Hommage an den Urgroßvater

Karl-Valentin-Abend mit der Urenkelin in Geltendorf 

+
Karl Valentins Urenkelin Rosemarie Scheitler-Vielhuber und Bühnenpartner Dr. Windlfend lasen im ausverkauften Geltendorfer Röstwerk Texte des legendären Münchner Komikers.

Geltendorf – Überängstlicher Hypochonder, treuloser Ehemann, schwieriger Mensch, aber auch genialer Komiker, Volkssänger, Autor und Philosoph – all das war Karl Valentin. Ziemlich genau vor 72 Jahren – am Rosenmontag 1948 – starb er in Armut. Er hatte nach dem Krieg nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen können. Heute ist Valentin weltweit ein Begriff, seine in unzählige Sprachen übersetzten Stücke werden immer wieder aufgeführt und neu interpretiert. Einen Valentin-Abend der besonderen Art konnte man im Geltendorfer Röstwerk erleben.

Valentins Urenkelin Rosemarie Scheitler-Vielhuber und ihr Bühnenpartner Wilfried Müller alias Dr. Windlfend präsentierten Texte, Dialoge und Couplets des Meisters. Da lockte nicht nur der Kunstgenuss, sondern auch die Neugier: Wie wird sie wohl sein, die Urenkelin der Legende?

Dass Scheitler-Vielhuber - Jeansjacke, grüner Rock, schwarze Stiefel - ein wenig vom Humor ihres Urgroßvaters geerbt hat, zeigte sich gleich zu Beginn, als sie Partner Windlfend als „reinen Lesepartner, nicht Ehepartner und nicht Bettpartner“ vorstellte und hinzufügte: „Aber wir verstehen uns besser als manches Ehepaar.“

Persönlich gekannt hat die 55-Jährige ihren Urgroßvater nicht mehr. Aber ihre Mutter hat ihr viel von seinen Schrullen erzählt. Zum Beispiel, dass er nie auswärts essen mochte, weil er stets befürchtete, es könnte „etwas“ im Essen sein – eine vergessene Nähnadel etwa. Daheim trank Valentin seinen Kaffee stets aus einem bestimmten Blechhaferl und nie aus einer der „guten“ Tassen, die auf den Tisch kamen, wenn Besuch da war. Er fürchtete, sich anzustecken, womit auch immer. Rund 80 verschiedene Ärzte soll er in seinem Leben aufgesucht haben.

Valentin war sich seiner Schwächen bewusst und verarbeitete sie in seinen Texten. Wie etwa im Dialog „Beim Arzt“, in dem er bei der Schilderung seiner Zipperlein vom Hundertsten ins Tausendste kommt und sich am Schluss vom Doktor sagen lassen muss, dass er vollständig gesund sei. „Für was bin dann ich bei der Ortskrankenkasse?“ Eine typische Valentin-Pointe.

Würdiger Interpret

Dass der Komiker sich am liebsten auf eigene Kosten lustig machte, das schätzt Dr. Windl­fend an ihm. „Der Mann hat gesehen, wie unmöglich er eigentlich war“, ist der aus Egling stammende Tierarzt überzeugt. Er stieß während des Studiums erstmals auf Valentins Werke, kommt seither nicht mehr von ihm los und ist ein mehr als würdiger Interpret der Texte und Couplets. Den trockenen Humor, das Mürrische, den Weltschmerz und das Absurde – Windlfend bringt all das wunderbar zum Ausdruck. Dazwischen singt er, spielt Gitarre und Mundharmonika, übernimmt in einem der Dialoge sogar beide Rollen und macht das klasse.

Es geht um einen Kuhhandel, der nicht zustande kommt. Der Gag dabei: Windlfend hat das Valentin-Bayerisch ins Lechrainische übersetzt. Das versteht man in Geltendorf gerade noch (die Sprachgrenze verläuft durch die Gemeinde) und amüsiert sich königlich.

Auch Urenkelin Scheitler-Vielhuber macht ihre Sache gut und wirkt noch sympathischer dadurch, dass sie erkennbar kein Schauspiel-Profi ist. Sie lebt in Planegg im 100 Jahre alten Valentin-Haus, das einst ihre Urgroßeltern gekauft haben. Wer Lust hat, kann eine Führung buchen.

Dass er sein Leben lang zaundürr war, das bekümmerte Karl Valentin. Beim anderen Geschlecht liebte er das Gegenteil. „Die Schönheit einer Frau fängt bei 100 Kilo an“, soll sein Motto gewesen sein. Und Valentin war nicht monogam. Neben seiner Frau hatte er eine Beziehung zu Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt und eine schwergewichtige Geliebte in Berlin. Als er erfuhr, dass diese ebenfalls nicht monogam war, trennte er sich von der Dame - aber nicht, ohne ihr einen Volksempfänger zu verehren. „Da du auch andere Herren aus dem Volk empfängst, erscheint mir das ein geeignetes Abschiedsgeschenk.“

Für die Geltendorfer Kaffeerösterei waren die ausverkauften „Valentinaden“ ein voller Erfolg. Ein strahlender Franz Thoma – mit Röstwerk-Inhaber Herbert Schneider Veranstalter der Kleinkunstabende – verzeichnete bereits kurz danach die ersten Anmeldungen für eine Fahrt zum Valentin-Haus. Die organisiert er als nächstes.
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Eindrucksvolle Hilfe-Bilanz des Vereins GemEinsam aus Schondorf
Eindrucksvolle Hilfe-Bilanz des Vereins GemEinsam aus Schondorf
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Uttings Bürgermeister Hoffmann ist Vorsitzender von "VHS Ammersee West"
Neubau des evangelischen Kindergartens Landsberg 
Neubau des evangelischen Kindergartens Landsberg 

Kommentare