"Da wurde Schindluder getrieben"

Seltsame Kanalabzweige in der Apfeldorfer Hauptstraße

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Unsachgemäße Kanalabzweigungen in der Apfeldorfer Hauptstraße.

Apfeldorf – Der Kanal in der Hauptstraße in Apfeldorf ist in einem miserablen Zustand. Dies berichtete Ingenieur Wolfgang Buchner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Mit etwa 147.000 Euro kann die Gemeinde jedoch relativ günstig davonkommen, da die Arbeiten im Rahmen der Straßensanierung durch das Staatliche Bauamt geschehen soll.

Buchner brachte bei seinem Besuch keine besonders guten Nachrichten für die Apfeldorfer mit – und auch ein wenig Schelte. Bei der Untersuchung kam zwar heraus, dass der obere Bereich – also zwischen dem alten Raiffeisen-Lagerhaus und dem Schelmengraben – relativ leicht zu machen sei: Hier könne man die Schäden per Roboter beseitigen. „Der Rest bis zur Kurve unten aber ist schlichtweg eine Katastrophe“, sagte Buchner. Zum Teil durch falsche Dimensionierung, zum Teil durch Raubbau.

So sei im Bereich des Lagerhauses eine Rohrreduzierung von 600 Millimeter auf 500 Millimeter eingebaut. Und das bedeutet: Die Abflussleistung wird an der Stelle von rund 900 auf 600 Liter pro Sekunde gedrosselt. Hier besteht Handlungsbedarf, nachdem die Apfeldorfer ohnehin starke Probleme bei Starkregen haben.

Dann führte Buchner ganze 21 nicht sachgerecht durchgeführte Abzweige bei Hausanschlüssen auf und belegte dies auch mit Fotos. „Da wurde einfach Schindluder getrieben“, sagte er. Zum Teil habe man das Kanalrohr einfach aufgeschlagen und das eigene Rohr reingesteckt. Dann aber teilweise bemerkt, dass man den Abzweig gar nicht braucht. Und das Loch einfach mit einer Eisenplatte oder Beton wieder verschlossen. Das Problem: So entstanden im Rohr Versatz und Hindernisse – was unter anderem zu einem Rückstau führt. Buchner: „Hydraulisch ist das eine Katastrophe, das zieht sich bis runter zur Kurve.“

Zu allem Ärger konnten die Kameras bei der Untersuchung eine feine Rissstruktur dokumentieren, die sich zum Teil durch die Rohrsegmente durchzieht. „Das ist statisch bedenklich“, sagte Buchner.

Doch die Gemeinde, so Buchner, könnte so billig wie nie davonkommen, wenn dies in Abstimmung mit der Straßensanierung durch Straßenbauamt geschehe: Denn die Hauptstraße ist Teil der Staatsstraße. Im Rahmen dessen schätze er die Kosten für die Gemeinde auf 147.000 Euro brutto.

„Diese Frage stellt sich wohl gar nicht“, sagte der zweite Bürgermeister Gerhard Schmid. In der Diskussion im Gremium kristallisierte sich heraus, dass man künftig auch die Hausanschlüsse kritisch überprüfen wolle, um künftig dem Starkregenproblem zu begegnen. Und das auch in Neubaugebieten. Hier, so Buchner, könnten Rückhalteschächte eine gute Lösung sein, die das Tagwasser gedrosselt abgäben.

Peter Strommer forderte, dass dies aber dann auch tatsächlich von Sachverständigen überprüft werden müsse: „Wir wissen bis heute nicht, ob das im Esele wirklich so gemacht wurde, wenn da privat ein Schacht gebaut wurde.“ Heinrich Keller gab jedoch zu bedenken, dass das dann aus Gleichheitsgründen für das ganze Dorf gelten müsse. 

Klaus Mergel

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