170 neue Wohnungen in Kaufering

Teures Holz für Lechfeldwiesen V

Modell Lechfeldwiesen V in Kaufering
+
Das Baugebiet Lechfeldwiesen V soll mittels einer Lärmschutzwand zum Berliner Ring hin abgeschirmt werden.
  • Stefan Raab
    VonStefan Raab
    schließen

Kaufering – Im Kauferinger Norden soll bezahlbarer und ökologischer Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungs­gruppen entstehen. Das will die Gemeinde mit dem Projekt Lechfeldwiesen V umsetzen. 70 Prozent der 170 Wohnungen sollen über das Förderprogramm des Freistaates für den kommunalen Wohnungsbau finanziert werden. Der Rest geht in den Verkauf als Werks- und Eigentumswohnung.

Zugleich gilt es, eine nachhaltige und klimafreundliche Bauweise zu verwirklichen – mit viel Holz als nachwachsendem Rohstoff. Allerdings verteuerte sich dieser im Frühjahr exponentiell, um sich auf hohem Niveau einzupendeln. In der Gemeinde rechnet man nun mit zehn Prozent Mehrausgaben.

Ein Hausbau kostet, vor allem, wenn er aus Holz gefertigt werden soll. Der Grund: die rasant steigenden Rohstoffpreise auf den Weltmärkten. Das beunruhigte zuletzt den Gemeinderat Kaufering, der in den Startlöchern für sein sozial-ökologisches Wohnprojekt auf den Lechfeldwiesen V steht.

Das Baugenehmigungsverfahren für die zehn geplanten Mehrfamilienhäuser, als Holzbau in Dickholzkonstruktion eingeplant, soll bald eingeleitet werden.

Klimaschutz kostet

Stefan Degle vom Architektenbüro 17A, das den Zuschlag für den besten Entwurf erhalten hatte, sieht in einer Holzbauweise erhebliche Vorteile: „Zukunftsorientiertes Bauen ist ökologisch. Zudem wird in den USA seither mit Holz gebaut. Wir lassen die Wände allerdings in dreifach verleimten Holzschichten anfertigen. Das ist etwas dünner als Ziegel, jedoch bestehen so viele Möglichkeiten zur Gestaltung der Außenwände.“ Gerade mit Holz fühlten sich die Bewohner heimelig und es würde viel Wärme entstehen. Zudem wären mit dem Erstbezug die Wände trocken – im Gegensatz zu einer Massivbauweise mit Ziegel, der drei Jahre austrocknen müsste, ergänzte der Architekt aus Königsbrunn.

Die kritischen Stimmen aus dem Kauferinger Marktgemeinderat an der geplanten Holzbauweise brachte das Werben für die Vorzüge von Holz als Baumaterial nicht zum Verstummen. Stefan Degle konnte beruhigen: „Die Holzpreise gingen in die Höhe, aber es geht wieder runter.“

Gabriele Triebel von den Grünen wandte sich gegen ein Scheitern des ökologischen Wohnprojekts aus Kostengründen: „Wir wissen, wie es ist, wenn die Kosten in die Höhe schießen. Wir haben uns entschlossen zukunftsgerichtet zu bauen, lasst uns das weiter verfolgen. Lasst uns diesen Schritt wagen – Klimaschutz kostet.“ Bürgermeister Thomas Salzberger (SPD) nahm die Sorge um zu hohe finanzielle Belastungen des Kauferinger Haushaltes ernst. Er hatte dafür eine praktische Lösung parat: „Wenn die Kosten explodieren, können wir von einem CO2-neutralen Bau zurücktreten.“

Als weiterer Kritikpunkt an dem 220 Meter langen Lechfeldwiesen-V-Wohnprojekt galt bislang auch die zu geringe Distanz der neuen Wohnungen zum Berliner Ring. Mit einer Lärmwand entlang der Augsburger Straße soll nun Lärmbelästigungen entgegengesteuert werden, so Salzberger.

Architekt Degle war sich im Klaren darüber, dass der Baubeginn auf den Lechfeldwiesen V eine Veränderung für die Kauferinger bedeutet: „Wo Veränderung stattfindet, entsteht auch Angst oder Skepsis. Das ist verständlich, weil in den Lechwiesen jetzt Natur ist und später die Bebauung erfolgt. Aber es ist etwas Gutes – es geht um einen günstigen, sicheren und schönen Wohnbau.“

Viel Freiraum und Park

Degles Partner Andreas Matievits stellte die besondere landschaftliche Gestaltung des neuen kommunalen Wohnprojekts, das 2025 realisiert werden soll, in den Vordergrund: „Der Zugang zu den Lechauen ist durchlässig, sodass offene Blickbeziehungen in alle Richtungen entstehen. Für mich ist das Wohnen auf den Lechwiesen V ein Zusammenspiel von Freiraum und Parkanlagen.“

Die Gemeinde hat errechnet, dass das Bauen mit Holz für das anvisierte Wohnprojekt rund 10 Prozent teurer wird als bisher angenommen. Der Gemeinderat stimmte mit 15:9 dafür, das Risiko einer finanziellen Mehrbelastung einzugehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Intel-Megafabrik: Landsberg verweigert neues Signal an den Chiphersteller
Landsberg
Intel-Megafabrik: Landsberg verweigert neues Signal an den Chiphersteller
Intel-Megafabrik: Landsberg verweigert neues Signal an den Chiphersteller
Inzidenz sinkt weiter, dennoch über 100 Neuinfizierte
Landsberg
Inzidenz sinkt weiter, dennoch über 100 Neuinfizierte
Inzidenz sinkt weiter, dennoch über 100 Neuinfizierte
Wenn sich der Rat von der massiven Bebauung abwendet
Landsberg
Wenn sich der Rat von der massiven Bebauung abwendet
Wenn sich der Rat von der massiven Bebauung abwendet
Die Gottesmänner um St. Ottilianer Pater Vianney und ihre Stimmen
Landsberg
Die Gottesmänner um St. Ottilianer Pater Vianney und ihre Stimmen
Die Gottesmänner um St. Ottilianer Pater Vianney und ihre Stimmen

Kommentare