Frischer Wind für die Künstlergilde

Katinka Schneweis ist die neue Vorsitzende der Künstlergilde Landsberg

Katinka Schneweis in ihrem Atelier, der „kunsthuette“.
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Katinka Schneweis in ihrem Atelier, der „kunsthuette“.

Landsberg – Die Künstlergilde Landsberg ist der älteste Kunstverein der Lechstadt. 1934 gegründet, könnte er in drei Jahren sein 90-Jähriges feiern – natürlich nur, wenn es ihn dann noch gibt. Schon dieses Jahr stand der Verein kurz vor der Auflösung. Denn der bis dato Vorsitzende Rainer Hollenweger stellte sich nicht mehr zur Wahl – und niemand wollte übernehmen. Dass sich die Gilde einfach auflöst, war für die Denklinger Künstlerin Katinka Schneweis aber keine Option. Weshalb sie eingesprungen ist. Aber sie setzt ihrer Amtszeit eine Frist: „Nach einem Jahr höre ich auf. Wenn bis dahin niemand Neues gefunden ist, löst sich die Gilde wohl auf.“ 

Landsberg, Weilheimer Straße. In Katinka Schneweis Atelier liegt ein Buch auf dem Küchentisch: „Wie Farben wirken“. Die Küche ihrer „kunsthuette“ besticht durch Helligkeit, viel weiß, der Boden dunkelbraune Dielen. Auch die anderen Räume halten sich farblich eher zurück – und bieten Raum zur Entfaltung. Schne­weis Arbeiten zeichnen sich durch gedeckte Farben aus. Bis auf drei Quadrate, die einem der Räume zu sehen sind: Arbeiten, die sie für die nächste Ausstellung der Künstlergilde gemacht hat. Die ist im Rathausfoyer, vom 11. bis zum 25. September während der Langen Kunstzeit, der Corona-Alternative zur Langen Kunstnacht. Es ist Schneweis erste Ausstellung als Vorsitzende, „meine Probe“, sagt sie. Und sie fordert den Vereinsmitgliedern gleich einiges ab: künstlerische Arbeit in den Begrenzungen eines bestimmten Formats und einer bestimmten Farbe. „Das ist natürlich kein voller Kühlschrank, aus dem man sich bedienen kann“, gibt Schne­weis zu. Vor allem die gewählte Farbe behage nicht jedem – deshalb auch das Buch über Farben auf dem Tisch. „Farben erzeugen ja Emotionen, auch bei den Künstlern selbst. Aber in dieser Beschränkung steckt ungemein viel kreatives Potential.“ In der Ausstellung werden die Namen der Künstler nicht bei den Werken stehen, plant Schne­weis. Das befreie beim Arbeiten.

Eine Grunderneuerung

Mehr Leichtigkeit und auch mehr Humor will die 51-Jährige in den etwas eingeschlafenen Verein und seine „eingeschliffenen Mechanismen“ bringen. Bisher sei die Gilde ein Zusammenschluss von Künstlern, die etwas Verkaufen wollten, mit einer schwierigen Geschichte und einer verwaschenen Zielrichtung. Da einfach bequem weitermachen, sei nichts, wofür sie zur Verfügung stehe.

Momentan hat der Verein noch 50 Mitglieder, davon 40 aktiv. „Wo will dieser Rest hin?“, ist für Schneweis die essentielle Frage. Sie will „frischen Wind“, setzt sich für eine Grunderneuerung ein, die auch ein Überdenken der nicht ganz einfachen Anfänge in den 1930ern mit einschließt – natürlich nur in Absprache mit den anderen Künstlern. Die dürften natürlich immer und gerne auch Kritik an ihr üben. „So weiß ich ja auch, was sie wollen – oder eben nicht wollen.“

Die Situation momentan sei für diese Erneuerung eigentlich ideal: Kaum eines der Mitglieder müsse von seiner Kunst leben, es gebe momentan keine Ausstellungen, keinen Kunstmarkt, man sei keiner Akademie und auch keiner Politik verpflichtet. „Der Weg zu einer freien Künstlervereinigung steht offen. Aber das sind wir noch nicht.“ Denn um eine Vereinigung zu werden, muss Gemeinschaft entstehen, muss man sich selbst etwas in den Hintergrund stellen für die Gruppe, die ein nicht unbedingt geschlossenes, aber charakteristisches Bild nach außen geben kann. Deswegen auch die Beschränkung in Format und Farbe für die erste Ausstellung im Rathausfoyer: um sich als Gemeinschaft zu profilieren.

Konzepte

Für die weiteren Ausstellungen will Schneweis Konzepte erarbeiten: „Da müssen Ideen und Aussagen dahinterstehen.“ Ob die geplante Jahresausstellung im November in den Beruflichen Schulen Landsberg stattfinden kann, steht zwecks dem dortigen Umbau noch in den Sternen. Aber im nächsten April oder Mai will und darf die Künstlergilde wieder in die Säulenhalle. „Das wird auf jeden Fall eine kuratierte Ausstellung“, sagt Schneweis. Mit einem Konzept, zu dem sich die Künstler bewerben müssen. Ob sie selbst dabei ausstellt, weiß sie noch nicht: „Eigentlich müsste ich mich da rausnehmen, wenn ich als Kuratorin arbeiten will.“

Bei der Auswahl der Exponate steht für Schneweis ein hoher Anspruch nicht an erster Stelle: „Jeder darf zeigen, was er macht, sein Gestalten präsentieren, um so auch Wertschätzung zu erhalten.“ Der Spaß stehe im Vordergrund, nicht das „Richtig-Machen“. Wobei jeder natürlich auch damit rechnen müsse, kritisiert zu werden. Aber schöpferische Arbeit sei „gesund, das macht glücklich es fördert den Dialog“. Und deshalb freut sich Schneweis über jeden, der im Verein mitmachen will. „Dass ‚Kunst‘ am Ende steht, ist nicht das Ziel, sondern der Weg.“

Der Weg, den Schneweis selbst genommen hat, ist auch kein gerader: Nach ihrem Studium zur Diplomkulturwirtin, einer Ausbildung zur Schreinerin und ihrer Arbeit als Inneneinrichtungsplanerin bildete sie sich an der Akademie der Bildenden Künste München und Kolbermoor weiter, unter anderem beim ‚modernen Künstlerfürst‘ Markus Lüpertz. Sie habe aber auch in ihrer Kindheit schon künstlerisch gearbeitet, sagt Schneweis, „aber für ein Kunststudium war ich dann vielleicht nicht selbstbewusst genug.“ Jetzt ist sie als freie Künstlerin tätig, gibt aber auch Kurse für Manager, in denen sie lehrt, „mit beiden Händen zu denken“. Das verschaffe ihr in der Kunst die Freiheit, dem nachzugehen, was sie will. Und die Leichtigkeit zu bewahren, die ihrer Kunst manchmal – und in letzter Zeit sogar wörtlich – Flügel verleiht.
ks

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