Kapelle Lechmühlen steht immer allen offen

Man kann kommen, wann immer man mag: wochentags, sonn- und feiertags, bei Tag und bei Nacht. Der Eigentümer der Kapelle Lechmühlen, Markus Durst, weiß nicht genau, ob überhaupt ein Türschlüssel existiert, aber er ist sich sicher: „Wo nichts abgeschlossen ist, wird nichts gestohlen.“ Das Kirchlein steht direkt an der Verbindungsstraße zwischen B17 und Mundraching unweit der Lechbrücke auf dem weitläufigen Gelände der Sägemühle Durst und obliegt sozusagen dem „Familienbetrieb“. Markus, seine Schwester Petra und sein Schwager Peter Franke kümmern sich um die Kapelle. Osterglocken zieren jetzt das Altarbild mit der betenden Jungfrau Maria, frisches Birkengrün und blühende Forsythienzweige schmücken den Raum.

Während die Besucher – vor allem an Wochenenden legen so manche auf der Fahrt zum Ammersee hier einen Stopp ein – neugierig nach innen blicken, schauen große Augen einer kleinen Statue, einen Pinsel pfiffig hinter das Ohr geklemmt, gleichsam staunend nach draußen. Es handelt sich um Johann Baptist Baader (1717-1780), besser bekannt als „Lechhansl“. Der Kirchenmaler des bayerischen Rokoko war das älteste von fünf Kindern eines Müllerehepaares aus dem Weiler Lechmühen. Das Geburtsdatum ist unbekannt, am 23. Januar 1717 war Johann Baptist getauft worden. Schon durch die Nähe zum Kloster Wessobrunn ergaben sich enge Kontakte zur „Wessobrunner Schule“ mit Dominikus Zimmermann, der Schmuzer-Familie oder Johann Michael Feichtmayr. Auch wenn der „Lechhansl“ nicht zum engen Kreis der „Wessobrunner“ gehörte, so führte er doch im stark arbeitsteiligen Prozess des Altarbaus Aufträge aus. In vielen Kirchen des „Pfaffenwinkels“ sind seine Arbeiten zu sehen: das Bildnis des Heiligen Joseph als Patron der Sterbenden in der Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Leeder, das Hauptfresko „Gastmahl des Hl. Oswald“ in der Kirche Osterzell, unter anderem das Deckenfresko „Taufe Christi“ in der Pfarrkirche Wessobrunn, das Decken- gemälde „Auferstehung“ im Prälatentrakt des Kloster Polling, Malereien in der Wallfahrtskirche Vilgertshofen oder in der Pfarrkirche Pähl bei Weilheim. Fassadenmalereien sind an Baaders Wohnhaus in Lechmühlen aus dem Jahr 1770 überliefert, aber das Gebäude war 1924 abgerissen worden. In der Kapelle Lechmühlen sind noch wenige Reste von Baader-Fresken zu sehen. Der Großteil fiel jedoch den zahlreichen Hochwasser in drei Jahrhunderten zum Opfer. Die Ruhe genießen Kapellenbesitzer und Sägewerksbetreiber Markus Durst ist stolz auf „seine“ Kapelle. „Wir gehen oft hin, manchmal einfach nur um die Ruhe zu finden und die Stimmung zu genießen." Regelmäßige Gottesdienste finden nicht mehr statt, aber die Fischer feiern auf ihren Jahresversammlungen eine Heilige Messe. Natürlich für Familienfeiern wird die Kapelle genutzt. So ist es selbstverständlich, dass die beiden Durstkinder in der Kapelle getauft wurden. Derzeit geht die Tochter häufig die wenigen Schritte vom Wohnhaus zum Kirchlein, um in der Vorbereitungszeit auf die Kommunion zum Gebet niederzuknien. Seit wie viel Generationen sich der Sägebetrieb in Familienbesitz befindet, ist nicht bekannt, aber es sind etliche. Die Großmutter ließ die Kapelle 1977 mit beträchtlichem Aufwand instand setzen. Wie so andere Kirchen und Kapellen war auch die in Lechmühlen ab Ende der 50er und in den 60er Jahren ein Objekt räuberischer Begierde. Die Altarausstattung mit den Silberleuchtern verschwand ebenso spurlos wie einige Täfelchen eines Kreuzzuges. Die jetzigen Ausstattungsgegenstände brachten Nachbarn oder Leute vorbei, denen die Kapelle am Herzen liegt. Sie hat übrigens so manchen Stammbesucher. So erinnert sich Markus Durst an einen Mann, der über Jahre hinweg jeden Freitag Nachmittag für eine halbe, eine drei viertel Stunde in der Kapelle weilte. Zäune zwischen Kapelle, Wohnhaus und Sägewerk gibt es so gut wie nicht. Früher handelte es sich tatsächlich um eine Sägemühle, aber der Bach liefert schon lang nicht mehr genügend Wasser. Markus Durst beschäftigt drei Mitarbeiter. Um die 5000 Festmeter Holz werden jährlich verarbeitet, vorrangig Fichte und Lärche für den privaten Verbrauch, für Terrassen oder Pergolen. „Ich setze mich mit jedem Baum auseinander“, beschreibt der Enthusiast.

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