Günther Honels Miniatur-Jahrmarkt

Kaufering: Oktoberfest im Elektroladen

Günther Honel und Miniaturkarussell
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Günther Honels Modellbauten
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Kaufering – Kinderhände tapsen ans Schaufenster, Nasen werden plattgedrückt, die Augen leuchten. In den Ohren scheppert Jahrmarktsmusik. Und hinter der Scheibe sind sie, die bunten Lichter und Fahrgeschäfte. Eigentlich fehlt nur noch der Geruch nach gebrannten Mandeln und die Illusion wäre perfekt. Wer sich zurzeit vor das Schaufenster von Elektro Hilscher in Kaufering stellt, sieht sich dem Oktoberfest gegenüber – im Miniaturformat. Günther Honel aus Kaufering ist der Erschaffer dieser Schausteller-Welt im Kleinen, die normalerweise gerade im Seniorenstift dessen Bewohner bezaubern würde. Wegen Corona geht das nicht – und Elektro Hilscher freut sich über die ‚Leihgabe‘, die noch bis zum 17. Oktober die Schaufenster erleuchtet.

Kaufering: Günter Honels Miniatur-Oktoberfest

Günther Honel und Miniaturkarussell
Günther Honels Modellbauten © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN
Miniaturmodell Jahrmarkt Kaufering
Günther Honels Miniatur-Oktoberfest © FKN

Die Boxautos tragen an Front und Seite glitzernd schillernde Streifen und Sterne. Die Fahrer: alles Frauen. Püppchen mit weißblonden Haaren. „Ich habe keine männlichen Puppen bekommen“, lacht Honel. Viele der Materialien findet er auf Flohmärkten. Zum Beispiel die Schienen für seine Achterbahn. Drei Kisten davon habe er gekauft. „Aber wenn ich gewusst hätte, wie gut das funktioniert, hätte ich fünf Kisten mitgenommen.“ Dann wäre die Achterbahn – mit zwei Loopings – noch größer geworden, sicher zur Freude der auch dort rein weiblichen Gäste. Die sind natürlich festgeklebt. So stark wirkt die Zentrifugalkraft im Modell dann doch nicht.

Honel nimmt ein Boxauto nach dem anderen in die Hand, stellt den Motor an der Unterseite an und setzt sie wieder auf die Fahrbahn des rund eineinhalb Meter langen und ein Meter breiten Autoscooter-Modells. Kaum auf der Fahrbahn, rasen die Autos auch schon los, stoßen aneinander, verkeilen sich – genauso wie die großen auf dem Rummel.

Mit Liebe zum Detail

„Die Boxautos waren vorher Polizeiwagen“, erzählt der 70-jährige Rentner. Sie sind einige der wenigen Teile, die er umfunktioniert hat. Das meiste ist selbstgebaut, aus Holz, Stoff, beklebt mit Folien oder auch angemalt.

Fängt Honel mit einem neuen Fahrgeschäft an, geht das durch Probieren. „Ich habe keine Zeichnungen und keinen exakten Plan im Kopf.“ Die Schiffschaukeln hat er aus dem dünnen Holz von Obstkistenböden gebaut. Für die erste habe er fünf Stunden gebraucht. „Aber die anderen gingen dann weitaus schneller.“ Er sei eben ein echter Bastler, sagt Honel. Man brauche Liebe zum Detail und Geduld. Die weiblichen Jahrmarktsgäste habe aber nicht er ausgestattet. „Das waren die Schwestern im Stift.“ So hat manch Rummel-Gast eine Wollmütze auf, andere haben den Luftballon in der Hand. Und vor allem die Frisuren haben die Schwestern angepasst: mit im Fahrtwind wehenden Haaren. Auch die Gondeln des Riesenrades beweisen Honels Geduld: Jede habe er aus Kupferdraht gebogen und danach angemalt. Im Kopf des Bastlers war auch die Idee, die Gondel einzeln in sich drehen zu lassen. „Da war aber der Platz für die Batterie zu klein“, bedauert er.

Momentan entsteht unter Honels Händen eine radfahrende Seiltänzerin, an deren Rad ein Clown in einem Gestell sitzt. Und in Zukunft sollen sich die Schiffschaukeln vielleicht auch überschlagen können. Die Pläne hat Honel schon im Kopf. Die Elektrik und die bunte LED-Glitzerwelt baut der ehemalige Elektrotrechniker natürlich selbst sein. Und so kann die Nabe des circa 1,20 Meter großen Riesenrades – eine ehemalige Kabeltrommel – auch Farbe und Blinkrhythmus ändern.

Angefangen hat alles mit einem Karussell, das Honel vor zehn Jahren für seine Enkel gebaut hat. „Dabei hatte ich mich daran erinnert, das mein Vater meiner Schwester auch mal so eines gebaut hatte. Der Antrieb war damals noch ein Plattenspieler.“ Tüfteln im Kleinformat liegt in der Familie. Und seit er vor zehn Jahren in Rente gegangen ist, hat Honel auch Zeit dafür. Finanziert wird sein Hobby von ihm selbst. Aber auch der Förderverein des Seniorenstifts unterstützt ihn. Denn Honel baut seinen Jahrmarkt jedes Jahr im Stift auf, zeitgleich zum ‚großen‘ Kauferinger Volksfest. Er habe sich schon immer vorgenommen, in diesem Bereich zu helfen, erzählt der Rentner. Der nicht nur seine Modelle im Stift aufbaut, sondern auch bei sonstigen Festen „das Technische organisiert“, wie er sagt. Und immer gerne mit den Bewohnern redet, sich um sie kümmert. Dass er beim Dosenschießen mitmacht, ist für ihn selbstverständlich.

„Im Moment ist aber Stillstand“, erzählt Honel. Denn wegen der Corona-Pandemie darf er keine Besuche im Heim machen, geschweige denn, sein kleines Oktoberfest dort aufbauen. Wie das normalerweise aussieht, zeigt übrigens ein Film, der im Elektrogeschäft läuft.

Seit den 80ern, als Honel mit der Bundeswehr in den Landkreis kam, lebt der 70-Jährige in Kaufering. Seine zwei kleinen Enkel profitieren auch in Zukunft von seiner Bastelleidenschaft. Und auch das Seniorenstift wird Günther Honel weiterhin zum Leuchten bringen.
Susanne Greiner

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