Mozart im Grünen

Kammermusik in Landsberg – als Sommer-Soirée im Säulenhof

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Klassische Musik mit Vogelstimmen: 100 Zuhörer genossen die Sommer-Soirée 1 im Säulenhof des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals mit den Musikern des Gärtnerplatztheaters.

Landsberg – Mozart und Schwalbenrufe vertragen sich bestens. Und auch, wenn ab und zu aus der Stadt die Geräusche zu stark motorisierter Wagen in den Hof dringen oder die Uhr der Heilig-Kreuz-Kirche in den Klang der Klassik grätscht: Der Säulenhof zeigt sich bei der Sommer-Soirée 1 am Montagabend in Hochform: hervorragende Musiker, einmaliger Klang, laue Sommerluft – insgesamt ein im besten Sinne erhebender Abend. Und noch ein Vorteil: Auch wer zu spät kommt, darf noch rein.

„Endlich“ ist wohl eines der Worte, das an diesem Abend am häufigsten fällt. Endlich wieder Kultur, endlich wieder ein Klassikkonzert aus der Reihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“. Kreidepunkte zeigen die abstandssicheren Standorte der Zuhörer. Eineinhalb Meter messen Musiker gerne mit einem Kontrabass, wie das „Bitte Abstand halten“-Plakat am Eingang zeigt. Bis zum Kreidemal muss Maske getragen werden, dort darf man sie ablegen.

Viele haben Stühle mitgebracht, andere sitzen auf Jacken auf dem Boden. Und dann kommen die Musiker. Den Anfang machen Cellist Clemens Weigel und Fagottist Cornelius Rinderle mit Mozarts Sonate B-Dur: ein Stück passend zur Stimmung: leicht, nicht zu ausgelassen, gediegen glücklich – von Mozart in München komponiert. Und ein Stück, in dem das Cello dem Fagott dient. Rinderle überzeugt mit samtenem Ton und gestochenen Staccato-Läufen. Und der Säuelnhof zeigt, wie gut er als Klangraum geeignet ist: „Es funktioniert sogar, wenn nur zwei Musiker spielen“, sagt Organisator Franz Lichtenstern. Der ist hier zum letzten Mal in einem Konzert gewesen, als er acht Jahre alt war – mit seiner Blockflöte.

„Ich war die ganze Woche nur mit Absagen beschäftigt“, sagt Lichtenstern. Über 160 Personen hätten sich angemeldet, nur 100 durften in den Hof. Auch wenn an diesem Tag eigentlich 200 zugelassen gewesen wären. Aber das Ordnungsamt sah „bauliche Gegebenheiten“ und blieb bei 100. Die Organisation war Arbeit, „auch Steckdosen zu finden, ist hier eine Herausforderung“, lacht Lichtenstern.

Nach Mozart erklingt Louis Spohrs Nonett in F-Dur: neun solistische Stimmen, die Mozart antizipieren – als Mozart 1791 stirbt, ist Spohr sieben Jahre alt –, aber auch schon erste Schritte in die Romantik wagen. Das fällt vor allem in der Harmonik und Stimmführung des zweiten Satzes auf: Ein düsterer Beginn wandelt sich aufsteigend zu Dur. Ein Dreivierteltakt zitiert den Volkstanz Ländler. Und in den Trios musizieren Streicher und Bläser getrennt, bevor sich die Streicher mit Viertelnoten alias basso continuo wieder bei den Bläsern einschleichen.

„Ich bin ein Feind der kostenlosen Konzert“, sagt Lichtenstern. Qualität müsse anerkannt werden. Weshalb die Zuhörer bei freiem Eintritt die Spendentöpfchen am Ausgang gerne füllen. Zwei weitere Konzerte sind im Säulenhof geplant, die genauen Termine und Programme gibt es unter www.kammermusik-landsberg.de.
Susanne Greiner

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