Kabarett: Schwarzmann mit Keks

Martina Schwarzmann beim 1.200-Jahre Festwochenende in Finning

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Martina Schwarzmann spielt nicht, sie ist echt – was sie auch in Finning vor 1.500 Zuschauern wieder mal mit Bravour bewiesen hat.

Finning – Die spielt ned Theater, die ist echt!“ Ein Zitat aus der Laudatio, als Martina Schwarzmann im vergangenen Jahr die Bayerische Sprachwurzel verliehen bekam. Und genau das ist es, was die oberbayerische Kabarettistin so erfolgreich und beliebt beim Publikum macht. Sie schaut genau hin, analysiert Alltagssituationen und sagt ihre Gedanken dazu – „staubtrocken und direkt und mitten aus dem Leben“, wie es eine Zuhörerin in Finning formulierte. Dort hat Martina Schwarzmann ihr Programm „Genau richtig“ vergangene Woche vor 1.500 Zuschauern präsentiert und damit für einen gelungenen Auftakt des Finninger 1200-Jahre-Festwochenendes gesorgt.

Schwarzmann kam nicht allein: Als Praktikanten hatte sie ihren Kollegen Stefan Kröll im Gepäck, gewissermaßen als „Keks zum Cappuccino, den keiner bestellt hat.“ Kröll, der „zweimal 24 Jahre alt ist und, wie meine Kinder sagen, geistig noch voll da“, gab kurz vor der Pause eine Kostprobe seines Könnens. Und das konnte sich durchaus sehen und hören lassen. Er nutzte die Chance und machte gleich Werbung für seinen nächsten Auftritt im November in Türkenfeld. Schwarzmann spielte deswegen nicht kürzer und versprach: „Ihr müsst auch nichts nachzahlen!“

Rotzfrech spricht die Oberbayerin Gedanken aus, die man so ähnlich vielleicht selber schon mal hatte, aber sich nicht auszusprechen getraut hat, auch weil sie vielleicht ein bisserl bös sind: Könnte nicht der Pflegedienst von der Oma in der Früh gleich auch die Kinder mitversorgen? Dann müsste die Mama nicht so früh aufstehen ... Die Kinder – bei Schwarzmann heißen sie konsequent minderjährige Mitbewohner – sollten eh nicht zu sehr verwöhnt werden. Das wirkt sich negativ aus, denn „eine allzu perfekte Kindheit verursacht später mal psychische Probleme“.

Wenn sie ihre Ruhe haben will, spielt sie mit ihren Kindern Verstecken: „Und dann such ich sie einfach ned!“ Von allzu viel Putzerei im Haushalt rät Schwarzmann ab: „Tolerant sein ist ein Gewinn an Lebensqualität, drum ruhig den Dreck tolerieren!“, lautet ihr Tipp. Dreck sieht sie zum Beispiel, wenn sie auf dem Klo sitzt und das „Staubwuggerl“ (im Schwarzmannschen Slang auch „Geisterscheiße“ genannt) in der Ecke entdeckt – dann aber wieder vergisst, um es beim nächsten Klogang in etwas größerer Form wiederzufinden. „Da hab ich dann beschlossen – ich tolerier es und schau eahm beim Wachsen zua. Wie groß werden die überhaupts?“

Der Haushalt spielt eine große Rolle im Leben einer Frau, ähhm, wieso eigentlich einer Frau? Was qualifiziert eine Frau mehr zum Fensterputzen als einen Mann? Gar nichts! Der Mann soll die Fenster putzen, wenn sie ihm zu dreckig sind! Der Schwarzmann ist das egal und sie sieht den Dreck sogar positiv, weil „bei mir müassn koane schwarzen Vögel an der Scheibe pappen!“

Die Schwarzmann hat wie so viele auch eine Formularallergie, kennt die Probleme rund um den Thermomix, ist passives Mitglied beim Weiberstammtisch und hat einen Saustall im Büro, der „chronologisch gewachsen ist“. Den plant sie auch nicht zu entsorgen, denn wenn man „direkt aus dem Saustall rausstirbt, kann man sich an den Kindern rächen.“

Ihr Mann betreibt eine Biolandwirtschaft, drum weiß sie auch, dass Bio ist, „wenn alles, was man vorher gespritzt hat, jetzt durch Wissen und Arbeit ersetzt werden muss.“ Sie mag das Leben auf einem Bauernhof und braucht keine Romantik: „Bei Kerzen und Rosenblättern auf der Treppen schrei i ned juhu!“

Die Frau, die Finning kennt, weil sie gleich nebenan in Achselschwang mal einen Melkkurs gemacht hat, wäre auch gern Punkerin geworden, was sie sich aber fürs Alter aufheben will.

Martina Schwarzmann ist gern ins Finninger Zelt gekommen. Und sie klärt das Publikum auch darüber auf, warum jetzt überhaupt gefeiert werden kann. Nämlich „weil vor 1200 Jahren mal ein nerviger Mönch losgeschickt worden ist, um alle Ortsnamen aufzuschreiben“.

Die Kabarettistin weiß auch genau, was ihr Publikum hören will. Und so fühlt sich jeder wahrhaft privilegiert, weil er das Gefühl hat, die Schwarzmann kennt seine Gedanken ganz. Und spielt und singt da vorn nur für ihn, ganz allein – eben genau richtig!

Sybille Reiter

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