – durch Monologe aufgefangen werden. Etwas mehr Tempo hätte man an manchen Stellen gewünscht. Und gerne auch weniger Respekt vor dem Klassiker, dafür noch mehr Gegenwart. Mit Spannung darf man sich deshalb auf das nächste Projekt im Mai freuen: das multimediale Stück „Perspektive“. Und im Juli auf das Stück namens „Die Götter (durchgestrichen) Menschen müssen verrückt sein.“

Und wer nicht warten will: Heute Abend zeigt die Junge Bühne um 20 Uhr im Stadttheater nochmals die "Räuberinnen"
Susanne Greiner

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