Vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf mit dem Chefsessel:

Gabriele Uitz sagt "Servus, Kaufering!" und  "Grüß Gott, Dießen!" 

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Vor einem Jahr leistete Markus Söder, damals noch designierter Ministerpräsident, in Kaufering Schützenhilfe für CSU-Bürgermeisterkandidatin Gabriele Uitz (links). Wiederholen sich die Ereignisse jetzt in Dießen?

Kaufering – Der Ortsverband der Kauferinger CSU hat mit Dr. Thomas Harbich einen neuen Vorsitzenden. Vorgängerin Gabriele Uitz hatte sich nicht für eine Wiederwahl aufstellen lassen und legte in der Mitgliederversammlung offiziell alle ihre Ämter nieder. Das war keine Überraschung, denn Uitz wohnt seit Kurzem in Dießen. Grund: Das von ihr ange­mietete Haus wird verkauft und gleichwertiger Ersatz sei in Kaufering nicht zu finden. In Dießen jedoch munkelt man, sie wolle den Chefsessel im Rathaus erobern.

Der neue Vorstand des Kauferinger CSU-Ortsverbands präsentierte sich zusammen mit dem Landkreischef (von links): Schatzmeister Jürgen Schropp, Vorsitzender Dr. Thomas Harbich, die Stellvertreter Thomas Weidenmüller und Rosina Heinle, Landrat Thomas Eichinger und Anton Widmann als weiterer Stellvertreter.

Mit dem Mediziner Dr. Thomas Harbich an der Spitze ziehen die Christsozialen in die Kommunalwahl 2020. Harbich sitzt seit 2014 im Marktgemeinderat und führt dort die CSU-Fraktion. Zu seinen Stellvertretern im Ortsverband wurden Rosina Heinle, Anton Widmann und Thomas Weidenmüller gewählt. Jürgen Schropp ist der alte und neue Schatzmeister und Julia Hunger bleibt weiterhin Schriftführerin. Zu Beisitzern wählte die Versammlung Gabriele Hunger, Daniel Lindner, Stefan Nitsche, Hartmut Niemeyer und Bernhard Pertl.

Diskussionsstoff gab es genügend auf der diesjährigen Ortshauptversammlung im Brückenwirt. Vor allem das Volksbe­gehren „Rettet die Bienen“ trieb die Mitglieder um, zumal CSU-Gemeinde- und -Keisrat Johann Drexl vor einigen Tagen für Schlagzeilen sorgte. Unter anderem hatte der Biolandwirt und BBV-Kreisobmann vor und im Rathaus unterschriftswillige Bürger angesprochen.

Landwirte mit ins Boot

Auch Landrat Thomas Eichinger ging in seinem Vortrag auf das Volksbegehren ein. Er weiß, dass das Thema die Menschen bewegt. „Alle wollen das Gleiche, alle wollen eine artenreiche Natur“. Für ihn müssen aber die Landwirte mit ins Boot. „Man muss die Schärfe aus einigen Textpassagen herausnehmen“. Kritisch sieht Eichinger beispielsweise die Passage zur Erhöhung der Bioproduktion. So könne man die Verbraucher nicht dazu verdonnern, ab sofort mehr Bioprodukte zu kaufen.

Eichinger Ansatz zu dem Thema ist, dass jeder Einzelne einen Beitrag zum Artenschutz leisten könne und müsse. Die Rechnung ginge nicht auf, wenn Bürger glauben, mit einer Unterschrift sei es getan. Der Landrat präsentierte den CSU-Mitgliedern eine Bilanz, was Bayern im Umwelt- und Artenschutz schon getan habe. Beispielsweise sei der Waldumbau deutlich weiter als anderswo und auch im Grünlandbereich sei man gut unterwegs.

Der Landkreis Landsberg mit seinen 120.000 Einwohnern in 31 Kommunen steht nach den Worten des Landrats gut da. „Wenn wir jammern, dann auf hohem Niveau“. Eichinger bilanzierte, man habe quasi Vollbeschäftigung. Die Schattenseite sei, dass es kaum noch Fachkräfte gebe. Der Landkreis habe in fast allen Lebensbereichen in die Zukunft investiert, sagte Eichinger, ob bei Bädern, Schulen, Seniorenheimen oder auch bei den Feuerwehren.

Fliegerhorst im Visier

Zu den großen Herausforderungen gehöre die Weiterentwicklung des Geländes des Flieger­horstes Penzing, wenn der Bund das Gelände endgültig freigegeben habe. Man solle die Gemeinde Penzing nicht allein lassen und die Last auf breite Schultern verteilen. Eichinger betonte, was immer in Penzing passiere, es habe Auswirkungen auf die Nachbarkommunen und den ganzen Landkreis. Deswegen müsse man das Thema vorsichtig angehen. Nirgendwo in Bayern gäbe es eine ähnliche große Fläche, die mit einem Schlag frei werde.

Eichinger warb einmal mehr für einen Zweckverband mit den Kommunen, dem Landkreis und auch dem Freistaat. Grundstücke unwiderruflich an Investoren zu verkaufen, sieht Eichinger kritisch. Für ihn ist es „charmanter“, Zeitverträge zu schließen, um der öffentlichen Hand die Gelegenheit zu geben, später auf die Grundstücke zurückgreifen zu können. „Vielleicht haben wir langfristig andere Vorstellungen von der Geländenutzung als heute“.

Kauferings neuer CSU-Vorsitzender Dr. Thomas Harbich und die 3. Bürgermeisterin Gabriele Hunger gaben einen Rückblick auf die Arbeit im Marktgemeinderat. Bei der Planung für das neue Feuerwehrgerätehaus sei man durch die interfraktionelle Zusammenarbeit einen großen Schritt weitergekommen. Nun würden die Kosten darüber entscheiden, welche Variante in Frage komme. Sorge bereiten der CSU-Fraktion aber weiterhin die Gemeindefinanzen, denn es stünden große Sanierungsprojekte an. Auch die Weiterentwicklung des Baugebietes „Lechfeldwiesen V“ könnte wegen der finanziellen Situation schwierig werden, betonte Harbich. Der neue Vorsitzende versprach, den Vorschlag eines Mitglieds umzusetzen, Fraktionssitzungen künftig öffentlich zu machen.

Für Gabriele Uitz war es die letzte Sitzung in Kaufering. „Auf mich warten neue Herausforderungen“, sagte sie zum Abschied. Gerüchten vom Ammersee-Westufer zufolge soll sie sich um die Nachfolge von Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch bewerben wollen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Allerdings: Die Zeit in Kaufering habe sie, Uitz, bereichert, aber auch stark gemacht. Stärke dürfte sie auch aus dem Bürgermeisterwahlkampf geschöpft haben – die Niederlage gegen Bärbel Wagener-Bühler inbegriffen. Dem CSU-Ortsvorstand wünschte Gabriele Uitz Einheit, Glück und Offenheit.

Siegfried Spörer/Toni Schwaiger

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