Der bayerische Sokrates

Kabarettistin Monika Gruber mit "Wahnsinn" in Landsberg

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Herausforderung der Lachmuskeln: Monika Gruber zeigte am Samstagabend im ausverkauften Landsberger Veranstaltungszentrum ihr neues Comedy-Programm „Wahnsinn“.

Landsberg – Wenn sie auftritt, stehen die Menschen Schlange. Tickets sind auf vier pro Person limitiert und dennoch sind sie nach wenigen Stunden weg: Monika Gruber ist eine der erfolgreichsten Kabarettistinnen Deutschlands. Gerade hat sie den Bambi in der Kategorie Comedy bekommen. Auch in Landsberg ist das Veranstaltungszentrum am Samstagabend mit 1.400 Zuschauern vollgepackt, die Schlange vor dem Eingang reichte bis zum Parkplatz. Innen sezierte Gruber den Gesundheitswahn mit derbem Humor, wetterte gegen Preußen und kreierte die bayerische Leitkultur – mit Meister Eder als „bayerischem ­Sokrates“.

Mit Hemd, Military-Muster-Hose und Glitzerturnschuhen kommt die Kabarettistin aus ihrem „Scherzbergwerk“, in dem sie für das aktuelle Programm „Wahnsinn“ getüftelt hat. Das spielt sie in Landsberg erst zum siebten Mal – und macht Notizen im mitgebrachten Textbuch. Kaum ist sie auf der Bühne, geht es los: Schnellfeuergewehr, gefühlte tausend Wörter pro Minute, mit weit aufgerissenen Augen und ausholenden Händen absolut überzeugend. Sie spricht über den Wahnsinn der Welt. Über Hunde wie den Chihuahua, „geschorene Duracellhasen auf Ritalin“. Darüber, dass man sich freut, wenn in den Nachrichten keine Bomben sondern Baustellen am Irschenberg gemeldet werden. Über die „soziale Überhitzung“ in Facebook und Co. und über die Rückentwicklung des Menschen zum Steinzeitgenossen, der auf dem Handy wischend gegen Laternenpfosten knallt: „Wenn der Kopf ein ­Depp ist, muss der Körper büßen.“

Gleich schwenkt sie zu den Preußen, den „Deutschen mit teilevangelischem Migrationshintergrund“. Die überfallen Grubers geliebte Heimat Erding. Denn die einzige Krankheit, die der Preuße nicht habe, sei Heimweh. Noch viel schlimmer als Preußen sind aber die Gesundheitsfanatiker ohne Gluten, aber mit Topinambur. Letzteres höre sich an wie aus Karl May oder dem Thermomix und werde so verehrt, „das bekommt noch einen eigenen Feiertag“. Habe man sich früher vor dem Russen gefürchtet, fürchte man sich jetzt vor dem Weißmehl. Besonders gerne hat sie die „Veganer Stufe acht, die essen nichts mehr, was einen Schatten wirft“. Sie stellt die Frage, ob Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben dürfen und was sie bei der Heiligen Kommunion sagen. Vielleicht „Nein, ich will keinen Leib Christi, aber vielleicht haben’s mir a Stückerl Dornenkrone.“

Die 46-jährige Monika Gruber ist auf dem Bauernhof aufgewachsen. In Tittenkofen, Oberbayern. Daher ihr tiefes Bayerisch, das auf der Bühne gerne gschert wird. Und auch, wenn sie zurecht gegen den Abiturwahn wettert, sie hat es und wurde Fremdsprachensekretärin. Worte liegen ihr. Und deshalb schmiss sie den Job, ging auf die Schauspielschule. Seit 2004 tourt sie mit Comedy-Soloprogrammen, ist im Fernsehen und Kino zu sehen. Das aktuelle Programm zeigt sie in Bayern und in Österreich. Und in Stuttgart. Da scheint aber die Grenze zu sein, zumindest gibt es bisher keine Termine im höheren Norden. Eben doch eine Sprachbarriere.

Die Heimat ist ihr wichtig. Und eine bayerische Leitkultur fände sie hilfreich. Die beruht auf den Philosophen Meister Eder als Sokrates, Monaco Franze als Verkünder der Teilzeitromantik und Franz Beckenbauer. In Grubers Bayern werden Barbie und Ken zu Hermann und Maria. Sie lebt „barock-hedonistisch“ mit ­Brezn und Weißbier und bei Entgiften denkt sie an Roundup gegen Unkraut. Stammtisch ist ihr wichtig, denn der hilft gegen das Übel der Welt, die Vereinsamung. Und gegen den Burnout, „die Orangenhaut der Seele“. Dagegen wirkt aber auch Kalsarikännit. Das ist Finnisch und bedeutet ein Drink, zuhause, in Unterhose.

Das alles ist wunderbar unterhaltsam und lässt das Zwerchfell flattern. Ein unbeschwerter Abend. Fast. Denn auch über Flüchtlingspolitik wettert Gruber. Sie spricht von „Diktatur der Toleranz“ und dass man immer so schnell in die rechte Ecke geschoben werde. Sie will, dass „ihre Angst ernstgenommen wird“. Gern. Aber wer sagt, dass „ein Großteil der Asylbewerber seine Identität absichtlich vernichtet“ hat und andere Generalisierungen aus der „rechten Ecke“ vor ausverkauften Zuschauerhallen von sich gibt, sollte sich nicht wundern, in die „rechte Ecke“ geschoben zu werden. Webseiten wie „Deutsche Ecke“ (Reichsbürger lassen grüßen), oder „deutschelobbyinfo.com“ („für das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31.08.1939“) bedanken sich bei Monika Gruber. Und das hat seinen Grund.

Susanne Greiner

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