Neues Leben auf der Zaunfabrik

Kaltenberger Industriebrache soll naturnahes Wohngebiet werden

Areal der einstigen Zaunfabrik in Kaltenberg
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Die Euroboden GmbH will dem Areal der einstigen Zaunfabrik in Kaltenberg neues Leben einhauchen.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Kaltenberg – Jahrelang hat das Gelände der ehemaligen Zaunfabrik Zimmermann in Kaltenberg brach gelegen. Nun gibt es große Pläne, das Areal zu entwickeln. Ein Immobilienunternehmen aus Grünwald hat die knapp 3,5 Hektar gekauft und möchte hier Wohnraum und Büros schaffen, wobei bestehende Fabrikgebäude erhalten bleiben sollen. Die Gemeinde und das Unternehmen wollen die Bürger in das Projekt einbinden. Am kommenden Sonntag kann das Gelände im Rahmen eines „Tages des offenen Zauns“ besichtigt werden.

Neuer Eigentümer ist die Euroboden GmbH, eine laut Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) „sehr renommierte, international preisgekrönte Immobilienfirma“, die das Gelände „behutsam und im Einklang mit der Umgebung“ entwickeln wolle. Man strebe eine langfristig ökologische und sozial nachhaltige Bebauung an, bei der nicht eine „maximale Wohnraumschaffung“ im Vordergrund stehe.

Vorhandene Bausubstanz wie die ehemalige Werkhalle und ein Bürogebäude sollen umgenutzt und weitergebaut werden. So solle eine naturnaher Lebensraum für Menschen verschiedensten Alters entstehen, der auch Flächen für Arbeiten, Sport, Kinderbetreuung und gemeinschaftliches Zusammenleben umfasse. „Das Konzept ist sehr gut“, befindet Sedlmayr im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

Im Geltendorfer Gemeinderat wurde bisher nur nicht-öffentlich über das Projekt gesprochen. Ein erster städtebaulicher Vertrag mit der Euroboden ist aber bereits unterschrieben. Dieser soll eine Grundlagenpla­nung ermöglichen und sicherstellen, dass der Gemeinde keinerlei Kosten entstehen. Sedlmayr legt Wert auf die Feststellung, dass man mit dem Vertrag keine Verpflichtung eingegangen sei, ein Bauleitverfahren einzuleiten beziehungsweise abzuschließen.

Böse Überraschungen?

Auf ihre übliche Praxis, bei der Schaffung neuen Baulands selbst die Hälfte der Fläche anzukaufen, verzichtet die Gemeinde in diesem Fall. Grund ist, dass im Boden der Zaunfabrik böse Überraschungen schlummern könnten. Man vermutet erhebliche Altlasten durch die Kesseldruckimprägnierung, die im Holzverarbeitungsbetrieb Zimmermann angewendet wurde. Im schlimmsten Fall wären die wirtschaftlichen Folgen für die Gemeinde unabsehbar, so Bürgermeister Sedlmayr. Dafür, dass der Immobilienentwickler nun das gesamte Gelände bekommt, werde er sich „vollumfänglich“ an den entstehenden Infrastruktur- und Nachfolgekosten beteiligen.

Der Gemeinde ist es wichtig, bei diesem Projekt die Bürger mitzunehmen. Sedlmayr fordert dazu auf, ihm bis zum 10. Oktober persönlich oder schriftlich per E-Mail Meinungen und Anregungen mitzuteilen. Ihn interessiert, wie die Bürger zu dem Projekt stehen, was ihnen bei einer möglichen Bebauung wichtig ist, welche Gemeinschaftseinrichtungen entstehen sollten, welche Bedenken sie möglicherweise haben und welche Form der weiteren Beteiligung sie sich wünschen.

Mit Bahnhof?

Ein Thema, das im Zuge der Bürgerbeteiligung aufkommen dürfte, ist die zu erwartende steigende Verkehrsbelastung an der schon jetzt stark befahrenen Kreuzung der Walleshausener Straße mit der Staatsstraße 2054. Sedlmayrs Überlegungen gehen aber auch in eine andere Richtung, nämlich zu einer möglichen Reaktivierung des 1985 stillgelegten Kaltenberger Bahn-Haltepunkts. Das neue Wohngebiet würde im Osten an die Bahnlinie Augsburg-­Weilheim angrenzen, der Bahnhof wäre nur einen Steinwurf entfernt. Es müsste allerdings ein neuer Bahnsteig auf der Westseite des Gleises geschaffen werden.

Tag des offenen Zauns

Euroboden selbst will auch mit den Bürgern ins Gespräch kommen. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, aus der innerdörflichen Industriebrache könne ein Vorzeigeprojekt für die Region und den ländlichen Raum werden. Um über die aktuellen Planungen zu informieren und gemeinsam weitere Ideen zu entwickeln, sind die Gemeindebürger am kommenden Sonntag, 19. September, zu einem „Tag des offenen Zauns“ eingeladen.

Neben der Vorstellung des umfangreichen Projekts und Führungen über das Werksgelände (14.30 und 16 Uhr) werden Euroboden-Geschäftsführer Stefan Höglmaier, Architekt Alexander Tochtermann und Alexander Milley, ehemaliger Eigentümer der Zimmermann-Holzwerke, für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehen. „Die Bürgerinnen und Bürger und auch die Kinder haben Gelegenheit, ihre Vorstellungen und Anregungen für die zukünftige Entwicklung des Areals mit einzubringen“, verspricht das Grünwalder Unternehmen. Für die Kinder gibt es um 15.30 und 16.30 Rundgänge über das Gelände sowie ein durchgehendes Malprogramm mit anschließender Ausstellung.

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