Kandidat steht bereit

Detlev Großkopf, hier mit Mischlingshündin „Kim“, ist bislang einziger Kandidat für die Wahl des 1. Vorsitzenden beim Tierschutzverein Landsberg. Foto: kb

Immerhin eine gute Nachricht hat es auf der jüngsten außerordentlichen Mitgliederversammlung des Landsberger Tierschutzvereins gegeben: Nach langer Suche scheint endlich ein Kandidat für das vakante Amt des 1. Vorsitzenden gefunden: Detlef Großkopf (62). Der Finninger will sich bei der nächsten Versammlung zur Wahl stellen. Sie findet am Montag, 14. November, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Siebentisch in Landsberg statt. Ansonsten gab es unter den knapp 100 anwesenden Mitgliedern erneut viel Streit und Anfeindungen.

„Ich bin zum ersten Mal hier und muss sagen, dass sich der Verein verheerend präsentiert“, befand Steuerberater Walter Friedrich aus Landsberg. Er war beauftragt worden, die Bücher des Vereins zu prüfen, mahnte Verbesserungen bei der Kassenführung an und hatte auch noch eine schlechte Nachricht dabei. „Die Einnahmen aus Spenden und die Tierabgaben sinken seit dem vergangenen Jahr stark, man sollte sich Gedanken machen, warum das so ist. Hochgerechnet dürften zum Jahresende 30000 bis 45000 Euro gegenüber 2010 fehlen. Und das war schon ein defizitäres Jahr.“ Die Finanzen betreffend gab 2. Vorsitzende Daniela Bach allerdings Entwarnung: „Aktuell haben wir auf den verschiedenen Konten 69967 Euro liegen.“ Dank „Erbschaften und sonstiger Zuwendungen“ sei man jetzt sogar in der Lage, ein Grundstück zu erwerben. Details sollen aber erst genannt werden, wenn die Verträge unterzeichnet sind. Während anschließend einige Satzungsänderungen noch problemlos über die Bühne gingen, folgten etliche Zwischenrufe und Vorwürfe. „Kassenführung, Protokoll, Satzung – langsam frage ich mich, was hier überhaupt stimmt. Ich bin gerade erst Mitglied geworden, aber da überlege ich mir, ob ich wieder austrete“, äußerte sich etwa einer der Anwesender angesichts einiger Unstimmigkeiten über die richtigen Fassungen von Dokumen­ten. Bei der „Kandidatenrunde“ zur Vorstandswahl lagen dann zusätzlich zur Tagesordnung drei schriftliche Anträge vor, an diesem Abend sofort den Vorsitzenden wählen zu lassen. „Das ist nicht möglich, ich habe mich als Laie extra noch einmal juristisch vom Rechtsamt der Stadt Landsberg beraten lassen“, stellte Versammlungsleiter Harald Reitmeir fest. „So wichtige Dinge wie Wahlen können nach Gesetzbuch und mehreren Urteilen eindeutig nicht nachträglich auf die Tagesordnung genommen werden.“ Damit wollten sich einige Mitglieder nicht abfinden, zumal sie Daniela Bach vorwarfen, einen entsprechenden Antrag aus der ähnlich turbulenten Versammlung im Juli nicht aufgenommen zu haben. Bach und Schriftführerin Petra Gast dementierten dies. „Der Versammlungsleiter hat nur den Willen der Mitglieder auszuführen. Und der ist, dass wir trotzdem wählen. Frau Bach kann ja dann die Wahl anfechten, wenn sie den Verein noch weiter in den Abgrund treiben will“, meinte ein Mitglied sichtlich erzürnt. Reitmeirs Antwort: „Dafür werde ich mich als Versammlungsleiter aber nicht her­- geben.“ Die höchst emotionale Debatte wurde erst beendet, als ein weiteres Mitglied erklärte: „Wenn jetzt gewählt wird, ist das nicht rechtsgültig und ich werde das dann sofort anfechten. Deswegen kann man sich das auch schenken.“ Eine andere Anwesende „wunderte“ sich dann: „Ich bin Neumitglied im Tierschutzverein und stelle fest, dass es offenbar eine klare Gesetzesgrundlage gibt, an die sich hier der eine oder andere einfach nicht halten will. Da frage ich mich schon, ob ich hier richtig bin. Dieser Verein präsentiert sich unmöglich.“ Geklärt werden konnten die Vorwürfe nicht, letztlich einigte man sich nach langer Diskussion darauf, dass spätestens bis zum 15. November gewählt werden muss. Neben Versicherungsmanager Detlev Großkopf als 1. Vorsitzender wird sich Regina Kress als Schatzmeisterin zur Wahl stellen. Sie war in dieser Funktion schon einmal tätig und kann sich eine Zusammenarbeit mit dem neuen, aber auch mit dem bisherigen Vorstand „gut vorstellen“. Den Weg freimachen? Das ist nicht bei allen so. „Beenden Sie die Querelen und machen Sie den Weg frei“, forderte ein Mitglied Daniela Bach auf. „Ich habe mir diesen Posten nicht ausgesucht. Aber das wäre ein Schuldeingeständnis, das ich sicher nicht geben werde“, entgegnete Bach und sah sich dabei mit der Schriftführerin einer Meinung. Gast: „Es sind nur noch wir da, die überhaupt weitergemacht haben. Wir haben uns überhaupt nichts zuschulden kommen lassen. Und wenn wir jetzt aufhören, wird es nur noch schlimmer.“ Detlef Großkopfs Kandidatur wurde letztendlich zugelassen, auch wenn ein Mitglied die Satzung zitierte: „Vorstand kann nur werden, wer seit mindestens zwei Jahren Mitglied ist.“ Großkopf konterte: „Sie müssen schon weiterlesen. Der zweite Halbsatz heißt: ,...oder eine besondere Beziehung zum Tierschutz hat.’ Die ist bei mir schon dadurch gegeben, dass ich überhaupt kandidiere.“ Er befinde sich in passiver Altersteilzeit und wolle nun gerne etwas Karitatives oder Soziales machen, ergänzte er.

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