Mit blauem Spraylack

Unbekannte schänden KZ-Friedhöfe

+
Unbekannte Täter beschmierten Grabsteine, Bänke und die Außenmauer des KZ-Friedhofes „Kaufering Süd“ nördlich der Marktgemeinde.

Kaufering – Die Schmierereien in leuchtend blauem Spraylack dürften inzwischen entfernt sein, das Entsetzen über die Tat hält aber noch lange nach. Unbekannte Täter haben am Wochenende den KZ-Friedhof „Kaufering Süd“ nahe der Lechstaustufe 19 geschändet. Antisemitische Sprüche und Symbole der Nationalsozialisten brachten sie auf Grabsteinen und Sitzbänken sowie an der Umfriedungsmauer auf. Polizei und Kripo ermitteln.

In der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, in deren Verantwortung die KZ-Friedhöfe im Freistaat liegen, ist man entsetzt über Schmierereien auf dem nördlich der Marktgemeinde Kaufering gelegenen Friedhof. Gemeinsam mit Bürgermeister Erich Püttner nahm Stiftungsmitarbeiter Ulrich Fritz am Montag den „Ort der Untat“ persönlich in Augenschein. „Die Beseitigung des antisemitischen Geschmieres“ sei bereits beauftragt, ließ die Stif­tung am Mittwoch verlauten.

Nachdem für Hakenkreuze und Schmierereien an jüdischen Gedenkorten und Friedhöfen im Verantwortungsbe- reich der Gedenkstättenstiftung erfreulicherweise ein Rückgang zu konstatieren gewesen sei, gab es nun diesen „gravierenden Vorfall“ in Kaufering. Ein aufmerksamer Bürger habe die Beschmierung von Grabsteinen entdeckt und umgehend gemeldet. Die Gedenkstättenstiftung als Liegenschaftsverwal- terin erstattete daraufhin Strafanzeige gegen Unbekannt.

„Hakenkreuz-Schmierereien auf Grabsteinen sind eine kriminelle Tat. Ich bin erschüttert, dass sich derzeit bei uns, ausgerechnet in der Bundesrepublik Deutschland, ein Judenhass Bahn bricht, von dem man glauben konnte, er sei im größten Teil der Gesellschaft überwunden“, kommentierte Stiftungsdirektor Karl Freller die unverständliche Tat.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist in ihrer Arbeit auf die Bürger vor Ort angewiesen. „Wir sind sehr dankbar für die rasche Anzeige dieses antisemitischen Vorfalls durch einen aufmerksamen Bürger der Marktgemeinde“, so Freller, „je höher die Sensibilität der Bevölkerung für derartige Schandtaten ist, desto sicherer können sich unsere jüdischen Mitbürger fühlen.“

Hinweise erwünscht

Wie Landsbergs Polizeisprecher Franz auf Anfrage ausführt, gibt es noch keinen konkreten Tatverdacht. Inzwischen ist die Kripo Fürstenfeldbruck für den Fall zuständig, da verfassungswidrige Symbole und Äußerungen verwendet worden seien. Auch den KZ-Friedhof bei Schwabhausen hätten Unbekannte im gleichen Zeitraum geschändet. In beiden Fällen bitten Polizei und Kripo Fürstenfeldbruck um Hinweise aus der Bevölkerung.

Toni Schwaiger

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Aufbruch in die Romantik
Aufbruch in die Romantik

Kommentare