Gutes Klima im Markt

+
Trotz Defizit ist das Biomasseheizkraftwerk in Kaufering ein guter Klimabote: Denn laut dem neuen Klimaschutzkonzept sorge die Nahwärme für viel Energiepotential im regenerativen Bereich.

Kaufering – Nicht am Ende, sondern ganz am Anfang stehe die Marktgemeinde Kaufering in Sachen Klimaschutz. Laut Bürgermeister Erich Püttner ist das Klimaschutzkonzept der Gemeinde zwar da, doch die Arbeit beginnt erst jetzt. Ein erster Schritt ist mit der offiziellen Vorstellung des Konzepts getan.

Ein Arbeitskreis zum Thema und das „eza“ – Energie- und Umweltzentrum Allgäu – haben das Konzept erarbeitet und die Ziele für Kaufering gesteckt. „Die Ziele sind da, jetzt müssen wir sie weiter verfolgen“, erklärte Bürgermeister Püttner bei der Vorstellung des Klimaschutzkonzepts. Auch der Marktgemeinderat hat das Papier in der jüngsten Sitzung abgesegnet. „Das Thema wird die Arbeit im Gemeinderat nachhaltig prägen.“ Oberstes Ziel ist es, die CO2-Bilanz und Energieverbrauch sowie -Kosten der Kommune zu senken.

Die Erstellung des Konzepts hat Dr. Kerstin Koenig-Hoffmann vom eza begleitet, im November 2012 fand zudem die erste Sitzung eines Arbeitskreises „Klima“ aus interessierten Bürgern statt. In einer Bürgerwerkstatt im Mai vergangenen Jahres haben sich weitere Kauferinger eingebracht und jetzt ist das 131 Seiten starke Konzept fertig.

Insgesamt verbraucht die Gemeinde im Jahr – bezogen auf 2011 – rund 246 Gigawattstunden (GWh) an Energie: 33 Prozent davon fallen auf die Haushalte zurück, 31 Prozent auf die Wirtschaft. Auf den Bereich Verkehr fallen 36 Prozent des Energieverbrauchs – die Gemeinde hat auch bereits ein eigenes Verkehrskonzept entwickelt. Bei rund 49139 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr verursacht der Verkehr knapp mehr als die Hälfte der Emmission.

Verbesserung gewünscht

„Kaufering steht durch das Biomasseheizkraftwerk in Sachen Wärme schon gut da“, so Koenig-Hoffmann. „Aber man kann sich immer verbessern.“ Gerade im Wärmebereich sei eine Einsparung von über 40 Prozent möglich. „Großes Potenzial bei der Stromeinsparung liegt auch in der Fotovol­- taik sowie Solar- und Geothermie.“ Bislang haben die Erneuerbaren Energien bei der Wärme einen Anteil von rund 38 Prozent. Rund 29 Prozent des Kauferinger Stroms werde regenerativ produziert. „Da ist aber die Lechstaustufe nicht mit eingerechnet“, betont die Energieexpertin. Der Stromverbrauch lasse sich um rund 30 Prozent verringern, ebenso wie der Energieverbrauch im Bereich Verkehr um rund 27 Prozent.

Die konkreten Ziele für die Marktgemeinde sind in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. „Ich lege der Gemeinde auf jeden Fall die Teilnahme am European Energy Award nahe“, sagt Koenig-Hoffmann. Der Staat unterstütze hier eine Teilnahme mit bis zu 50 Prozent der Kosten – die Beratung durch eza wäre inklusive. Weiteres Ziel sei die Ener­gieberatung für Kauferinger Bürger und Unternehmen sowie eine nachhaltige Bauleitplanung mit einem Punktekalalog für Neubauten, auch ein Klimaschutzmanager könnte helfen. Zudem setzt sich die Gemeinde zum Ziel, die Bürger mehr anzusprechen und miteinzubeziehen – sei es durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit oder auch durch kommunale Schul- und Kindergartenprojekte zum Thema Klima.

Dass Kaufering mit dem Konzept gut aufgestellt ist, fanden auch die rund 20 Zuhörer der Präsentation. Allerdings wunderte sich ein Bürger über die Kosten für die Verwirklichung der Ziele. „Die Maßnahmen sind zunächst nicht nach Kosten sortiert“, so Bürgermeister Püttner. „Der Marktgemeinderat muss dann zu gegebener Zeit über jeden einzelnen Punkt entscheiden.“

Im Alleingang?

Kritik gab es auch an der Durchsetzung: Warum braucht Kaufering ein eigenes Konzept, wenn doch der Landkreis ebenso ein Klimaschutzkonzept erstellt hat?, wollte ein Zuhörer wissen. Josef Mayrock, Umweltingenieur der Gemeindeverwaltung, klärt auf: „Die Kauferin­ger waren schneller als der Landkreis.“ Man habe sich geeinigt, dass man sich austauscht und gemeinsam arbei­tet. „Wir fahren da nicht Konkurrenz.“

Das Konzept diene nun als Grundlage für eine weitere Arbeit, erklärt Püttner. Der Arbeitskreis Klima soll sich neu formen und in die Umsetzung der Ziele einsteigen. „Wir überlegen auch, ob wir als Kommune dem LENA-Verein beitreten.“ Ziel sei es auch die Leitbildentwicklungen in Sachen Klima, Verkehr, Politik sowie Kultur und Soziales miteinander zu vereinen. „Das muss alles ineinander greifen und eine runde Sache werden“, betont Püttner. „Das Klimakonzept ist jetzt sozusagen unsere Roadmap.“

Das gesamte Papier steht jetzt zum Download bereit unter www.kaufering.de.

Janina Reich

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Über 4.000 Stunden fürs Gemeinwohl
Über 4.000 Stunden fürs Gemeinwohl

Kommentare