Aus für Landsberger Gesola

Im Notfall ab 2018 zur KVB

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Im Dezember stellt die Gesola den Betrieb ihrer Bereitschafts­praxis ein. Die KVB übernimmt.

Landsberg – Wenn ein Landsberger dringend eine Sprechstunde beim Arzt braucht, der Mediziner seines Vertrauens aber schon im Feierabend ist, dann ist in den vergangenen Jahren stets die Bereitschaftspraxis der Gesundheitsorganisation Lech-Ammersee (Gesola) in die Bresche gesprungen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hat diesem Notdienst zum Jahresende das Aus erteilt. Künftig betreibt die Vereinigung selbst eine Bereitschaftspraxis am Landsberger Klinikum – ebenso wie bereits an anderen Standorten in der Region: Bobingen oder Schongau etwa. Die Gesola-Verantwortlichen zeigten sich darüber enttäuscht und überrascht. Dabei hätten ebenjene Verantwortliche selbst schon im Mai dieses Jahres gegenüber der KVB signalisiert, die Praxis nicht weiterbetreiben zu wollen, teilt Gökhan Katipoglu, Leiter der KVB-Notdienste mit.

In der Wortwahl der jüngsten Gesola-Pressemitteilung schwingt reichlich Enttäuschung mit: „Rigoros“ schaffe die KVB regionale Bereitschaftspraxen ab, nun sei auch die Landsberger Einrichtung von der Kassenärztlichen Vereinigung „schlagartig“ zum Jahresende „verdrängt“ worden. Gesola-Vorsitzende Dr. Helga Holzfurtner bedauert: „Unser Engagement und regionale Bedürfnisse zählen nicht, obwohl die Idee der Gesola-Bereitschaftspraxis selbst von der KV als Modellprojekt gelobt wurde, das schmerzt.“

Ende seit Mai bekannt

Die Darstellung der KVB weicht allerdings ab: So schlagartig sei das Gesola-Ende demnach nicht gewesen. Schon im Mai 2017 habe es Gespräche über die Wei­ter­entwicklung des Bereitschaftsdienstes gegeben – konkret will die KVB künftig unter anderem die Öffnungszeiten ausdehnen und die Patientenversorgungsstrukturen einheitlich gestalten. Im Rahmen dieser Gespräche habe der Vorstand des Ärztenetzes Gesola bereits mitgeteilt, die Praxis in der Lechstadt nicht weiterbetreiben zu wollen.

Die Kinder-Bereitschaftspraxis bleibe aber auch fortan in den Händen der Gesola und habe 2018 „durchgehend geöffnet wie gewohnt“, sagt Simone ­Meier vom Gesola-Netzbüro. Seitens der KVB bestünden für die Kinderpraxis auch keine Planungen, dort Änderungen vorzunehmen, blickt Notdienstleiter Katipoglu voraus.

Zurück zur ­Bereitschaftspraxis: Hier sei „die Umstellung des Notdienstes für die Gesundheitsregion Landsberg ein erheblicher Einschnitt“, meint Dr. Hans-­Joachim Baumgartl, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Landsberg. Die Gesola sei „regional hervorragend organisiert“, die diensthabenden Ärzte bestens vernetzt gewesen. „Es ist zu befürchten, dass genau diese Detailkenntnisse, die im Einzelfall so wichtig sein können, nicht mehr gegeben sind.“

Ändern wird sich nämlich auch der Kreis der behandelnden Ärzten. Sind es bis Ende des Jahres ausschließlich die Mitglieder der Gesola, erweitert sich der Teilnehmerkreis künftig auf alle Ärzte, die in der Bereitschaftsregion Starnberg-Landsberg niedergelassen sind. Sie betreiben dann nicht nur die Praxis in Haus IV des Landsberger Klinikums, sondern führen auch Hausbesuche durch.

Einen Engpass könnte es in der Übergangszeit im Januar geben – das befürchtet zumindest die Gesola. Anfang des Jahres, wenn der Betrieb von Gesola auf KVB umgestellt wird, bekommen die Praxisräume einen neuen Anstrich. In dieser Zeit sei in der Bereitschafts­praxis „kein Patientenverkehr möglich“, sagt ­Katipoglu von der KVB. Ein Punkt, zu dem Dr. Holzfurtner von der Gesola ­kritisiert: „Mit Ruhm bekleckert hat sich die KVB nicht. Mal sehen, ob wir das regional ausgleichen können über ­Gesola-Praxen.“

Dabei bietet auch die KVB Lösungen für den Übergangsmonat. Die Notfall-Telefonnummer 116117 bleibe unverändert bestehen. So könnten Patienten auch weiterhin einen Hausbesuch anfordern. Und wer mobil ist, der könne im Januar auf einen anderen Standort ausweichen: die Praxen in Buchloe, Bobingen, Gilching, Starnberg oder Fürstenfeldbruck stünden natürlich auch Bedürftigen aus dem Landkreis Landsberg zur Verfügung.

Aber auch in Landsberg hätte die KVB gerne eine befriedigendere Zwischenlösung geboten – „eventuell in den Räumlichkeiten der Kinder-Bereitschafts­praxis“. Diese Option sei aber von der Gesola abgelehnt worden, erklärt Katipoglu.

Auch wenn sich KVB und Gesola also in einigen Punkten uneins sind: der Bereitschaftsdienst, den die Gesola seit ihrer Eröffnung 2009 geleistet hat, ist unbestritten. 40.000 Patienten haben die 20 Mediziner am Wochenende und an Feiertagen behandelt und dadurch auch die Not­aufnahme am Klinikum und Fahrdienst gewaltig entlastet.

Lob gibt es dafür auch von der KVB: Die Vereinigung würdige das Engagement und man sei „der Gesola dankbar für das langjährige Interesse an der Etablierung der Landsberger Versorgungsstrukturen zu sprechstundenfreien Zeiten“. Und auch Kreisverbands-Vorsitzender Baumgartl dankte: „Die Gesola-Ärzte waren jahrelang engagiert für die Versorgung der Patienten da. Sie sind damit sicher ein Vorbild für Ärzte, die künftig verpflichtend im Notdienst eingesetzt werden.“ Dann unter der Leitung der KVB. 

Marco Tobisch

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