Der Grantler vor Landsberger Publikum

"Münchner Gwschollschädl"

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Granteln im Reinformat ist Harry Gs Markenzeichen. Im ausverkauften Veranstaltungszentrum Landsberg begeisterte er sein junges Publikum mit Häme gegen Schuhbeck, München und vegane Gutmenschen.

Landsberg – High-End-Granteln gegen München, Schuhbeck und Franken – kurz: Harry G. Der Kabarettist aus der Oberpfalz hat Meckern kultiviert. Durch Kurzvideos wurde er berühmt, seit 2013 steht er auch live auf der Bühne. In seiner zweiten Bühnenshow „Harry die Ehre“ zeigt er den treuen Fans, welche neuen Hassobjekte er sich ausgesucht hat. Dabei ist vieles gut. So gut, dass man Tränen lacht. Manches ist aber auch ein bisschen lau. Und man fragt sich, ob dem Komiker so eine lange Bühnenshow wirklich steht.

Das Veranstaltungszentrum ist rappelvoll, die Zuschauer erstaunlich jung – da macht sich Harry Gs Internetpräsenz bemerkbar. Seine Fans sind youtuber, facebooker, tinderer und whatsapper. Er selbst ist 37, sein Kostüm sind T-Shirt und Sneakers und niemals, wirklich niemals würde er ohne Hut auftreten. Gleich als erstes sucht er sich das klassische Fanopfer in der ersten Reihe – Bernd muss dran glauben. Immer wieder ist er das Vorzeige-Beispiel für alle möglichen Seitenhiebe. Bernd steckt das weg, denn schließlich darf er am Ende mit Harry G die Selfie-Manie weiblicher Fans darstellen. Selbst wenn er eigentlich gar nicht auf die Bühne will. Aber da lässt der Kabarettist seinen Charme spielen – und sogar Bernd wird weich.

Weitaus bühnenaffiner ist der MPU-Kandidat. Der outet sich freiwillig (es geht um den „Idiotentest“): Probezeit, mit 1,77 Promille auf dem Fahrrad, Lappen weg. Voller Elan springt der testerprobte Kandidat auf die Bühne. Und will gar nicht mehr runter. Harry G parkt ihn auf dem Hocker im Bühnenhintergrund. Ihr Fett weg kriegt auch Zuschauerin Kathrin aus dem Glockenbachviertel. Sie dient Harry G als lebendes Beispiel für die Joggerin in Neonklamotten, die ihren Freund zum Brunchen zwingt, wahrscheinlich sogar zum White Dinner, „dem Zahnarztsymposion am Friedensengel“. Mit seinen Fans kann er gut, beleidigend wirkt da nichts. Sein Spott richtet sich schon eher gegen die Prominenz. So immer wieder Schuhbeck, den er als Beispiel für den bayerischen „Gschwollschädl“ bringt. Und falls jemand nicht weiß, was sich hinter dem Wort verbirgt: „a fette Sau mit Einfluss.“

Spott und Häme trifft auch alles außerhalb der Oberpfalz, genauer Regensburg, Harry Gs Geburtsort. Da ist Duisburg, das „Mordor des Ruhrgebiets“. Und natürlich München. Denn geht man in Berlin feiern, kommt man erst zwei Wochen später wieder heim. In der bayrischen Landeshauptstadt hingegen „steht immer der Maximilian in der Lederhosen im Weg“, trinkt Jackie Cola und outet sich als Mischpultsimulant. Wunderbar lässt sich über böse Kohlehydrate schimpfen. Und wenn Harry G dann „vom Fußballabend mit Spinat und Böhnchen“ erzählt und – wieder mal – Schuhbeck nachäfft: „Egal was in den grünen Smoothie neikommt, Hauptsach‘ es is a bisserl Ingwer drin“, dann hat das große Klasse. Und ganz wunderbar, zum Heulen schön, seine Frankenparodie auf „Baddrig“. So schön, dass Harry G kurz selbst vor Lachen nicht mehr kann.

Auch mit der Sprache geht er gekonnt um. „Griabig“ ist das „Nirwana der Bayern“. Ein Mann mit zu wenig Bier ist „unterhopft“ und wenn einem endlich alle Modetrends egal sind, ist man im Jack-Wolfskin-Alter. Aber leider erzählt Harry G dann auch vom Unvermögen mancher Leute, wenn es um die neuen Medien geht, von WhatsApp-Nachrichten an die falsche Person, von Singlebörsen und Veganern. Das ist nett. Und genauso öde. Ein bisschen zu lang und abgenudelt, der Humor teilweise auf arg niedrigem Niveau. Was ihn da wieder rausholt? Altbewährtes. Wie zum Beispiel sein Alter Ego Alfons mit Reibeisenstimme, hashtag nofilter. Denn wenn der Emoticons als Sprachnachricht verfasst – „Bierglas, Bierglas, Bierglas, Faust, Polizei“ –, ist wieder alles gut.

Susanne Greiner

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