Kasperl packt die Koffer – Landsberger Marionettentheater "Am Schnürl" sucht eine neue Heimat

Die Tage des Marionettentheaters „Am Schnürl“ im Keller der Kathari­nen­schule sind gezählt. Der Raum steht künftig nicht mehr zur Verfügung, weil an der Schule eine Ganztagsklasse eingerichtet wird. Schon kurz vor Pfingsten fasste der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss mit ausdrücklichem Hinweis auf die Kündigung. Das Keller­theater indes schreckte erst jüngst hoch, als nämlich das städtische Papier zur Auflösung des „Mietverhältnisses“ eintraf.

Seit nunmehr 14 Jahren darf „Am Schnürl“ den Raum in der städtischen Grundschule nutzten – zum Nulltarif. „Wir haben das gerne gemacht“, betont OB Ingo Lehmann, „weil das Puppentheater eine schöne Einrichtung ist.“ Doch das Schöne muss nun weichen, weil es bereits ab dem kommenden Schuljahr eine einzügige Ganztagsklasse geben wird. Der Start erfolgt mit einer 1. Klasse und in vier Jahren läuft sie durch bis zur vierten Jahrgangs­stufe. Dafür aber braucht’s mehr Platz in der Grundschule, Mensa sowie Gruppen- und Ruheräume müssen eingerichetet werden, was sich im Untergeschoss realisieren lässt. Das Ende des Marionetten­theaters an dieser Stelle ist damit besiegelt. Am 1. Mai 2010 muss der Keller geräumt sein. In Absprache mit Schulleiterin Daniela Kortstock-Autsch habe man sich auf diesen Termin geeinigt, da es zunächst nur eine Ganztagsklasse geben wird, so Lehmann. Dass die Stadt „derzeit keinen Alternativstandort“ anbieten kann, sorgt im Kreis der Puppenspieler für ein absolutes Stimmungstief. „Ohne äußere Hilfe ist unser kleines, feines Theater vernichtet und damit auch ein Stück kulturelles Leben in dieser Stadt“, sieht Spielleiter Helmut Glatz tiefschwarz. In mühevoller zweijähriger Arbeit habe man das Kellertheater selbst eingerichtet und ausgebaut, einen kostspieligen Umzug könne sich die Bühne einfach nicht leisten. Die Einnahmen reichen laut Glatz gerade mal dafür aus, die jeweils neue Produktion zu finanzieren. Die seit vielen Jahren aktive Puppenspielerin Rita Gartzke übt Kritik an Stadtrat und -verwaltung und nimmt sie gleich in die Pflicht: „Mit etwas gutem Willen sollte eine Lösung zu finden sein.“ Der Kommentar des Oberbürgermeisters grundsätzlich zu diesem Thema: „Wenn wir Räume finden, die längerfristig nicht benötigt werden, stellen wird diese auch in Zukunft gerne zur Verfügung.“ Seit der Gründung im Jahr 1987 hat das Marionettentheater „Am Schnürl“ 190 Vorstellungen vor über 11000 Zuschauern ge­geben. Nicht selten sind die Vorstellungen bereits Wochen zuvor ausverkauft. Sollen Kasperl&Co. nun den Museumstod sterben? „Vielleicht hat ja doch jemand eine Antwort auf unseren Hilferuf“, hoffen Helmut Glatz und Rita Gartzke.

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