Zwischen Wahrzeichen und "Veruntreuung"

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Die Kauferinger Kirche St. Johann Baptist ist das weit sichtbare Wahrzeichen des Ortes. Sie muss saniert werden. Die Marktgemeinde wird sich mit 90.000 Euro beteiligen.

Kaufering – Es war eine hochemotionale Entscheidung im Kauferinger Marktgemeinderat. Mit wie viel Geld soll die finanziell klamme Kommune die Sanierung der ortsbildprägenden Kirche St. Johann unterstützen? Mehrheitlich beschloss das Gremium nach der Debatte, 90.000 Euro als Zuschuss für die Außenrenovierung bereitzustellen. Damit folgten die Marktgemeinderäte dem Wunsch der Pfarrgemeinschaft Kaufering.

In einem Schreiben vom 3. Februar an Bürgermeister Erich Püttner hatten Pfarrer Helmut Friedl und Kirchenpflegerin Charlotte Kandziora noch einmal ausführlich dargelegt, dass man eine Finanzierungslücke von mehr als 250.000 Euro habe. Deshalb bitte man um einen kommunalen Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro.

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf rund 800.000 Euro. Davon entfallen rund 210.000 Euro für die Arbeiten an der Außenansicht des Gebäudes, also Malerarbeiten und Gerüstbau. Den größten Batzen verschlingen die sicherheitsrelevanten Sanierungsarbeiten, die die Standfestigkeit des Gebäudes erhalten sollen. Von den Gesamtkosten übernimmt die Diözese Augsburg lediglich 551.000 Euro, schrieben Pfarrer Friedl und Charlotte Kandziora an den Rathauschef. Die Restsumme müsse von der örtlichen Kirchenstiftung unter Einbeziehung von Zuschüssen aufgebracht werden. Mit Aktionen und Entnahmen aus den Rücklagen will die Katholische Kirchenstiftung ihren Beitrag dazu leisten, den sie auf rund 95.000 Euro beziffert. Zuschüsse soll es nicht nur vom Markt Kaufering geben, sondern auch vom Bezirk Oberbayern (28.600 Euro), vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (4.000 Euro), der Bayerischen Landestiftung (15.000 Euro) und von der Kurt + Felicitas Viermetz Stiftung (15.000 Euro).

Bereits im April letzten Jahres hatte der Bau- und Planungsausschuss eine Regelung vorgeschlagen, die sich an der Förderung der Vereine orientieren sollte. Diese werden auf Antrag mit zehn Prozent gefördert: Mit 15 zu 5 Stimmen stellten die Marktgemeinderäte einen zehnprozentigen Zuschuss des Kostenanteils in Aussicht, welche die Kirchenstiftung zu tragen habe.

Bürgermeister Erich Püttner hatte drei Beschlussvorlagen vorbereitet. Eine über 90.000 Euro, entsprechend dem Wunsch der örtlichen Kirchenstiftung, eine über 80.000 Euro, entsprechend zehn Prozent der Gesamtkosten und eine über 18.500 Euro, entsprechend zehn Prozent der Kosten für die Außenrenovierung.

Alex Glaser (GAL) lehnte eine höhere Förderung als 18.500 Euro ab und verwies auf den Beschluss des Marktgemeinderates vor einem Jahr. Er könne es nicht vertreten, dass noch einmal 70.000 Euro mehr als damals beschlossen wurde, ausgegeben werden sollen, während gleichzeitig den Bürgern mit der geplanten Straßenausbaubeitragssatzung in die Tasche gegriffen werde. Sein Kollege Manfred Huber (Kauferinger Mitte) kritisierte Glaser für die Herstellung eines Zusammenhanges zwischen dem Zuschuss zur Sanierung des Kauferinger Wahrzeichens und der Straßenausbaubeitragssatzung. Für ihn ist die Kirche das Wahrzeichen des Ortes. Er sei für einen Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro erklärte Huber.

Kein Blatt vor den Mund nahm Hans-Jörg Pilz (GAL). Ein Zuschuss von mehr als 18.500 Euro sei für ihn schon „ein Grenzfall zur Veruntreuung“, da die Kirche zu 100 Prozent Baulastträger sei. Pilz sprach von einem Armutszeugnis der katholischen Kirche, wenn sie nicht in der Lage sei, 180.000 Euro aufzubringen. Sein GAL-Fraktionskollege Andreas Keller sah die Kirche St. Johann Baptist als „Angelegenheit aller Kauferinger Bürger“ und sprach sich für einen Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro aus. Dem schlossen sich Bernhard Mödl und Thomas Salzberger (SPD) an. Salzberger sagte, „wir haben immer zehn Prozent gezahlt, für das Wahrzeichen Kauferings darf es ausnahmsweise etwas mehr sein“. Für die Fraktion der UBV betonte Sascha Kenzler, man stimme einem Zuschuss von 90.000 Euro zu und kritisierte die Herstellung einer Verknüpfung mit der zukünftigen Straßenausbaubeitragssatzung.

Meinrad Mayrock (CSU) brachte noch einen Antrag ein, die 90.000 Euro als Obergrenze für eine Förderung festzuschreiben. Die Abstimmung ergab mit 19 Ja-Stimmen gegen vier Ablehnungen ein klares Votum für einen Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro. Das Geld ist nach Aussage von Kämmerer Winfried Plaß bereits im Haushalt 2017 eingeplant.

Siegfried Spörer

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