Mit Luzie und den Chemorittern gegen den Krebs

Kampf gegen den Krebs - Spendenaktion für den vierjährigen Jerome aus Kaufering

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Keine Haare wegen der Chemo: Der vierjährige Jerome (2. von links) leidet an Krebs, Vater Mario, Mutter Irina und der ältere Bruder Jeanero kämpfen mit ihm. Die Gemeinde Kaufering ruft jetzt zu einer Spendenaktion auf.

Kaufering – Jerome ist im zweiten Kindergartenjahr. Sein Bruder Jeanero geht schon in die erste Klasse. Mama Irina ist Rechtsfachwirtin, Papa Mario arbeitet als selbstständiger IT-Berater und ist Hausmann, passt also auch auf die Kinder auf. So sah das Leben der Familie Wiegert aus Kaufering bis Ende letzten Jahres aus. Doch dann wird bei dem vierjährigen Jerome Krebs festgestellt. Die Diagnose stellt das Leben der Familie auf den Kopf. Und bringt sie an ihre Grenzen, auch finanziell. Die Marktgemeinde Kaufering mit Bürgermeister Thomas Salzberger ruft nun zu einer Spendenaktion auf. Um Familie Wiegert zumindest die finanziellen Sorgen abzunehmen.

Das bei Jerome diagnostizierte Burkitt-Lymphom zählt zu den am schnellsten wachsenden Tumorarten. Es gehört zu den Non-Hodgkin-Lymphomen und wird auch als Lymphdrüsenkrebs bezeichnet, obwohl allgemein Zellen des lymphatischen Systems und der Organe befallen sind. Die Tumore treten vor allem in den Organen des Bauchraums und an Kiefer und Hals auf.

Jeromes erstes Symptom sind Bauchschmerzen. Der Kinderarzt macht ein Ultraschall – und schickt die Wiegerts gleich in die Kindernotaufnahme nach Augsburg. Nach einer Sonographie ist klar: Jerome hat Krebs. Und wird gleich in der Kinderkrebsstation aufgenommen, wo mittels Biopsie das Burkitt-Lymphom bestätigt wird. „Wir haben uns gefragt, was haben wir falsch gemacht“, erinnert Mario seine Reaktion auf die Diagnose. Obwohl am Anfang einfach nur der Schock gestanden habe, ein Loch, in das er und seine Frau immer tiefer gefallen seien.

Das Stadium T4 Hochrisikogruppe, das bei Jerome diagnostiziert wird, ist das letzte. Es besagt, dass es maligne Tumore bereits in allen Größen gibt und sich bereits Metastasen gebildet haben. „Wir haben selber gesehen, wie der Krebs von Tag zu Tag bei jeder Sonographie mehr Raum im Körper gewinnt. Er hat bereits die linke Niere in Beschlag genommen; und von den Leisten angefangen frisst er sich im Körper weiter und ist schon am Zwerchfell angekommen“, formuliert Mario in einem Schreiben, in dem er Jeromes Geschichte zusammengefasst hat. Deshalb ist bei Jerome die aggressivste Form der Chemotherapie, also die tägliche Verabreichung von Zytostatika, Zellgiften, über mindestens 20 Wochen notwendig. Oder wie Mario schreibt: „die Wasserstoffbombe“. Die Ärzte prophezeien den Wiegerts ein „schweres, hartes Jahr“.

Jeromes Nierenfunktion ist eingeschränkt. Und sein Immunsystem durch die Chemo sozusagen nicht mehr existent. Und dann kommt auch noch die Corona-Pandemie hinzu, eine weitere Gefahr für das marode Immunsystem des Vierjährigen. Die Familie begibt sich in komplette Isolation: keine Freunde mehr, kein Besuch, der siebenjährige Jeanero ist mit Mario zuhause, bekommt Home-Schooling; Irina geht nicht mehr zur Arbeit, sondern bleibt bei Jerome im Krankenhaus, während er stationär die Chemo bekommt. Zwei Fulltime-Jobs.

Mario baut das Gäste-WC zu einem zweiten Bad um: Jeromes Bad, damit er nicht mit Bakterien und Viren der anderen in Berührung kommt. „Das ist auch etwas, das so schwierig ist: dass wir ihn momentan so stark schützen müssen. Wir sind eigentlich zusammen, aber müssen trotzdem getrennt leben“, sagt Mario. Jerome darf sich nicht stoßen, darf nichts anfassen. „Und das wird voraussichtlich auch noch eine ganze Weile so bleiben.“

Eine Kindergeschichte, in der Prinzessin Luzie und die Chemo-Ritter mit einem Holzschwert gegen die bösen Krebs­zellen kämpfen, hilft den Wiegerts, ihrem Sohn die aggressive und schmerzhafte Behandlung zu erklären. Dennoch fragt er irgendwann: „Mama, muss ich sterben?“

Es folgen weitere Chemo­blocks. Vor jeder muss die Familie zustimmen, dass ihrem Kind Giftstoffe verabreicht werden. Gifte, die die besonders schnell wachsenden Krebszellen zerstören. Aber eben nicht nur diese, sondern auch die der Schleimhäute. Jeromes Unterlippe ist komplett offen. Um die Läsionen zu behandeln, wird mit einer Lasertherapie begonnen. Dafür muss Jerome eine Sonnenbrille tragen. Der große, orangene Stofftiger an seiner Seite bekommt zur Sicherheit auch eine auf die Schnauze.

Nach der Chemo

„Die Chemo ist jetzt vorerst zu Ende“, sagt Mario. Jerome ist zuhause und erholt sich, langsam. Jetzt geht es darum, die Folgen und Nachwirkungen der Therapie zu heilen. Aber mit den Lebenshaltungskosten wird es langsam schwierig – Jeromes Pflege und das Home-Schooling von Jeanero sind immer noch zwei Vollzeit-Jobs. Auch Darlehen müssen die Wiegerts bedienen. Es sei ein Luxus, so viel Zeit mit den Kindern verbringen zu dürfen, sagt Mario. „Aber eine Quarantäne muss man sich auch leisten können.“

Ein guter Freund der Wiegerts, der auch im Kauferinger Gemeinderat sitzt, spricht mit ihnen über eine Spendenaktion mit Hilfe der Gemeinde. Auch Jeromes Betreuerin vom Kinderhospiz unterstützt das: „Nehmen Sie die Hilfe an. Sie werden von der Gesellschaft getragen. Und viele Menschen tragen gerne.“ Ja, in finanzieller Sicht könne man sie unterstützen, sagt Mario. Es wäre schön, die Finanzen vergessen zu können. „Alles andere, die Trauer, das Leid, die Ungewissheit, müssen wir selber tragen.“

Jerome, der kleine Junge mit einem nahezu nicht mehr existenten Immunsystem, habe auch Wünsche. „Er möchte so gerne das Meer sehen“, erzählt Mario. Da war Jerome noch nicht. Der Vierjährige würde auch so gerne mal in die Berge. Aber wie soll das möglich sein, in völliger Abkapselung? Einfach ein Hotel buchen, ist nicht drin.

Ob eine weitere Chemo nötig ist, weiß jetzt noch niemand. „Die Ärzte können uns keine Aussichten geben“, meint Familienvater Mario. „Wir leben jetzt von Tag zu Tag.“ Sollte Jerome Fieber bekommen, müssen sie sofort wieder in die Klinik. Gepackte Koffer stehen bereit. Aber sie alle haben Hoffnung und den Willen zu kämpfen. Mit Prinzessin Luzie, dem Holzschwert, Jeromes Lebensfreude und massenhaft Liebe.
Susanne Greiner

Spendenkonto und Blog

Die Familie Wiegert hat ein Spendenkonto eingerichtet:

IBAN: DE11 7005 2060 0022 6503 29;

Empfänger: Jerome Wiegert;

Verwendungszweck: Spende Jerome.

Zahlung via Paypal unter: www.paypal.me/jetztlebenjerome.

Und es gibt einen Blog über Jerome: www.jetztlebenjerome.de.

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