Kahlschlag an der Autobahn? Radikale Pflegemaßnahmen

Viele Bürger waren entsetzt, als sie im letzten Winter den scheinbaren Kahlschlag entlang der A96 zwischen den Anschlussstellen im Landkreis beobachteten. Der Gehölzstreifen auf der Böschung wurde mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht, so zumindest sah es aus. Die Bund Naturschutz (BN) Kreisgruppe Landsberg einen Vertreter der Autobahndirektion Süd eingeladen, bei einem offenen Treffen das dahinter stehende Konzept zu erläutern.

Beim BN und auch bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts waren viele Anfragen zu den Abholzungsmaßnahmen eingegangen. Auch ein Ortstermin mit Anwohnern und Vertretern aus Politik und Behörden hat stattgefunden. Man habe keineswegs „willkürlich tabula rasa gemacht“, erklärte Landschaftsarchitekt Roland Schaub, als Leiter des Sachgebiets Landschaft/Umwelt bei der Autobahndirektion für die Unterhaltung der Grünflächen zuständig. Zunächst einmal habe man mit den Maßnahmen jahrzehntelange Pflegerückstände aufarbeiten müssen. An den Autobahnen um München herum hatte man vor 30 Jahren hauptsächlich Fichten angepflanzt „und sie seitdem nie wieder angefasst“. Etliche Bäume seien im trockenen Sommer 2003 abgestorben und stellten ein Sicherheitsrisiko dar. „Wir haben die Verkehrssicherungspflicht und müssen dafür sorgen, dass keine Bäume auf die Fahrbahn stürzen“, so Schaub. Zum Teil seien Schutzzäune eingewachsen gewesen, und schließlich müssten Sicherheitsabstände von zehn bis 15 Metern zwischen Grün und Autobahnrand eingehalten werden. Man habe einen Pflege- und Entwicklungsplan für die Strecke aufgestellt. Die Ausführung allerdings sei an Gewerbebetriebe vergeben worden, weil die Autobahnmeistereien weder das erforderliche Personal noch die notwendige Ausrüstung besitzen. „Auch, wenn es im ersten Moment radikal aussieht, wir haben nicht gerodet, sondern den Bestand nur auf den Stock gesetzt“, betonte Schaub. „Prägende Einzelbäume“ seien stehen geblieben. Die übrigen Gehölze würden wieder austreiben, außerdem werde eine Naturverjüngung einsetzen, wie es im Raum München jetzt schon zu beobachten sei. Dort haben die Pflegemaßnahmen schon vor einigen Jahren begonnen. Dass die Gehölze auch eine Lärmschutzfunktion gehabt hätten, bestritt Schaub. „Das ist lediglich ein psychologischer Effekt: Lärm, den ich sehe, höre ich auch stärker.“

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