Wer saß wo im Taxi?

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Landsberg – Zwei Verhandlungstermine und 16 Zeugen haben noch nicht ausgereicht, zwei Fälle von gefährlicher Körperverletzung auf­- zuklären. Angeklagt ist eine 28-Jährige aus Königsbrunn, die vor dem McDonald's in Landsberg einem jungen Mann einen Becher Kaffee über den Rücken gekippt haben soll.

Wenig später ereignete sich in einer Discothek in Friedberg ein ähnlicher Vorfall: Diesmal soll die Angeklagte einer Bekannten ein Glas an den Kopf geworfen haben. 

Die beiden jungen Frauen sehen offenbar rot, sobald sie sich über den Weg laufen – angeblich wegen eines gemeinsamen Verflossenen. Am fraglichen Abend im Oktober 2012 fühlte sich die Angeklagte von der Geschädigten „durch Gesten angemacht“, wie sie vor Richterin Simone Zwiener aussagte. Es folgte eine Schubserei auf der Tanzfläche, dann flog das Glas – ob es jedoch von der Angeklagten geworfen wurde und wo genau es die andere Frau traf, das konnten alle bisher aufgebotenen Zeugen nicht eindeutig sagen.

Als die Geschädigte am nächsten Tag zur Polizei ging, war keine Verletzung erkennbar, ein Attest gibt es ebenfalls nicht. Allerdings wurde die Angeklagte schon einmal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt – weil sie in derselben Discothek ein Glas nach jemandem geworfen hatte. Das Opfer trug eine zehn Zentimeter lange Schnittwunde davon.

Viele widersprüchliche Aussagen gibt es auch im Hinblick auf den zweiten Anklagepunkt. Ende September 2012 war die 28-Jährige mit Freunden morgens gegen halb fünf bei McDonald’s in Landsberg – so viel immerhin steht fest. Auf dem Weg nach draußen traf das Grüppchen auf einen 21-Jährigen, der – ebenfalls in Begleitung von Bekannten – vor der Tür eine rauchen wollte. Eine 24-jährige Freundin der Angeklagten zog ihm die noch unangezündete Zigarette aus dem Mund.

Daraufhin gab es zunächst eine verbale Auseinandersetzung. Etwas später eskalierte das Ganze – der junge Mann bekam den Becher Kaffee über den Rücken, woraufhin er die 28-Jährige und ihre Freundin zu Boden geschleudert haben soll. Ein Taxifahrer, der zufällig auf dem Parkplatz stand, rief die Polizei.

Die 24-Jährige verweigerte vor Gericht zunächst die Aussage, behauptete dann aber, in Wirklichkeit habe sie und nicht die Angeklagte den Kaffee über dem jungen Mann ausgeschüttet. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, behauptete die Schwab­münchnerin. „Er hat uns beleidigt und beschimpft.“ Nach der Kaffee-Attacke habe sich der 21-jährige das Hemd ausgezogen, „dann ist er auf uns los gegangen“. Zuletzt saßen beide Frauen weinend und aufgelöst im Taxi. Der Fahrer sagte vor Gericht aus, dass diejenige Frau, die auf dem Platz hinter dem Beifahrersitz saß, den Becher ausgekippt habe. Die Angeklagte behauptete, „tausendprozentig“ hinter dem Fahrer gesessen zu haben.

Alle Hoffnung ruht nun auf einem Polizeibeamten, der zum nächsten Verhandlungstermin am 3. Dezember geladen werden soll. Er hatte an jenem Morgen bei den beiden Frauen einen Alkoholtest durchgeführt, als sie bereits im Taxi saßen. Am Amtsgericht hofft man, dass sich der Ordnungshüter erinnern kann, wer wo saß.

Ulrike Osman

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