"Wir schreiben keine Falschparker auf"

Kaufering schließt sich Landsberger Sicherheitswacht an

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Bald werden auch in Kaufering ehrenamtliche Sicherheitswachtler auf Streife gehen. Unser Foto zeigt Landsbergs Polizeichef Bernd Waitzmann (Mitte) bei einem Gespräch mit zwei Mitarbeitern der Sicherheitswacht.

Kaufering – Viele Landsberger kennen sie bereits. Sie tragen uniformähnliche Jacken, haben Funkgeräte dabei und gehen meist zu zweit auf Streife. Die Rede ist von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Sicherheitswacht. Nun schließt sich auch Kaufering der Sicherheitswacht an. Das beschloss der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich. Nur zwei Räte hatten Bedenken.

Bayern ist nicht zuletzt Spitzenreiter bei der inneren Sicherheit dank des ehrenamtlichen Engagements von Bürgern, die die Arbeit der Polizei unterstützen, ohne selbst polizeiliche Befugnisse zu haben. Betreut und auch bezahlt werden die Mitarbeiter der Sicherheitswacht von der Polizei. Deshalb sind die Sicher­heitswachtler auch nur der Polizei gegenüber berichtspflichtig. Ein Grund, warum zumindest formal eine Gemeinde nicht vorschreiben kann, wann und wo die ehrenamtlichen Streifen eingesetzt werden.

Landsbergs Polizeiinspektionsleiter Bernd Waitzmann und Kollege Polizeioberkommissar Robert Michel informierten den Marktgemeinderat über die Arbeit der Sicherheitswacht. Für weitere Informationen aus erster Hand sorgten noch zwei Mitarbeiter der Landsberger Sicherheitswacht.

„Wir haben mit der Sicherheitswacht in Landsberg nur gute Erfahren gemacht“, bilanzierte Waitzmann. Das liege nicht zuletzt an der Auswahl der Bewerber. „Wenn schon bei einem Bewerbungsgespräch ein Kandidat fragt, wann er seine Waffen bekommt, dann ist er raus. Was wir brauchen sind Menschen, die einfühlsam sind und deeskalierend wirken.“

Auch dass die Sicherheitswacht keine Bürgerwehr sei, machte Waitzmann deutlich. Und ebenfalls das Aufschreiben von Parksündern gehöre nicht zum Aufgabenspektrum. Besondere Rechte oder Befugnisse wie beispielsweise Polizeibeamte haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Sicherheitswacht nicht. Sie sind auch keine Hilfspolizei. Sie dürfen wie jeder Bürger einen auf frischer Tat ertappten Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Auch haben sie das Recht auf Notwehr oder Nothilfe wie jeder andere Bürger. Weiterhin dürfen sie Personen anhalten, befragen und auch ihre Personalien feststellen, wenn dies zur Gefahrenabwehr notwendig ist. Ferner können sie Platzverweise erteilen.

Über ihr Einsatzspektrum berichteten die beiden Sicherheitswachtler den Marktgemeinderäten. Das seien in jüngster Zeit die verbotenen Corona-Partys gewesen. Ein wachsames Auge hätten die Streifen aber auch auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz in Bezug auf Alkohol. Meist genüge eine Belehrung. Bei besonders uneinsichtigen Mitbürgern müsse schon einmal die Polizei geholt werden.

„Durch unsere Anwesenheit sorgen wir beispielsweise für ein besseres Sicherheitsgefühl beim Bürger“, sagen die Sicherheitswachtler. Bei Streitigkeiten ist das oberste Ziel, beruhigend zu wirken“.

„Für die Bürger sind wir immer Ansprechpartner und wir hören oft positive Stimmen aus der Bevölkerung“, erklärten die ehrenamtlichen Sicherheitswachtler. Oft könne man auch bei kleineren Nachbarschaftsstreitigkeiten vermitteln.

Ehrenamtlicher Helfer bei der Sicherheitswacht kann jeder Bürger oder jede Bürgerin mit Verantwortungsbewusstsein und Zivilcourage vom 18. bis zum 62. Lebensjahr werden, wobei bis zum 67. Lebensjahr gearbeitet werden darf. Dass man einen tadellosen Lebenslauf haben sollte, muss nicht besonders erwähnt werden. Im Schnitt sollen nicht mehr als 25 Stunden im Monat gearbeitet werden. Es gibt eine Aufwandspauschale in Höhe von acht Euro pro Stunde.

40 Stunden lang werden die Aspiranten, die von der Polizei für die ehrenamtliche Tätigkeit ausgewählt werden, geschult. Schwerpunkte der Schulung sind das sogenannte Eingriffsrecht, Strafrecht und Dienstkunde.

Waitzmann sagte, er arbeite seit 17 Jahren mit Menschen der Sicherheitswacht zusammen und schätze die Arbeit der Ehrenamtlichen. Neben Landsberg und Kaufering stehe auch Geltendorf vor der Einrichtung einer Sicherheitswacht. In Bayern seien gegenwärtig rund 800 Sicherheitswachtler im Einsatz. Die Bayerische Staatsregierung will die Sicherheitswacht auf 1.500 Stellen weiter aufstocken.

Weitere Informationen über die Sicherheitswacht gibt es unter www.innenministerium.bayern.de, Stichwort Sicherheitswacht. Wer sich bewerben will, kann sich bei der Polizei Landsberg, Telefon 08191/932-0, melden.
Siegfried Spörer

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