Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten

Kampf um faire Milchpreise im Landkreis Landsberg

Milchbauern und Politiker
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Milchbauern und Politiker im Staatsgut Achselschwang: Michael Kießling, Carmen Wegge, Hermann Dempfle, Simone Ketterl, Hans Foldenauer, Hans Leis, Gabriele Triebel, Rasso Rebay von Ehrenwiesen, Birgit Kerckhoff und Michael Friedinger (von links).
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Landkreis – Bayerns Milchbauern haben es satt, als „Subventionsabgreifer“ beschimpft zu werden, weil sie von Steuergeldern abhängig sind. Die dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) angeschlossenen Landwirte kämpfen daher vehement für faire Marktbedingungen, um einen Vollkosten deckenden Milchpreis zu erzielen.

Mit 50 Cent pro Liter Milch könnten sie ohne Zuschüsse ihr Einkommen über ihre Arbeit und ihr Produkt erwirtschaften. Von den Politikern fühlen sich die Landwirte nur mangelhaft vertreten, „weil die mehr mit Molkereien und der Milchindustrie reden anstatt mit uns.“ Ein Vorwurf, den der Bayerische BDM-Landesvorsitzende Hans Leis zu Beginn der Podiumsdiskussion im Staatsgut Achselschwang in den Ring warf. Antworten erhofften sich rund 40 Milchbauern aus der Region von den Bundestag-Direktkandidaten des Wahlkreises Landsberg-Starnberg-Germering: Michael Kießling (CSU), Carmen Wegge (SPD), Rasso Rebay von Ehrenwiesen (Freie Wähler) und Simone Ketterl (Die Linke). Martina Neubauer (Bündnis 90/Die Grünen) wurde von der Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel vertreten und Britta Hundesrügge (FDP) von der Landsberger FDP-Vorsitzenden Birgit Kerckhoff. Der Landsberger BDM-Chef Hermann Dempfle war hocherfreut, dass Michael Kießling an der Runde teilnahm und dafür einen anderen, bereits zugesagten Termin sausen ließ: „Eine Bauernversammlung ohne die CSU geht schließlich gar nicht.“

Kießling, der seit vier Jahren den Wahlkreis in Berlin vertritt, zeigte Verständnis für die Nöte der Landwirte, die mit Düngemittelverordnung, Tierwohl, Artenschutz, Baugesetzen, immer mehr Auflagen und Bürokratie einen steten Kampf gegen Windmühlen führen müssten. „Wegen zu viel Umweltschutz darf der Bauer nicht zum Landschaftsgärtner der Nation werden“, warnte er. Birgit Kerckhoff wunderte sich, dass Landwirte bei Kauf und Einsatz von Düngemitteln Sachkundenachweis und Dokumentation brauchen, private Kleingärtner aber Dünger und Gifte wie Schneckenkorn problemlos im Baumarkt kaufen könnten. Carmen Wegge sprach die Hoffnung aus, dass in der nächsten Bundesregierung das Landwirtschaftsministerium von der SPD besetzt wird und ein „Milchpreiskorridor“ auf europäischer Ebene zustande kommt. Und sie forderte eine bessere Auszeichnungspflicht: „Milch aus Polen, die man in Rosenheim abfüllt, darf nicht als Alpenmilch verkauft werden.“ Simone Ketterl will eine Gegenstrategie zur Marktmacht der Molkereien und Handelsketten entwickeln. Der Gegensatz „Landwirtschaft und Umweltschutz“ müsse überbrückt werden. Als Lösung für das finanzielle Dilemma vieler Bauern schlug Rasso Rebay von Ehrenwiesen mehr Direktvermarktung über Hofläden und Märkte vor. Gabriele Triebel schloss sich an und forderte in bayerischen Kantinen nur Milch und Milchprodukte von heimischen Kühen.

Einig waren sich alle Kandidaten beziehungsweise ihre Vertreter darüber, dass die Milchbauern eine bessere Marktstellung gegenüber den Molkereien brauchen. Sie dürften nicht länger in einem „Ausbeuteverhältnis“ mit der Drohung erpresst werden, „dann kaufen wir eben Milch aus dem Ausland“.

Im Jahr 2020 erhielten die deutschen Milchbauern im Durchschnitt 32,84 Cent pro Liter von den Molkereien. Vergleicht man dies mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, bekamen konventionelle Betriebe etwa 0,8 Cent mehr als in den Vorjahren. Diese Preise decken aber nicht die Vollkosten der Produktion von knapp 43 Cent. Ohne Zusatzeinnahmen wie „Ferien auf dem Bauernhof“ oder Holzverkauf könnten viele Höfe nicht gehalten werden, wie BDM-Vorsitzender Hans Leis betonte. Es dürfe nicht sein, dass Landwirte ihre Lebensversicherung verkaufen, um die Höfe zu halten und Bankkredite zu bedienen.

Moderator Hans Foldenauer forderte in seinem Schlusswort „ein mutiges nächstes Parlament“, das sich mehr um die Belange der Milchbauern kümmert. Der BDM sei ein Verband, der nicht nur meckere, sondern Lösungsansätze aufs Tablett bringe wie die „Sektorstrategie 2030“. Zielsetzung sei, die Abhängigkeit der Milchviehhalter von Steuergeldern zu reduzieren und mehr Wettbewerb um die Rohmilch zu ermöglichen. Denn die Milchbauern mit ihrer schwachen Marktstellung trügen beim gegenwärtigen Preisfindungssystem „upside down das allgemeine Marktrisiko alleine“.

Kandidatin Simone Ketterl sprach aus, was die meisten ihrer Mitbewerber auf dem Podium dachten: Der Abend sei für sie „eine Lehrstunde“ gewesen. Falls sie den Sprung nach Berlin schaffe, werde sie sich für die Belange der Milchbauern einsetzen. Dem schlossen sich die anderen Bewerber an. Auch Michael Kießling, der mit seinem Veranstaltungsformat „Politik trifft Landwirtschaft“ aber schon lange im Dialog mit den Bauern steht. Ob auf der Schatzbergalm in Dießen oder direkt auf Höfen wie Scheitz in Andechs oder Schuster in Hofstetten sucht er mit kompetenten Gästen wie Ministerin Michaela Kaniber Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft – gemäß der Aussage im gemeinsamen Wahlprogramm von CSU und CDU, dass man die Landwirtschaft „verlässlich beim ökologischen Wandel begleiten werde“.

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