"Katzenfight" mit Folgen

Vier Angeklagte, drei Verurteilungen; das ist die Kurzbilanz einer Verhandlung gegen drei junge Frauen und einen jungen Mann vor dem Jugendgericht in Landsberg am vergangenen Mittwoch. Während die Anklagen wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen den 24-Jährigen fallengelassen wurde und seine 19-jährige Freundin mit einer 300 Euro-Geldstrafe für ein nicht zitierfähiges Schimpfwort davonkam, verhängte Richter Alexander Kessler gegen das 20 und 17 Jahre alte Schwesternpaar einen Freizeitarrest und einen einwöchigen Dauerarrest wegen schwerer Körperverletzung.

Stühlerücken im kleinen Sitzungssaal des Amtsgerichts – immerhin vier junge Leute mussten auf der Seite der Beklagten Platz nehmen: ein junger Kauferinger, angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung, ebenso dessen Freundin, bei der noch Beleidigung als Anklagepunkt hinzukam, desweiteren zwei Schwestern aus Landsberg – gefährliche Körperverletzung der Vorwurf an sie, dazu Beleidigung bei der jüngeren der beiden. Als man am Abend des neunten Juli gemeinsam von der Landsberger Wiesn aufbrach, hatte der nüchternste der Runde nach eigenen Aussagen zwei Maß Bier getrunken; die anderen „wohl mehr“. Um eine Bekannte wissen zu lassen, dass ihre Anwesenheit für den Rest der weiteren Unternehmungen keinesfalls erwünscht sei, trat die damals 16-jährige Angeklagte auf die Geschädigte zu und verlieh ihrer Forderung den gehörigen Nachdruck. Dass sie sich dabei in den Haaren der Gegnerin nur „festgehalten“ habe, wie bei der polizeilichen Vernehmung zu Protokoll gegeben, wollte in der Verhandlung selbst sie nicht mehr glauben. Ein paar Tritte, so meint sich die zierliche Jugendliche zu erinnern, habe sie ihrer Kontrahentin wohl auch „verpasst; allerdings nur mit Turnschuhen.“ Für die in der Nähe stehende Mitangeklagte indes, war der Eindruck entstanden als brauche ihre jüngere Schwester Hilfe. Zum Leidwesen der Klägerin gewährte sie ihr diese denn auch großzügig: Mit den Fäusten habe sie von der Seite auf die vermeintliche Angreiferin geschlagen“, berichtet die junge Mutter eines dreijährigen Kindes. Genaueres zum Tathergang wusste sie dann aber nicht zu sagen; sie sei, wie übrigens auch ihr Gegenüber, „nicht nüchtern“ gewesen. Sicher festgestellt werden konnten allerdings die Folgen des „Zickenkriegs“, wie der Vorsitzende die Geschehnisse des Wiesenabends zusammenfasste: Hämatome, Rückenbeschwerden und starke Kopfschmerzen bei der Angegriffenen. Ob letztere freilich eine körperliche Reaktion auf die schlagkräftigen Argumente der zwei streitbaren Schwestern oder aber auf den übermäßigen Alkoholkonsum war, sei dahingestellt. Dass er mit den Auseinandersetzungen der „Weiber“ nur am Rande zu tun hatte, konnte der mitangeklagte Bruder der beiden Frauen glaubhaft machen. Er habe mit seiner Freundin etwas abseits gestanden, als plötzlich jemand „Katzenfight“ (körperliche Auseinandersetzung unter Frauen) geschrieen habe. Daraufhin sei seine Freundin in Richtung des Geschehens gelaufen, er hinterher, um sie zurückzuholen. Anfangs, so berichtet die junge Frau, habe sie nicht einmal erkannt, dass ihre beiden Freundinnen in die Auseinan­der­setzungen verwickelt gewesen seien. Deren Gegnerin habe sie nur geschubst, nachdem diese sie am Arm gepackt hatte. Schimpfworte werde es in der Hitze des Gefechts wohl gegeben haben, räumt sie ein. Diese kommen sie nun teuer zu stehen: 300 Euro muss die junge Friseurin an eine gemeinnützige Vereinigung in Landsberg zahlen. Die Anklage der Körperverletzung wurde, wie auch bei ihrem ihr nachgeeilten Freund, fallengelassen. Da sie strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten und umfassend geständig war, kam die ältere der beiden Schwestern mit Freizeit­- arrest an einem Wochenende wegen gefährlicher Körperverletzung davon; die jüngere, als Wiederholungstäterin, wurde aus gleichem Grund zu einer Woche Dauerarrest verurteilt.

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