Im Sanierungs-Stau

"40 Jahre wurde nichts gemacht"

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Längst ist das Kauferinger Sportzentrum in die Jahre gekommen. Rund 3,9 Millionen Euro kostet eine Sanierung, inklusive neuer Hallendecke, Haustechnik und Brandschutz.

Kaufering – Bürgermeister Erich Püttner steht vor einem ähnlichen Problem wie einige Kollegen aus dem Landkreis. Es sind die in die Jahre gekommenen Turnhallen, die den Anforderungen nicht mehr entsprechen und saniert werden müssen. So auch in Kaufering. Die auch als Mehrzweckhalle genutzte Dreifachturnhalle muss dringend saniert werden.

Mehr noch: Das Landratsamt hat bereits wegen Brandschutzmängeln drohend den Zeigefinger erhoben. Der Gemeinde droht der Entzug der Nutzungserlaubnis als Versammlungsstätte. Davon wären dann auch die Floorballer betroffen, die ihre Heimspiele in der Bundesliga in eben dieser Halle austragen. Schon heute müssen bei größeren Veranstaltungen über 200 Personen Feuerwehrleute vor Ort sein, um den Brandschutz zu gewährleisten.

Nachdem das Thema schon in der Bürgerversammlung behandelt worden war, beschäftigte sich nun der Marktgemeinderat damit. Bauamtsmitarbeiter Hermann Bader demonstrierte anhand von Bildern eindrucksvoll, wo die Probleme liegen. Er untergliederte seinen Vortrag in drei große Sanierungsbereiche: Hallendecke, Haustechnik und Brandschutz.

Es sei die aufsteigende Feuchtigkeit, die zur Rostbildung an einigen Punkten im Tragwerk geführt habe, erläuterte Bader. „Es muss eine Dampfbremse eingebaut werden“, befand der Fachmann. Bader hält es für sinnvoll, im Rahmen dieser Arbeiten auch gleich die Beleuchtung auf den neuesten technischen Stand zu bringen, denn für den Einbau der Dampfbremse muss die Decke abgenommen werden. Für die modernen energiesparenden LED-Leuchten wurde ein Zuschuss beantragt und auch genehmigt worden.

Kleiner Lichtblick

Lang ist die Mängelliste auch bei der Haustechnik. Alles ist älter als 40 Jahre, sagte Bader. Fenster, Umkleidekabinen oder auch die Sanitäranlagen sind sanierungsbedürftig. Beheizt wird das Gebäude mit einer nicht mehr zeitgemäßen Elektrospeicherheizung. Die Fassaden sind fast ungedämmt. Einen Lichtblick gibt es. Ein kleiner Teil des Gebäudes ist an die Nahwärme angeschlossen. Die Lüftungsanlage sei noch handgesteuert, wie vor 40 Jahren üblich, meinte Bader. Das bedeute hohe Unterhaltskosten, außerdem gebe es keine Ersatzteile mehr.

Knackpunkt ist aber die Versammlungsstättenverordnung. Die Halle hat ein Fassungsvermögen von 1500 Menschen. Das Landratsamt hatte bemängelt, dass keine Entrauchung möglich ist. Die Entlüftung ist mit der veralteten Technik nicht möglich. Es existiert keine Brandmeldeanlage, die 40 Jahre alte Sicherheitsbeleuchtung ist ebenfalls nicht mehr zulässig. Die Fluchtwege dürfen keine brennbaren Teile enthalten, sagt das Landratsamt.

Die Brandlast durch die Prallwände ist ebenfalls zu hoch. Die Gemeinde hatte einen Fachplaner eingeladen. Holger Behring aus München erläuterte den Gemeinderäten die Einzelheiten zum Brandschutz. Passiert nichts im Bereich Brandschutz, wird über kurz oder lang die Halle vom Landratsamt nur noch für maximal 200 Menschen zugelassen. Der Fachplaner betrachtet die Anwesenheit der Feuerwehr bei Veranstaltungen als temporäre Maßnahme.

In der Diskussion wies Erich Püttner darauf hin, dass man die Hallensanierung, insbesondere beim Brandschutz als Gesamtpaket betrachten müsse. „Man kann nichts raus streichen“, sagte der Rathauschef und kritisierte: „40 Jahre ist nichts gemacht worden und nun kommt alles auf einmal.“ Püttner schätzt den Aufwand für die Sanierung auf 3,9 Millionen Euro, es gibt aber Zuschüsse in Höhe von einer halben Million Euro.

Die Verwaltung will die Sanierungsmaßnahmen nach einer Prioritätenliste in einem Zeitraum von drei Jahren abarbeiten. Es herrschte Konsens darüber, dass die Grundsubstanz der Halle gut sei. Auch mit dem Hallenboden ist Hermann Bader zufrieden. „Er hält mindestens noch 10 bis 15 Jahre“, sagte der Bauamtsmitarbeiter. Noch länger strecken sollte man die Arbeiten aus bautechnischen Gründen nicht, meinte der Baufachmann – und ein Neubau würde erheblich teurer als eine Sanierung.

Gabriele Triebel (GAL): „So eine Halle kriegt man mit einem Neubau nicht hin. Bitte nicht abreißen“. Thomas Salzberger meinte, die auswärtigen Gäste bei den Spielen der Red Hocks kämen gerne in diese Halle.

Der Gemeinderat sprach sich in einem Grundsatzbeschluss einstimmig für die Sanierung der Mehrzweckhalle aus. Im Haushaltsausschuss soll nun die weitere Finanzierung geklärt werden. Triebel schlug vor, einen kleinen Ausschuss zu bilden, der über die kleinere auftretende Fragen schnell entscheiden kann. Diese Idee fand auch bei Thomas Wiesmann (SPD) Unterstützung.

Siegfried Spörer

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