Dörflicher Charakter kontra Wirtschaftlichkeit

Modernes in der Dorfmitte

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Ein Projekt, zwei Versionen: Nach diesen Vorschlägen des Weiler Büros adk-architekten könnte das Areal des Schmittenbauerhofes in der Dorfmitte von Altkaufering bebaut werden.

Kaufering – Über Architektur und Geschmack lässt sich trefflich diskutieren. Der Umwelt- und Planungsausschuss hat sich jetzt mit der Zukunft des Schmittenbauerhofes im alten Ortskern beschäftigt.

Das Architektenehepaar Rupert und Daniela Kramer aus Weil präsentierte einen Entwurf, der die Vorstellungen eines potenziellen Investors wiederspiegelte. Doch damit setzten sie eine heftige Debatte in Gang, an der sich auch Anwohner beteiligen durften. Das Meinungsspektrum reichte von totaler Ablehnung bis zur Zustimmung, wobei die kritischen Stimmen überwogen.

Längst hat sich das Tauziehen um den Schmittenbauerhof zur unendlichen Geschichte entwickelt. Er war 2009 von der Gemeinde gekauft worden. Die Marktgemeinde wollte den Einfluss auf die zukünftige Gestaltung des Ortskernes nicht ver­lieren. Doch die Schulden drücken. Bürgermeister Erich Püttner möchte das Grundstück wieder loswerden. „Es gibt einen konkreten Investor“, sagte er, wollte aber keine Namen nennen. Besagter Investor will auf dem 2260 Quadratmeter großen Grundstück ein Dorfzentrum mit Laden und Bistro sowie eine „Service-Wohnanlage“ errichten. Dazu muss das alte Gebäude abgerissen werden, da es nicht mehr sanierungsfähig ist.

„Es sind nur Ideen, die wir hier präsentieren“, sagte Architektin Daniela Kramer. Das Projekt sei als Genossenschafts­- modell geplant. Direkt an der Kurve soll ein Gebäude mit dem öffentlichen Bereich entstehen. Darin könnten ein Laden, ein Back-Shop und ein Bistro entstehen. Im Obergeschoss sind Räume für eine Arzt- oder Massagepraxis vorgesehen und im Dachgeschoss ein großer Versammlungsraum.

Im rechten Winkel zu dem „öffentlichen Bereich“ wären in einem etwas zurückgesetzten Gebäude etwa 20 Wohnungen möglich. Ein großzügiger Innenhof ist ebenso Bestandteil der Pläne wie eine Tiefgarage. Bürgermeister Püttner betonte mit Blick auf den Baukörper mehrfach, dass noch „überhaupt nichts entschieden“ sei.

"Passt nicht"

Als zu groß und zu wuchtig empfand Rosina Heinle den Entwurf. „Er passt nicht in den Ortskern“, sagte die CSU-Politikerin. Auch Andy Keller schlug in die gleiche Kerbe. Gabriele Hunger: „Ich habe etwas ganz anderes an Vorschlägen erwartet, so etwas sollte nicht entstehen“. Gabriele Triebel (GAL) fand den Mittelbereich zu unruhig und trug gleich ihre Verbesserungsvorschläge vor. Ihr Par­- teikollege Hans-Jörg Pilz sah als Vorteil, dass bei einer Umsetzung des Entwurfes, „der Schandfleck dahinter verborgen würde“.

Thomas Salzberger (SPD) und sein UBV-Kollege Dr. Börries zu Castell hingegen fanden den Entwurf schön, es sei aber für den falschen Ort geplant. Mein­rad Mayrock (CSU) plädierte ebenso wie einige andere Ratskollegen dafür, zunächst das gemeindeeigene Grundstück zu nutzen, um die Verkehrsführung zu verbessern und eventuell eine Abbiegespur einzurichten.

Dass ausgerechnet die Entwürfe bei den ältesten Ratsmitgliedern größere Zustimmung fand, war dann doch etwas verwunderlich. Die beiden stellvertretenden Bürgermeister Nor­bert Sepp und Manfred Nieß befanden, dass jede Zeit ihren Baustil habe. Nieß sagte, es müsse nicht sein, dass wir bewusst einen alten Baustil wählen und Sepp verwies sogar auf den Mut der Architekten vor hundert Jahren beim damaligen Schulhausbau, denn dieses habe damals sicherlich auch nicht in das Ortsbild gepasst. „Ich bin für diese Lösung“, erklärte Sepp.

Als Problem erwies sich, dass für das Gebiet kein Bebauungsplan existiert. Das war ein weiterer Kritikpunkte im Ausschuss. „Wir machen einen Bebauungsplan nach den Vorgaben von Investoren“, sagten Andy Keller und Thomas Wiesmann (SPD). Es müsse umgekehrt sein. Einige Ratsmitglieder empfanden den Entwurf zu sehr von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Für Erich Püttner ist das genau das Problem. Für ihn sind der Erhalt des dörflichen Charakters und die Wirtschaftlichkeit die „Quadratur des Kreises“. Der Rat müsse nun entscheiden, wie man mit dem Problem umgehe.

Püttner verkennt auch nicht, dass eine kleinere Lösung zwar besser ins Dorf passe. Ob das aber für einen Investor wirtschaftlich sei, bezweifelten er ebenso wie die Architekten. Der Rathauschef sprach von „knallharten Verhandlungen“, die man mit dem Investor geführt habe. Nun also wird sich der Marktgemeinderat in Kürze mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes beschäftigen. Viele Diskussionen sind vorprogrammiert.

Siegfried Spörer

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