Tag der Bundeswehr

Das Triple in Penzing

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Die Transall C160, der „Engel der Lüfte“, zum Jubiläum in Sonderlackierung.

Penzing – So nah rangieren Stolz und Zuneigung neben Wehmut und Beklemmung. Wenn Sie am Samstag, dem 10. Juni 2017, nach einem Tag voller Erlebnisse und Begegnungen den Fliegerhorst in Penzing verlassen, werden Sie wahrscheinlich all diese Gefühle gleichzeitig haben.

Sie werden noch einmal Hochachtung vor den Leistungen des ältesten Lufttransportverbands der Bundeswehr empfinden. Sie werden voller Bewunderung sehen, mit welcher Professionalität und Begeisterung Piloten und Bodenpersonal ihre Tätigkeit auf dem Flugfeld bei Landsberg ausüben. Und dann wird Ihnen schmerzlich klar, dass all das in wenigen Monaten zu Ende geht. Unmittelbar nach dem „Triple“ aus Tag der Bundeswehr, Geburtstags- und Abschiedsfeier werden beim LTG 61 die Koffer gepackt; in Penzing ist Schluss.

Der Fliegerhorst öffnet noch einmal seine Tore. Geschätzt 40.000 Besucher aus der ganzen Region strömen herbei. Sie lassen die Einsätze der Crews Revue passieren. Sie tauchen in die Dienstleistung „Lufttransport“ ein. Sie werden Zeugen spektakulärer Manöver. Sie feiern mit den Menschen, die hier für die Gemeinschaft tätig sind. Doch dann, gegen 17 Uhr, geht die Tür für immer zu. Es gibt noch nicht einmal eine Perspektive: Auf das blühende Leben auf dem Fliegerhorst folgt möglicherweise die Stillstandswartung. Dramatischer kann man einen Tag der Bundeswehr wohl nicht organisieren, heftiger kann ein Jubiläum wohl nicht sein.

Der Transall-Nachfolger A400M ist beim Tag der Bundeswehr in Penzing zu sehen.

Ja, es wird herzzerreißend. Zumal die beiden Projektoffiziere, Oberstleutnant Klaus Schierlinger und Hauptmann Peter Hammer, seit Monaten an einem Programm gearbeitet haben, das aus dem „Triple“ ein Bundeswehr-Event der Extraklasse macht. Schon der Anfang ist ein Fanal: Die Transall, ihre Vorgängerin Noratlas und deren Vorgängerin, die C-47, absolvieren einen „Generationenflug“ in Trail-Formation. Da ist die Geschichte des LTG geradezu am Himmel ablesbar. 18 Douglas C-47 („Dakota“) übernahm das LTG-61 im Jahr 1957 von den Amerikanern. Dann kam mit der „Nord 2501 Noratlas“ das erste fabrikneu beschaffte Transportflugzeug der deutschen Luftwaffe ins Geschwader. 1968 bis 1971 wurde es von der Transall C-160 abgelöst, einem deutlich leistungsstärkeren Lufttransporter mit wesentlich höherer Nutzlast. Die Transall ist heute so etwas wie der Sympathieträger des LTG-61; ihr Brummen ist aus Sicht der häufig überflogenen Landsberger Bevölkerung kein Fluglärm, eher Musik.

Doch der Generationenflug über Penzing ist nur der Auftakt. Den ganzen Tag über gibt es Starts und Landungen der Transall sowie viele Überflüge von anderen Maschinen. Darunter sind Eurofighter, Tornados, der Multirole-Transporter A310 MRTT und der Transall-Nachfolger, der A400M von Airbus Industries, dessen Einführung nicht ganz störungsfrei verläuft. Höhepunkt der Vorführungen ist die ab 14:15 Uhr geplante Demonstration einer militärischen Evakuierungsoperation; da sind drei Transalls, zwei Eurofighter, zwei Tornados und zwei Hubschrauber gleichzeitig im Einsatz. Kurz zuvor demonstrieren fünf Düsenjets, wie man tankt, wenn man nicht landen kann: mitten im Flug, ohne Zeitverlust, mit dem Tankschlauch als Nabelschnur.

Wer die Flieger und ihre Piloten von Nahem sehen möchte, hat am Boden dazu Gelegenheit. C-47, Noratlas, Transall, A400M; wer will, kann die Geschichte des LTG 61 chronologisch zu Fuß erkunden. Vor Ort sein werden auch Hubschrauber, zwar nicht die Bell UH-1D, die von Penzing aus „Search and Rescue“-Einsätze flog, wohl aber ein Airbus H145M und eine Sikorsky CH53G. Auch einen Tornado und einen Eurofighter gibt es quasi zum Anfassen.

Eingebettet ist das alles in ein von der Bühne aus gestaltetes Programm, das um 9:15 Uhr mit einem ökumenischen Feldgottesdienst beginnt. Vor der Bühne ist auch der beste Platz, um die Live-Ansprache von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu sehen, die wohl in Augustdorf bei einem der 15 anderen „Tagen der Bundeswehr“ präsent sein wird.

626 Personen werden an diesem 10. Juni für die militärische Sicherheit beim Triple sorgen, weitere 200 leisten Sanitätsdienst. Nimmt man alle zusammen, die an diesem Tag beschäftigt sind, kommt man auf 1.300 Akteure. Sie alle legen ihre ganze Kraft in diesen Tag, an den man lange zurückdenken wird. Mit Stolz und Zuneigung. Aber auch Wehmut und Beklemmung.

Anfahrt & Parken

Nahezu perfekt organisiert ist die Anfahrt zum Fliegerhorst. Die beste Idee ist, das Fahrrad zu nehmen. Die Fahrradparkplätze befinden sich in privilegierter Lage direkt vor der Hauptwache.

Da die Straßen für motorisierte Verkehrsteilnehmer (außer für Rettungskräfte und Zulieferer) gesperrt sind, steht entspanntem Radeln nichts entgegen. Empfehlenswert auch: mit dem Zug nach Kaufering, dann weiter mit kostenlosen Shuttlebus.

Wer eine weitere Anreise hat, sollte einen der sieben kostenlosen Großparkplätze ansteuern (Fliegerhorst Lechfeld, Landsberger Straße 3, 86836 Graben; Markt Kaufering, Bayernstraße, 86916 Kaufering; Welfenkaserne, Franz-Kollmann-Straße, 86899 Landsberg am Lech; „Stiller-Acker“, Stillerhofstraße an der B998, 86929 Penzing; Gemeinde Schwifting, Ammerseestraße, 86940 Schwifting; Firma Hirschvogel, Dr. Manfred-Hirschvogel-Straße bzw. Mühlstraße, 86920 Denklingen). Dort stehen insgesamt 165 kostenfrei nutzbare Shuttle-Busse zur Verfügung. Bereits im Bus gibt es erste Informationen und einen Lageplan des Fliegerhorsts. Die Kapazität beträgt 10.000 Besucher pro Stunde. Alle 30 Sekunden erreicht ein Bus einen der beiden Sonder-Eingänge des Bundeswehr-Geländes.

Werner Lauff

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