Die Odyssee der Wildkatze

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Die Panther-Diskussionsteilnehmer: Oberst Daniel Draken, Journalistin Karla Schönebeck, Historiker Dr. Joachim Zeller, Manfred Deiler von der Europäischen Holocaustgedenkstätte und Vorstand der Stadtwerke Norbert Köhler (von links).

Landsberg – Im Fliegerhorst Penzing zierte er bereits den Schwimmbeckenrand, lange bevor er seinen jetzigen Platz als Deko-Objekt, Wärmflasche und Handtuchhalter im Inselbad fand. Katzen sind wasserscheu? Offensichtlich nicht alle. Dass die Plastik in Penzing und vor dem Mutterturm stand, ist belegt, denn von beiden Orten gibt es Fotos samt Tier. Doch woher kommt der Panther und warum ist er nicht in Penzing geblieben? Viele Fragen ohne Antwort: Die Wildkatze hat ihre Reise durch die Stadt auf leisen Pfoten gemacht. In der Veranstaltung im Landratsamt „Kann der Panther Sünde sein?“ wurden die bisherigen Ergebnisse und offenen Fragen vorgestellt.

Mit der von den Landsbergern geliebten Plastik hatten sich Jugendliche in einem soziokulturellen Projekt unter der Leitung von Wolfgang Hauck beschäftigt: „Im Projekt geht es darum, die Plastik als Ausgangspunkt für unterschiedlichste Aktionen und Forschungswege zu nutzen.“ Es gab einen Ausflug zu einer Gießerei nach München, das Internet wurde durchforstet, die Landsberger wurden in einer Umfrage um ihr Wissen gebeten: In Penzing wurde das Tier gleich an zwei unterschiedlichen Orten abgelichtet – gab es am Ende gar zwei Plastiken? Nach Penzing soll der Panther Unterschlupf im Pfletschbräu gefunden haben, 1957 steht er, fotografisch belegt, vor dem Mutterturm.

Bis zum Neubau des Inselbades 1972 soll er dort geblieben sein – eventuell mit einem kurzen Zwischenaufenthalt im „alten“ Inselbad. Im alten Bad wurde jedoch nur der „nackerte“ Speerwerfer Bernhard Bleekers abgelichtet. Erst ein Foto von 1977 zeigt den Panther im Bad der Stadtwerke. Norbert Köhler, Vorstand der jetzigen Pantherbesitzer, hat eine vage Erklärung: „Man wollte im Herkomermuseum nur Herkomer haben, da musste der Panther weg. Aber im Stadtmuseum gab’s keinen Platz. Und deshalb ist er wohl im Inselbad gelandet.“ In der von Journalistin Karla Schönebeck moderierten Podiumsdiskussion ging es vorerst darum, den Künstler einzuordnen.

„Fritz Behn ist kein Nazikünstler wie Bernhard Bleeker“, urteilte Historiker Dr. Joachim Zeller. Das liege jedoch nicht an Behn, denn „der war ein Rechter, ein Nazi, ein Faschist. Aber Behn ist mit seinen Tierplastiken von den Nationalsozialisten schlicht nicht beachtet worden, obwohl er alles versucht hat, um sich ihnen anzubiedern“. Der Bildhauer habe sogar behauptet, in der NSDAP und in der SA Mitglied zu sein, wofür Zeller jedoch keinerlei Belege fand. Behns Kunst samt seinem Panther, der wahrscheinlich in den 1920ern entstand, verortet der Historiker in der Kolonialkunst „mit all ihren völkischen und faschistischen Anklängen.“ „Ist das Thema Panther heikel?“, fragte Schönebeck die Diskussionsteilnehmer. Köhler antwortete mit einem schlichten Nein.

Der Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung Manfred Deiler war etwas differenzierter: „Wir sind in der Erinnerungsarbeit noch nicht angekommen, wenn der Panther immer noch heikel ist. Denn heikel ist er nur dann, wenn man nichts weiß.“ Zeller ist der Meinung, dass das Thema heikel ist, wenn es nicht aufgearbeitet werde. Oberst Daniel Draken vom Lufttransportgeschwader 61 sieht im Panther hingegen nur ein Dekorationsobjekt: „Er hat etwas mit dem Fliegerhorst Penzing zu tun, nicht aber mit der Bundeswehr.“

„Sie als Besitzer des Panthers, kann der jetzt so bleiben?“, wollte Schönebeck von Köhler noch wissen. Der war sich sicher, dass der Panther bis zur anstehenden Renovierung des Inselbades überdauern werde „und auch danach einen Platz bei uns finden wird.“ Hergeben will er ihn auf keinen Fall. Zeller ist wichtig, dass das Pantherprojekt dauerhaft sichtbar wird. Zudem hält er es für sinnvoll, auch den Speerträger des Nazikünstlers Bleeker im Inselbad zu dokumentieren. „Eine Infotafel ist natürlich möglich“, sagte Köhler. Zellers Idee einer Gegenplastik, eventuell von einem afrikanischen Künstler, schien ihm jedoch ein wenig zu weit zu gehen.

Susanne Greiner

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