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Kaltenberg: PULS-Stillstand wegen Personalmangel

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Von: Dieter Roettig

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PULS Absage Kaltenberg 2022
Man sieht es an ihren Mienen. Die den Campingplatz verlassenden PULS-Besucher waren vom abrupten Aus alles andere als begeistert. © Roettig

Kaltenberg – Es war wie die Vertreibung aus dem Paradies, doch den Sündenfall hatten andere begangen. Viertausend junge PULS-Besucher mussten am Freitag-Vormittag den Campingplatz vor dem Kaltenberger Festival-Gelände vorzeitig verlassen.

Aus Sicherheitsgründen wegen zu wenig Ordner hatten die Veranstalter das abrupte Aus beschlossen und den Besuchern über soziale Dienste wie Instagram mitgeteilt. Den Schwarzen Peter schiebt die veranstaltende Amont Gastro GmbH dem engagierten Ordnungsdienst zu. Der sah sich wegen erheblicher Personalausfälle in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht in der Lage, das Sicherheitskonzept mit der vereinbarten Anzahl an Ordnern für die folgenden Tage gewährleisten zu können.

Noch in der Nacht wurde eine Krisensitzung einberufen, an der neben dem Veranstalter die PULS-Projekt- und Redaktionsleitung des Bayerischen Rundfunks, Polizei und Feuerwehr sowie Geltendorfs Bürgermeister Robert Sedlmayr teilnahmen. Dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt sagte er: „Wir haben die ganze Nacht leider ohne Erfolg gerungen. Das schließlich entworfene Ausstiegsszenario wurde um 5.30 Uhr morgens umgesetzt.“

Sofort wurden sämtliche Zufahrten und Eingänge zum Kaltenberger Festivalgelände von Polizeikräften abgesperrt. Auf dem voll besetzten Campingplatz herrschte zunächst Ratlosigkeit, bis die ersten mit dem Abbau ihrer Zelte begannen. Kaltenberg sollte für drei Tage ihr Paradies werden mit Musik von Casper, Juju, Von wegen Lisbeth oder Easy Life. Davon war bei der Hektik des Aufbruchs nichts mehr zu spüren. Der erhoffte PULS-Schlag nach der zweijährigen Pandemiepause war erloschen.

Julia (19) und ihre Freundin Sandra (21) aus Bamberg verließen wie viele andere mit ihren Trolleys wutentbrannt das Gelände: „Für uns ist PULS gestorben. Wir glauben nicht, dass sich das Festival von dieser Pleite erholen wird. Wir hoffen nur, dass wir schnellstmöglich unser Geld zurückbekommen.“ Je einhundert Euro hatten sie im Vorverkauf bezahlt. Die Festival-Leitung versprach, das Handling der Rückerstattung sehr zeitnah zu kommunizieren.

Ganz anders reagierten Benedikt Herrmann aus Utting und Philip Becker aus Türkenfeld beim Verlassen des Campingplatzes. Sie hatten sich hier mit einer Clique von rund 30 Leuten für drei tolle Tage verabredet. „Wir wurden heute morgen um 8 Uhr über Instagram informiert, dass wir abbauen und den Zeltplatz zügig verlassen sollen. Begeistert waren wir nicht, aber Sicherheit geht nun mal vor. Jetzt warten wir auf unsere Abholer.“

PULS Absage Kaltenberg 2022 Jungs
Ließen sich trotz Abbruch die Stimmung nicht verderben: Benedikt Herrmann (links) aus Utting und Philip Becker aus Türkenfeld beim Verlassen des Campingplatzes. © Roettig

BR-Pressesprecherin Julia Perz war nicht zu beneiden. Unentwegt klingelte ihr Handy, weil Medienvertreter die Absage wegen fehlender Ordnungskräfte nicht glauben wollten: „Waren vielleicht doch Corona, Drogen oder gar eine Bombendrohung schuld?“ Julia Perz musste diesbezüglich immer wieder verneinen und Entwarnung geben. Sie verwies auf BR-Projektleiter Andy Barsekow. Der betonte, den Konzertbetrieb mit einer unzureichenden Anzahl an Sicherheitskräften durchzuführen, wäre unverantwortlich. Zumal mit ca. 11.000 die meisten Besucher erst am Freitag und am Samstag kämen.

Wibke Heise, die stellvertretende Pressesprecherin des Bayerischen Rundfunks, ergänzt: „Leider hat es früher im Eventbereich immer wieder schwere Zwischenfälle durch Gedränge, Unwetter oder andere Vorfälle gegeben. Dieses Risiko konnten wir nicht eingehen vor dem Hintergrund, dass für Freitag und Samstag nicht genügend Sicherheitspersonal zur Verfügung gestanden hätte.“ Der BR sei der Medienpartner der Veranstaltung und kümmere sich um die in inhaltliche Ausrichtung und Programmgestaltung. Für Ablauf und Organisation sei der Veranstalter, also die Amont Gastro, verantwortlich. Das vom BR erstellte Sicherheitskonzept konnte der nicht umsetzen.

Von den auftretenden Künstlern meldete sich inzwischen Antje Schomacker über soziale Medien zu Wort. Sie betont, dass das PULS Open Air keine Schuld treffe. Genügend Ordnungskräfte waren zugesagt. Leider aber hätten viele Fachkräfte, die früher bei solchen Veranstaltungen gearbeitet haben, wegen Corona aus der Not heraus ihren Job gewechselt: „Lasst uns doch hier gegenseitig mit Freundlichkeit und Verständnis begegnen. Ich bin auch enttäuscht, dass ich morgen nicht auf der Bühne stehen kann. Aber das hier an PULS rauszulassen, ist nicht fair.“

Bereits am Donnerstag war um 13 Uhr wegen starker Regenfälle der Festival-Auftakt unterbrochen worden. Dass dann am Freitag bei blauem Himmel und Schäfchenwolken Schluss war, kommentierten viele Besucher beim Verlassen des Campingplatzes nicht mit Freundlichkeit, sondern mit bayerischen Kraftausdrücken.

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